Heilbad zieht Urteil nicht weiter

UNTERRECHSTEIN ⋅ Der Fall sorgte schweizweit für Schlagzeilen und Empörung: Das Ausserrhoder Kantonsgericht hat im März die Heilbad Unterrechstein AG in Grub wegen Diskriminierung Behinderter verurteilt. Nun hat der Verwaltungsrat des Heilbads entschieden, den Entscheid nicht ans Obergericht weiterzuziehen.
08. Juni 2017, 14:32
JESKO CALDERARA
Dies schreibt er im Geschäftsbericht 2016. Damit muss das Heildbad den Behindertenorganisationen rund 34'000 Franken zahlen. Hinzu kommen die Prozesskosten von 4'500 Franken. Die Klage eingereicht haben Procap Schweiz, Pro Infirmis und Insieme.

Anstoss dazu gab ein Vorfall, der sich bereits 2012 ereignete. Damals wurde einer Schulklasse der Heilpädagogischen Schule Heerbrugg der Einlass verwehrt. An der Kasse wurden die fünf behinderten Kinder im Rollstuhl und ihre Begleiter ohne Begründung abgewiesen, obwohl die Gruppe angemeldet war. Ein paar Tage später lieferte die Heilbad-Leitung diese schriftlich nach.

In dem Brief hiess es, dass insbesondere Gruppen von Personen mit körperlicher oder geistiger Behinderung bei manchen Badegästen «auf wenig Akzeptanz stossen» würden. Es habe sich gezeigt, dass Stammgäste dem Bad fernblieben, wenn Behinderte das Bad besuchten. Dies könne sich das Bad wirtschaftlich nicht leisten. Die Leitung bot der Heilpädagogischen Schule aber an, ihr zu Randzeiten Zutritt zum Bad zu gewähren. In der Schweiz ist es die erste Klage gegen Diskriminierung von Behinderten, die gutgeheissen wurde.
 

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