Dem neuen Mann gefällt’s

AUSSERRHODEN ⋅ Dölf Biasotto hat vor 100 Tagen Marianne Koller als Vorsteherin des Departements Bau und Volkswirtschaft abgelöst. Fast als erstes musste er schlechte Nachrichten überbringen. Trotzdem sprüht er vor Elan.
11. September 2017, 05:17
Patrik Kobler

Patrik Kobler

patrik.kobler@appenzellerzeitung.ch

Eigentlich wollte FDP-Präsidentin Monika Bodenmann am Freitag ihren Parteikollegen und Neo-Regierungsrat Dölf Biasotto mit Blumen überraschen. Seit 100 Tagen leitet der Urnäscher das Departement Bau und Volkswirtschaft. Doch der reichbefrachtete Terminkalender eines Regierungsrats erlaubt keine Überraschungen – und so war der Besuch angekündigt, der Empfang deswegen aber nicht minder herzlich.

«Vielseitiges und spannendes Departement»

Seit der Wahlkampf vorüber ist, haben sich die beiden nur selten gesehen. Biasotto hat eine intensive Startphase hinter sich. Gleich am ersten Tag seiner Amtszeit hatte er die Konferenz der Landwirtschaftsämter der Schweiz auf dem Säntis zu Gast. «Als Neuling konnte ich ihnen nicht viel Neues über die Landwirtschaft erzählen», sagt der Bauingenieur. Deshalb sprach er über die Geschichte des Bauens auf dem Säntis, was sehr gut angekommen sei.

Wenn er über die Startphase spricht, fällt immer wieder das Wort «lernen». Sein Departement sei sehr vielseitig und spannend. Den Einstieg erleichtert hat ihm nicht zuletzt seine frühere Tätigkeit als Projektleiter im Regierungsprogramm. Dadurch hat er bereits viele Leute und wichtige Projekte gekannt. Als die drei wichtigsten Themen in seinen ersten 100 Tagen nennt Dölf Biasotto die Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen, die Arealentwicklung beim Bahnhof Herisau sowie die Finanzsituation des Kantons. Gleich beim ersten Treffen mit den Amtsleitern musste er Sparmassnahmen ankünden. «Das Defizit ist eine Herausforderung», als Unternehmer sei er es aber gewohnt, sich an Budgetvorgaben zu halten. Von seinen Regierungskollegen sei er gut aufgenommen worden. «Es wird intensiv debattiert im Kollegium», sagt Biasotto. Das Kollektiv funktioniere. «Schade, dass in zwei Jahren mit Köbi Frei und Matthias Weishaupt zwei erfahrene Regierungsräte abtreten müssen.»

«Vorgängerin hat gute Arbeit geleistet»

Lobende Worte hat der 56-Jährige, der am Freitag Geburtstag feiert, für seine Vorgängerin Marianne Koller. «Sie hat gute Arbeit geleistet – auch die Stimmung im Departement ist gut.» Das erleichterte ihm die Arbeit. Zwölfstundentage sind die Regel. Oft reihe sich Sitzung an Sitzung – manchmal bleibe aber auch Zeit für repräsentative Aufgaben. Beeindruckt habe ihn etwa der Anlass «ProOst», an welchem Führungskräfte über die Qualitäten der Region orientiert worden seien. «Hier ist das Geld für Standortförderung gut investiert», findet er. Seinem Stil ist Dölf Biasotto treu geblieben. Er tritt ruhig, überlegt und zuvorkommend auf. Er möchte nicht von oben herab regieren, sondern kunden- und lösungsorientiert sein. «Dialog, Dialog und nochmals Dialog», fasst er sein Credo zusammen. Gerade wenn es ums Bauen geht, wünscht er sich, dass die Leute früher aufs Department zukommen. So könne man miteinander die Rahmenbedingungen besprechen. «Heute werden leider oft fertige Projekte vorgelegt, das schränkt den Handlungsspielraum ein», sagt er.

Der Neuling sprüht vor Elan. Eigentlich bereitet ihm nur etwas ein wenig Sorgen: dass schon bald wieder der Wahlkampf bevorsteht. Lieber würde er sich jetzt auf die Arbeit konzentrieren.


Leserkommentare

Anzeige: