Ein Vorzeigeprojekt

AUSSERRHODEN ⋅ Das kantonale Integrationsprogramm soll weitere vier Jahre fortgesetzt werden. Alle 20 Gemeinden haben dem Zusammenarbeitsvertrag mit dem Kanton bereits zugestimmt. Am Montag ist der Kantonsrat am Zug.
02. Dezember 2017, 09:09
Patrik Kobler

Patrik Kobler

patrik.kobler@appenzellerzeitung.ch

Bund, Kanton und Gemeinden beabsichtigen, in den kommenden vier Jahren rund zwei Millionen Franken für die Fortsetzung des kantonalen Integrationsprogramms auszugeben. Der Bund trägt die Hälfte der Kosten, Kanton und Gemeinden je einen Viertel. Das ist zwar viel Geld, gemäss Inge Schmid, Präsidentin der Ausserrhoder Gemeindepräsidienkonferenz, es ist aber sinnvoll investiert. Sie stützt sich dabei auf die Erfahrungen aus dem ersten kantonalen Integrationsprogramm (KIP I), das Ende 2017 nach vier Jahren ausläuft.
 

Gesetzlich verpflichtet, Integration zu fördern

Bund, Kanton und Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, die Integration von Migrantinnen und Migranten zu fördern. Schweizweiter Vorzeigecharakter zeigt, dass sich in Appenzell Ausserrhoden der Kanton und die Gemeinden auf eine vertragliche Zusammenarbeit geeinigt haben. Das Steuerungsgremium bilden eine Delegation von vier Personen aus der Gemeindepräsidienkonferenz, die Leitung der Beratungsstelle für Flüchtlinge sowie eine Vertretung des Amts für Soziales. Mit der Umsetzung beauftragt ist die Abteilung Chancengleichheit im Amt für Soziales, die von Lars Thoma geleitet wird. Dass der Kanton und die Gemeinden eng zusammenarbeiten, empfindet er als optimal. «Als wir mit dem Programm begonnen haben, war es noch ein gegenseitiges Abtasten», sagt er. Auch Inge Schmid befindet das jetzige Konstrukt für gut.

Sie verhehlt allerdings nicht, dass in der Gemeindepräsidienkonferenz intensiv über das Thema Integration diskutiert werde.

Ein Schwerpunkt von KIP I waren Deutschkurse. Vor 2014 gab es im Kanton kein Angebot für Migrantinnen und Migranten. Heute arbeitet man mit «Weiterbildung Appenzeller Mittelland» zusammen und bietet in Herisau, Teufen und Heiden Kurse an. «Weiterbildung Appenzeller Mittelland» ist ein Angebot der Gemeinden Bühler, Gais, Speicher, Teufen und Trogen. «Da der Verein nicht profitorientiert ist, können die Kurskosten tief gehalten werden», nennt Inge Schmid, Gemeindepräsidentin von Bühler, als weiteren Vorteil dieser Lösung.

Grundsätzlich könnte jede Gemeinde selber einen Deutschkurs für Migrantinnen und Migranten auf die Beine stellen. Doch das wäre sehr teuer. Deshalb bündelt man die Ressourcen und setzt auf ein gemeinsames Angebot – dies, obschon nicht alle Gemeinden gleichermassen von der Migration betroffen sind. Die Zentrumsgemeinden Herisau und Heiden haben einen höheren Ausländeranteil als kleinere Gemeinden und profitieren somit vom Solidaritätsgedanken. «Weil für jeden eingesetzten Gemeinde-Franken der Kanton und der Bund drei Franken dazulegen, ist die Zusammenarbeit auch für die kleineren Gemeinden interessant», sagt Inge Schmid.
 

Alle Zuzüger werden zum Gespräch eingeladen

Die erste Periode des kantonalen Integrationsprogramms wurde auch als Aufbauphase genutzt. So erhält Ausserrhoden ab dem neuen Jahr eine Anlaufstelle für Erstinformation. «Alle Zuzügerinnen und Zuzüger aus dem Ausland werden in einem Gespräch über die hiesigen Lebensbedingungen und Integrationsangebote informiert», sagt Lars Thoma. Das Angebot gilt für den Arbeiter wie für die Akademikerin. KIP II setzt mit dem Thema «Sprachförderung im Vorschulalter» einen neuen Schwerpunkt. Das Ziel der Verantwortlichen ist, dass die Kinder beim Eintritt in den Kindergarten über Deutschkenntnisse verfügen. «Muss das Kind erst die Landessprache erlernen, verzögert sich der Erwerb der eigentlich vorgesehenen Fähigkeiten und Fertigkeiten», sagt Thoma.

Die Gemeinden begrüssen diesen Ansatz, sagt Inge Schmid. Es sei ein Beispiel für eine Integrationsmassnahme, die sich langfristig ausbezahlen sollte. «Es ist besser, die Kinder früh zu fördern, als später um einige teurere Massnahmen ergreifen zu müssen», so die Präsidentin der Gemeindepräsidienkonferenz.

In den nächsten Wochen wird die «Appenzeller Zeitung» das kantonale Integrationsprogramm in loser Folge in weiteren Beiträgen thematisieren.

 


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