Frischer Wind im Bücherparadies

HERISAU ⋅ Die Bibliothek Herisau verändert sich laufend. In einem Gespräch erzählt die neue Leiterin Franziska Tschumi von Geschehenem, ihren Erfahrungen und Vorhaben.
02. Oktober 2017, 05:18
Samira Hörler

Samira Hörler

samira.hoerler@appenzellerzeitung.ch

Franziska Tschumi ist seit einem guten halben Jahr Leiterin der Bibliothek in Herisau. Ein Lieblingsbuch hat sie zwar nicht, aber die Liebe zum Geschriebenen begleitet sie schon ihr ganzes Leben lang. Mit einer Lehre im Buchhandel gestartet, führte sie die Arbeit in dem Berufsfeld weitere dreissig Jahre aus. Von Solo­thurn, über Bern nach Winterthur und jetzt Herisau entwickelte Franziska Tschumi sich ständig weiter. Die Leidenschaft zu Büchern begann schon in den Jugendjahren der gelernten Buchhändlerin.

Nach Abschluss der Kantonsschule in Solothurn entschied sie sich dafür, dass das Lesen und der Umgang mit Büchern sie auch nach Schulabschluss begleiten müsse. «Nach dreissig Jahren im Verkauf wurde es nun doch langsam Zeit für einen Wechsel», lacht Franziska Tschumi. Auf ihre Arbeit angesprochen, sagt sie bestimmt, dass es für sie schon immer klar war, welche berufliche Richtung sie einschlagen wolle. «Während der Kanti habe ich mir zwar ab und zu überlegt, ob andere Berufs- oder Studienrichtungen wie Sozialarbeit etwas für mich wären, fand aber immer wieder zurück zu meinem geschätzten Lesestoff», so Tschumi. Nur beim Verkauf blieb es, wie man spätestens zum jetzigen Zeitpunkt sieht, aber nicht. Jeder sucht im Leben nach Herausforderungen. Das liegt in der Natur des Menschen.

Neue Herausforderungen wahrnehmen

So auch bei Franziska Tschumi. Ihre Suche trieb sie immer weiter nach Osten. Mal als Filialleiterin, mal als Leiterin Logistik, ihre gefundenen Herausforderungen brachten sie von Kanton zu Kanton und leider auch immer weiter weg von ihrer Leidenschaft. «Der bin ich hier in Herisau wieder ein gutes Stück näher gekommen. Obwohl, so sehr unterscheidet sich der Betrieb hier nicht vom Verkauf. Der mir wichtigste Unterschied ist, dass ich mehr selbst handeln kann und nicht einfach delegiere. Neue Projekte kann ich mitrealisieren und sofort umsetzen.»

Auf die Frage, was sie in Herisau erreichen möchte, antwortet Franziska Tschumi, dass es ihr ein Anliegen ist, die Anwohner vermehrt auf das bestehende Angebot aufmerksam zu machen. Schliesslich finden sich in der Bibliothek Herisau nicht nur Bücher, sondern auch eine Ludothek, die allerhand Spiele und Unterhaltungsgegenstände zum Verleih anbietet. «Gerade Familien mit Kindern können davon profitieren. Anstatt, dass das alte Spielzeug nach abflauendem Interesse seitens der Kinder ungenutzt herumliegt, können die Eltern bei uns die Sachen ausleihen, aber eben auch wieder zurückbringen», so Tschumi. Auch werden ab dieser Woche die Öffnungszeiten der Bibliothek angepasst. Damit reagiert die Bibliotheksleiterin auf die Bedürfnisse der Kunden.

Trotz der gelebten Leidenschaft wird Franziska Tschumi auch in ihrem Berufsfeld mit Problemen konfrontiert. «Die Digitalisierung hat einen starken Einfluss auf unsere Mitgliederzahlen. Viele lesen heutzutage Bücher über den eReader oder über ihr Tablet», teilt sie ihre Erfahrungen mit. Doch schwarzmalerisch sieht sie die Digitalisierung nicht. «Noch nie zuvor waren uns so viele Informationen zugänglich. Kinder können zum Beispiel mit Apps spielerisch vieles lernen und vertiefen.» Doch ganz ersetzen könne man in ihren Augen trotz Apps den reellen Wert von Büchern nicht. Wenn Kinder wählen können, greifen sie ihrer Erfahrung nach lieber zum Buch als zum Tablet.


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