Guter Rat bleibt gefragt

HERISAU ⋅ In Ausserrhoden ist grösstenteils die Pro Juventute für den Betrieb der Mütterberatungsstellen zuständig. Die Probleme haben sich im Laufe der Zeit gewandelt.
07. April 2018, 05:18
Karin Erni

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Vor 100 Jahren war die Säuglingssterblichkeit in der Schweiz hoch. In den sogenannten Milchküchen erhielten junge Mütter nicht nur saubere Säuglingsmilch, sondern durch ausgebildete Säuglingsfürsorgerinnen auch Unterricht in Pflege, Ernährung und Erziehung von Kleinkindern. Diese Organisation war gewissermassen die Vorläuferin der heutigen Mütterberatungsstellen.

Noch heute ist diese Dienstleistung gefragt. Sie wird von vielen Eltern in Anspruch genommen. Auch wenn die Gründe nicht mehr dieselben sind, wie vor 100 Jahren. «Die Eltern sind heute durch das Internet und Bücher gut informiert», sagt Manuela Gröber. Die diplomierte Mütterberaterin und Erziehungsfachfrau kann auf viele Jahre Erfahrung zurückblicken. «Die Kehrseite der vielen Informationen ist eine grössere Verunsicherung der Eltern.» Durch das Aufwachsen in einer Kleinfamilie fehlt vielen die praktische Erfahrung im Umgang mit Babys. Die Elternbriefe und Merkblätter, die von der Pro Juventute abgegeben werden, sind daher nach wie vor sehr beliebt. In Ausserrhoden wird die Mütter- und Väterberatung in einem Grossteil Gemeinden von der Pro Juventute mit Sitz in Herisau durchgeführt, die dafür eine Leistungsvereinbarung mit 14 Gemeinden getroffen hat.

Eltern unterstützen und stärken

Während die Säuglingsfürsorgerinnen früher eine Kontrollfunktion hatten und die Wöchnerinnen zu Hause unangemeldet besuchten, um zu kontrollieren, ob Hygiene und Pflege stimmten, haben die Mütterberaterinnen heute ein partnerschaftliches Verhältnis zu ihren Klienten. «Wir geben lediglich Empfehlungen ab», sagt Manuela Gröber. Es gehe um die Stärkung der Eltern. «Sie sind die Fachpersonen, wenn es um ihr Kind geht. Sie merken am besten, wenn etwas nicht stimmt. Wir ermuntern sie, auf ihr Gefühl zu hören und geben ihnen Beratung und Unterstützung in Fragen wie Ernährung, Schlafen oder Stillen.» Die Frauen hätten heute sehr hohe Ansprüche an sich selbst. «Sie haben Angst, etwas falsch zu machen und dadurch dem Kind zu schaden.»

Die Beratungen der Eltern auf Termin nehmen zu. «Wir können uns mehr Zeit einplanen, als dies der Kinderarzt tun kann», sagt Manuela Gröber. Dank neuer Kommunikationsmittel wie den WhatsApp-Chats sind die Beraterinnen gut erreichbar. Eine neuere Erscheinung sei die Berufstätigkeit der Mütter und der damit verbundene Trennungsschmerz, sagt Beraterin. «Auch das omnipräsente Smartphone stellt heute ein Problem dar.» Weil der Mann auswärts arbeitet, kochten die Mütter oft am Mittag nicht mehr, bedauert sie. «Regelmässige Essenszeiten sind wichtig, um Struktur in Tag zu bringen.» Eine grosse Herausforderung stellt die multikulturelle Gesellschaft für die Beraterinnen dar. Sie müssen sich mit Verständigungsproblemen, unterschiedlichen Vorstellungen und Bräuchen auseinandersetzen. Das Projekt Elternbildung für Flüchtlingsfrauen will hier Brücken bauen.


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