Fracking nur bei Erdwärme

INNERRHODEN ⋅ Der Grosse Rat verabschiedet das Gesetz über die Nutzung des Untergrunds. Das umstrittene Fracking ist künftig nur bei der Gewinnung von Geothermie erlaubt.
06. Februar 2018, 10:12
Jesko Calderara

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch

Der Gebrauch der tieferen Erdschichten soll in Innerrhoden geregelt werden. Im Zusammenhang mit dem Gesetz über die Nutzung des Untergrunds gab wie schon in der ersten Lesung im Grossen Rat das sogenannte Fracking zu reden. Darunter wird eine Methode zur Reservoir- und Lagerstättenerschliessung im Untergrund bezeichnet. Eingesetzt wird sie vor allem bei Gas- und Ölressourcen wie Schiefergas sowie Erdwärme.

Der Gesetzesentwurf sieht ein Frackingverbot bei fossilen Brennstoffen vor. Grossrat Albert Neff wollte dieses auf die Geothermie ausdehnen. Er betonte die Gefahren für die Umwelt aufgrund des Einsatzes von Chemikalien. Abgesehen davon sei das Geothermiepotenzial in Appenzell Innerrhoden gering, sagte Neff. Es gebe im Kanton zudem zu wenige Wärmeverbünde. Als Alternative schlug er die bessere Nutzung der Holzvorräte vor. Auch Grossrätin Gerlinde Neff-Stäbler sprach sich für ein umfassendes Verbot von Fracking im Gesetz aus. Sie bezeichnete die Risiken dieser Fördermethode als zu gross.

Dagegen wehrte sich Bauherr Ruedi Ulmann. Nicht jede Bohrung löse gleich eine Umweltkatastrophe aus. Die Standeskommission wollte die Technologie des Frackings nicht a priori verbieten. Ulmann erwähnte in diesem Zusammenhang den angestrebten Umstieg auf erneuerbare Energien. Man dürfe die Entwicklung auf diesem Gebiet nicht durch gesetzgeberische Eingriffe einschränken. Zumindest die Prüfung eines entsprechenden Gesuchs müsse zugelassen sein, sagte Ulmann. Letztlich scheiterte Albert Neff mit seinem Anliegen. Die Standeskommission setzte sich auch mit ihren weiteren Anträgen durch. So gilt das Gesetz wie ursprünglich vorgesehen erst bei Erdwärmebohrungen ab 500 Meter. Darüber hinaus ist nun der Rückbau der Anlagen gesetzlich geregelt.

Ende 2013 wurde das von zehn Kantonen abgeschlossene Erdölkonkordat aufgelöst. Die ehemaligen Konkordatspartner, darunter Appenzell Innerrhoden, haben diesen Schritt zum Anlass genommen, die Erforschung des Untergrunds sowie die Gewinnung von Bodenschätzen und erneuerbaren Energien im tiefen Untergrund auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen. Das letzte Wort zum vorliegenden Gesetz wird die nächste Landsgemeinde haben.


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