«Das Sturmholz muss rasch weg»

GAIS ⋅ Die diesjährigen Winterstürme haben zwar nicht so grosse Schäden angerichtet wie der Orkan Lothar im Jahr 1999. Dennoch gibt es in Ausserrhoden rund 5000 Kubikmeter Sturmholz zu verzeichnen.
06. Februar 2018, 10:12
Karin Erni

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

Das Aufräumen der Sturmschäden stellt für die Forstleute eine Herausforderung dar, denn vom Wind gefällte Bäume zu verarbeiten, ist eine Aufgabe für Profis. Einer, der dafür gern beigezogen wird, ist Röbi Bodenmann aus Gais. Der Landwirt mit Betriebsleiterausbildung ist zusätzlich gelernter Forstwart. Er ist Mitglied der Korporation Rietli-Schachen, hilft aber auch im gemeindeeigenen Forstbetrieb regelmässig mit. Für seinen Landwirtschaftsbetrieb stelle der Verdienst aus der Forstarbeit ein willkommenes Nebeneinkommen dar und die Freude am Holzen liege in der Familie, sagt der 31-Jährige. «Mein Vater war Bannwart und somit waren wir schon als Kinder viel im Wald mit ihm.»

«Windwurfholz muss rasch aufgerüstet und aus dem Wald entfernt werden, sonst macht sich der Borkenkäfer breit», sagt Röbi Bodenmann. Vor allem Fichten seien anfällig für den Schädling. Er wirft die Kettensäge an und macht sich an die Arbeit. Eine Fichte wurde vom Wind mitsamt dem Wurzelteller aus dem Boden gerissen. «Hier ist es wichtig, den Stamm nicht in einem Schnitt durchzusägen, sonst könnte er sich über mehrere Meter spalten, das ist erstens gefährlich und zweitens vermindert sich dadurch der Wert des Holzes.» Dieser sei ohnehin tief, da man dem Welthandel ausgesetzt sei. «Durch die vielen Stürme dürfte der Holzpreis noch weiter sinken», vermutet er. Doch hier im Appenzellerland sei man vergleichsweise in einer relativ komfortablen Situation. Die zahlreichen Holzbaufirmen sind Abnehmer des einheimischen Fichtenholzes. Einzelne Firmen legen besonderen Wert auf Mondholz. Dieses darf nur an einigen wenigen Tagen im Jahr geschlagen werden und erzielt bessere Preise. Dass im Winter geholzt wird, hat Tradition. Die Bauern haben weniger Arbeit in Feld und Stall, der gefrorene Boden erleichtert den Holztransport. Der Saft der Bäume hat sich zurückgezogen. Im Winter geschlagenes Holz hat daher die bessere Qualität.

Gut durchmischter Wald wird angestrebt

Die Schweizer Wälder sind nachhaltig genutzt. Über 600000 Hektaren, das heisst rund 50 Prozent des Schweizer Waldes, sind FSC-zertifiziert. Aus diesem kommen fast 70 Prozent des genutzten Holzes. Ohne gezielte Fällungen wären unsere Wälder weniger artenreich und würden überaltern, ist Röbi Bodenmann überzeugt. Heute wird ein gut durchmischter Wald angestrebt. Die sogenannte Plenterwirtschaft eignet sich gut, um das Ziel zu erreichen. In einem solchen Wald gibt es keinen Kahlschlag, es werden immer nur einzelne, erntereife Stämme entnommen. So können junge Bäume auf natürliche Weise aufkommen und es sind keine teuren Aufforstungsmassnahmen nötig. Wildtiere und seltene Pflanzen profitieren von den Massnahmen, sie finden in den Lichtungen Nahrung und Lebensraum. Heute sei aufgrund der Klimaerwärmung der Anteil Laubbäume höher als früher. Deren Qualität reiche in unseren Höhenlagen aber meist nur für Brennholz, erklärt Bodenmann.

Am Waldrand oberhalb des Gaiser Riets liegen einige umgeworfene Bäume, andere in unmittelbarer Nähe sind dagegen stehen geblieben. Unter den liegenden Stämmen sind Laub- und Nadelbäume, Rot- und Weisstannen gleichermassen vertreten. Einzelne sind mitsamt dem Wurzelstock gefallen, bei anderen hat der Wind den Wipfel abgerissen. Warum das so ist, ist auch dem Fachmann ein Rätsel. Er macht sich wieder an die Arbeit. Den Wald zu pflegen, sei nicht zuletzt auch für den Tourismus wichtig, betont er. «Die Wanderwege müssen gefahrlos begehbar sein und das Appenzeller Landschaftsbild lebt von grünen Wiesen und gut gepflegten Wäldern.»


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