Die Pflegebetten geben zu reden

HEIDEN ⋅ An der öffentlichen Orientierungsversammlung ist die geplante Überbauung auf dem Sunnematt-Areal ein Thema. Das Pflegezentrum ist umstritten. Diskussionen gibt es auch zur Sporthalle Gerbe.
08. September 2017, 07:23
Jesko Calderara

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch

Das Projekt der Investoren Beat Frischknecht und Daniel Nipkow auf dem Sunnematt-Areal sorgt für kontroverse Diskussionen. An der öffentlichen Orientierungsversammlung am Mittwochabend im Kursaal Heiden stellten die Initianten der Kurwohnen AG und die Gemeindebehören die 25-Millionen-Franken-Überbauung mit 40 Alterswohnungen samt Serviceleistungen und einem Pflegezentrum mit 32 Zimmern vor. Über dessen Notwendigkeit gab es unter den rund 200 Anwesenden unterschiedliche Meinungen.

Kritisch zum Vorhaben äusserte sich der ehemalige Verwalter des Spitals Heiden. «Die vorgesehenen Pflegebetten braucht es nicht», sagte Eduard Abderhalden. Er begründete seine Einschätzung mit den Zahlen der kantonalen Pflegeheimplanung 2017. Das Bauprojekt werde in keiner Art und Weise übergeordnetem öffentlichem Interesse gerecht, sagte Abderhalden. Vielmehr bedrohe es den Gemeindebetrieb Alters- und Pflegeheim Quisisana und das regionale Betreuungszentrum Heiden.

Hohe Nachfrage nach betreutem Wohnen

Gemeindepräsident Gallus Pfister sieht dagegen das Kurwohnen-Projekt nicht direkt als Konkurrenz zu den beiden bestehenden Institutionen. Das geplante Angebot auf dem Sunnematt-Grundstück spreche eine andere, eher wohlhabendere Schicht an. Abgesehen davon gebe es eine hohe Nachfrage nach betreutem Wohnen, zeigte sich Pfister überzeugt. «Durch die demografische Entwicklung wird es einen Zusatzbedarf geben.»

Guido Reber, Geschäftsführer der vorgesehenen Betreiberin Sensato AG, wies auf die diesjährige kantonale Pflegeheimplanung und die Strategie des Regierungsrates hin. Demnach sollen neue Wohnformen zwischen ambulanter und stationärer Pflege gefördert werden. Solche Alterswohnungen seien ideal für ältere Menschen, die selbstständig leben, aber bei Bedarf Pflegeleistungen in Anspruch nehmen wollten, erklärte Reber. Für Wohnen im Alter brauche es umfassende Strukturen, dazu gehöre auch ein Pflegezentrum.

Für Unmut sorgte der Prospekt der Kurwohnen-Initianten, der kürzlich dem Gemeindeblatt «Aufwind» beigelegt war. Darin wird für ein Ja zum Teilzonenplan Sunnematt geworben. Für ihn sei dies nicht akzeptabel, sagte Alfred Widmer, der die Vorlage bekämpft. Leserbriefe beispielsweise dürften keine veröffentlicht werden. Gemeindepräsident Gallus Pfister sieht darin jedoch kein Problem. Der «Aufwind» stehe jedermann für Werbung offen.

Gasthaus zur Fernsicht soll erweitert werden

An der Versammlung war zudem die zweite kommunale Vorlage vom 24. September, der Teilzonenplan Fernsicht, ein Thema. Vorgesehen ist, die Liegenschaft an der Seeallee 10 in die dreigeschossige Wohn- und Gewerbezone umzuzonen. Damit können Sabine und Fredi Grossauer ihr Restaurant im Erdgeschoss von 27 auf 45 Sitzplätze erweitern. Auch die Bar im Clubhaus wird grösser.

Die heutige Gartenanlage soll als Grünfläche erhalten bleiben. Zu diesem Zweck hat der Gemeinderat mit der Freihof Immobilien AG als Eigentürmerin des Objekts eine Vereinbarung unterzeichnet, welche eine spätere Erweiterung verunmöglicht und die Nutzung beschränkt.


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