Grosses Kino im Buchensaal

SPEICHER ⋅ Am Samstag war am Neujahrsapéro Filmpremiere von «Gesichter von Speicher». Mit gut 500 Besucherinnen und Besuchern war der Buchensaal «ausverkauft». Demnächst ist der Film im Internet zu sehen.
08. Januar 2018, 06:11
Patrik Kobler

Patrik Kobler

patrik.kobler

@appenzellerzeitung.ch

Schlafdorf ist anderswo. Speicher lebt – und wie. Gut 500 Personen besuchten am Samstag den Neujahrsapéro im Buchensaal. Sapperlot, dachte sich der Auswärtige, der Gemeindepräsident muss aber gute Reden halten, wenn so viele Leute kommen. Nun, die Peter Langenauers Rede war gut. Man lebe in Speicher in privilegiertem Rahmen, sagte er. Die Infrastruktur sei top und die Alltagssorgen wie eine Schneemade auf einem Fussgängerstreifen oder ein Kehrichtsack, der zu früh am Strassenrand deponiert worden sei, eher Kleinigkeiten. Daher seien manchmal auch Dankbarkeit und eine Prise Demut gefragt. Gleichwohl erinnerte Langenauer daran, dass zwar vieles paradiesisch anmute, aber nicht alle im Paradies leben würden. So treffend die Worte des Gemeindepräsidenten – es war seine letzte Neujahrsansprache vor seinem Rücktritt Ende Mai – auch gewesen sein mögen, die meisten Besucherinnen und Besucher dürften aus einem anderen Grund den Anlass besucht haben. Denn: Es war Premiere. Die Kulturkommission hatte unter der Leitung von Gemeinderätin Natalia Bezzola Rusch aus Anlass des Europäischen Kulturerbejahres beim jungen Speicherer Filmteam Fresh Frames einen Imagefilm in Auftrag gegeben. Dieser soll aufzeigen, was Speicher ausmacht.
 

Viele, viele Gesichter sind im Film zu sehen

Ein Jahr lang wurde im Dorf gedreht. Am Samstag konnte das fertige Werk "Gesichter von Speicher" präsentiert werden. Fazit: die jungen Filmemacher haben das super gemacht. Sie haben eindrückliche Bilder aufgenommen – beispielsweise schöne Flugaufnahmen – und viele, viele Menschen aus Speicher im Film verewigt. So haben sie etwa den Deutschkurs von Hildegard Breitenmoser für Asylbewerber besucht oder Claude Heiniger zum Badmintontraining begleitet. Der Clou an der Premierenvorstellung: Einzelne Filmsequenzen wurden auf der Bühne des Buchensaals weitergesponnen. War der Schülerchor Gsängli beispielsweise gerade noch auf der Leinwand beim Proben zu sehen, stand er plötzlich auf der Bühne und sang herzergreifend: "Heiterefahne mis Herz ghört dohi." Auftritte hatten unter anderen auch der Exil-Speicherer Andreas Fröhlich, der gemeinsam mit dem Frauenchor und Jane Sonderegger am Hackbrett das "Spiicher Lied" präsentierte, der Männerchor sowie der Zauberer Adrian Jost.

Gut eine Stunde dauerte die Premiere. Dann leitete Natalia Bezzola Rusch zum Apéro. Die Leute, die während der Vorführung mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mussten – im Buchensaal gibt es 487 Stühle – waren jetzt im Vorteil. Sie mussten sich nur einmal umdrehen und standen schon vor dem Buffet. Wer selber schauen will, was das Dorf ausmacht: Der Film "Gesichter von Speicher" wird demnächst auf der Homepage der Gemeinde aufgeschaltet.


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