Gasthaus "Rossfall" in Urnäsch bleibt unter Schutz

KULTURDENKMAL ⋅ Das Gasthaus Rossfall in Urnäsch, in welchem während Jahrhunderten Alpfahrt-Sennenbälle stattfanden, bleibt als Kulturobjekt unter Schutz gestellt. Dies hat das Bundesgericht entschieden.
21. November 2017, 12:23
Urs-Peter Inderbitzin
In der Landwirtschaftszone der Gemeinde Urnäsch steht ein historisch wertvoller Bau, das Gasthaus Rossfall. In diesem Haus fanden während zwei Jahrhunderten anlässlich der Appenzeller Alpabfahrt Sennenbälle statt. Das Gebäude gilt gemäss einem Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege denn auch als einzigartiger Zeuge der tief verwurzelten, ortsgebundenen regionalen Tradition der Alpabfahrt und des Sennenballs.
 
Da Haus hat strube Zeiten hinter sich. Im Jahre 1981 wurde der nördliche Saaltrakt durch eine Gasexplosion stark beschädigt. In den Jahren 1985/86 wurde der Saal mit finanzieller Unterstützung des Bundes, des Kantons Appenzell Ausserrhoden und der Gemeinde Urnäsch wieder aufgebaut. Im Jahre 1991 kam das mit Holzschindeln eingekleidete Haus kam als Kulturobjekt ausserhalb der Bauzone in den kantonalen Schutzzonenplan.
 

Eternit- statt Holzschindeln

Im Jahre 2001 wurde das Gasthaus verkauft. Die neuen Eigentümer liessen – gestützt auf eine Baubewilligung - die Holzschindeln an den Fassaden des nördlichen Saaltraktes gegen Westen und Norden durch Eternitschindeln ersetzen. Fünf Jahre später stellten die Eigentümer das Gesuch, es sei ihnen zu bewilligen, die Südfassade zu sanieren und auch dort Eternitschindeln anzubringen. Die Sanierung wurde bewilligt, allerdings wurde den Eigentümern die Auflage gemacht, an der Südfassade Holzschindeln zu verwenden. Dieser Auflage kamen die Eigentümer nicht nach; statt Holzschindeln waren Eternitschindeln verbaut worden. Es folgte ein Streit, der bis ans Bundesgericht führte. Die Richter in Lausanne entschieden im Dezember 2008, dass die Eternitschindeln durch Holzschindeln zu ersetzen sind.
 

Schutz des Hauses bleibt

In der Folge ersuchten die Eigentümer die Behörden darum, das Gasthaus Rossfall als Kulturobjekt aus der Schutzzone zu entlassen und ihnen gleichzeitig zu bewilligen, die Eternitschindeln zu belassen. Obwohl das Gesuch vom Gemeinderat Urnäsch unterstützt wurde, lehnte es das Ausserrhoder Departement für Bau und Umwelt ab, das Gasthaus aus dem kantonalen Schutzplan zu entlassen. Nach dem Obergericht hat nun auch das Bundesgericht entschieden, dass der "Rossfall" weiterhin als Kulturdenkmal unter Schutz bleibt. Laut dem Urteil aus Lausanne ist dies weder willkürlich noch verstösst es gegen die Eigentumsgarantie.
 

Eternitschindeln müssen ersetzt werden

Entgegen der Auffassung der Eigentümer besteht auch ein öffentliches Interesse am Erhalt der originalgetreuen, mit Holzschindeln bedeckten Fassaden. "Dass Holzschindeln aufgrund ihrer beschränkten Lebensdauer periodisch ersetzt werden müssen, ist aufgrund der ausgewiesenen Schutzwürdigkeit des Gasthofs hinzunehmen", meint das Bundesgericht. Es ist deshalb auch nicht unverhältnismässig, dass die Behörden die Entfernung der – bosgläubig angebrachten – Eternitschindeln und das Anbringen von Holzschindeln verlangen. Das Gasthaus Rossfall war noch während des Verfahrens vor Obergericht an eine Aktiengesellschaft verkauft worden.
 

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