Ausserrhoder Baby-Quäler erhält fünfjährige Freiheitsstrafe - keine Massnahme, keine Verwahrung

PROZESS ⋅ Zu fünf Jahren unbedingter Freiheitsstrafe hat das Ausserrhoder Kantonsgericht am Montag einen 31-jährigen Mann verurteilt. Er hatte in Urnäsch 2015 den einjährigen Sohn seiner Partnerin zwei Monate lang brutal gequält und misshandelt.
Aktualisiert: 
11.12.2017, 17:00
11. Dezember 2017, 10:28
Margrith Widmer
Damit ging das Gericht über den Antrag der Staatsanwältin hinaus. Sie hatte 52 Monate Freiheitsstrafe beantragt. Dagegen verzichtete das Gericht auf eine stationäre Massnahme. Es bestehe wenig Aussicht auf einen Therapie-Erfolg, da die Motivation des Täters, sich darauf einzulassen, fehle, sagte der Gerichtspräsident in der Urteilsbegründung. Auch auf eine Verwahrung wurde verzichtet; die Rückfallgefahr sei nicht allzu hoch; Verwahrung wäre nicht verhältnismässig. Der Mann habe als Kind Ähnliches erlebt.
 
Das Gericht erachtete das Verschulden der Täters als schwer; er habe das wehrlose Kind in unmittelbare Lebensgefahr gebracht. Dagegen sei der Mann nur leicht vermindert schuldfähig.
 
Angeklagt war der Mann wegen mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung, mehrfacher einfacher Körperverletzung, Verabreichung gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder, mehrfacher Freiheitsberaubung und Nötigung, eventuell Drohung, mehrfacher Tätlichkeiten gegenüber seiner Partnerin, Tierquälerei und mehrfachem Besitz, Konsum und Abgabe von Betäubungsmitteln.
 

Im vorzeitigen Strafvollzug

Der Täter befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug in der Justizvollzugsanstalt Solothurn. Er hatte den damals 12 bis 14 Monate alten Knaben mehrmals versucht, lebensgefährlich zu verletzen, dessen Körper oder ein wichtiges Organ unbrauchbar oder bleibend gebrechlich zu machen, wie die Staatsanwältin ausführte. Sie beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 52 Monaten, eine stationäre Massnahme und - sofern von einem untherapierbaren Angeklagten auszugehen sei, alternativ zur stationären Massnahme eine Verwahrung. Die Staatsanwältin sprach von einer schweren psychischen Störung.
 
Der Mann hatte das Kleinkind unter anderem brutal geschüttelt, es geohrfeigt, sodass es aus Mund und Nase blutete und Hämatome erlitt; er schlug den Kleinen und verbrühte ihm in der Badewanne den Fuss mit heissem Wasser. Er fütterte ihm heisses Essen; das Kind erlitt Verbrennungen; er trat den Knaben, biss ihn, zog ihn an den Ohren, fuhr ihn mit einem Modell-Bezinauto um, schlug das Kind zu Boden, sodass es Quetschungen und Schürfungen erlitt und flösste ihm Bier ein.
 

Partnerin eingesperrt

Seine Partnerin sperrte er laut Anklage unter anderem stundenlang in der Küche ein, drohte, die Frau bei der KESB anzuschwärzen und  sie krankenhausreif zu schlagen und grenzte sie systematisch von ihrem sozialen Umfeld ab. Mehrmals ohrfeigte er sie so stark, dass sie zu Boden stürzte. Den Hund misshandelte und quälte er und schlug ihn gegen die Wand.
 
Anfänglich geständig, widerrief der Mann einige Geständnisse.
In der Befragung gestand er mehrere der vorgeworfenen Taten; er bestritt indes die meisten Misshandlungen. Er habe immer aufgehört, sobald das Kind geblutet habe. An einige Taten konnte er sich nicht erinnern; manches will er nicht mit Absicht getan haben - so etwa die Verbrennungen und den Model-Auto-Unfall. Der Mann ohne Schulabschluss sagte aus, er sei arbeitslos und von der Situation überfordert gewesen. Die Frau habe er nach einem Streit maximal zehn Minuten in der Küche eingesperrt. Die Drohungen bestritt er. Mehrmals beteuerte er, er bereue seine Handlungen: „Es hat einfach nicht funktioniert“. Gegen eine therapeutische Massnahme sträubte er sich - kopfschüttelnd.
 


In einer Pflegefamilie 

Die Vertreterin des Opfers forderte einen Schuldspruch im Sinn der Anklage. Die Partnerin sei eine einfache junge Frau; sie sei nicht in der Lage gewesen, sich zu wehren. Der Knabe lebe heute in einer Pflegefamilie; noch sei ungewiss, wie sich die Misshandlungen auswirken würden. Er sei ängstlich und habe das Vertrauen verloren.
 
Der Verteidiger forderte maximal 32 Monate Freiheitsstrafe; auf eine Massnahme sei zu verzichten. Eine Verwahrung liege ohnehin nicht drin, da die Taten im entsprechenden Strafen-Katalog nicht enthalten seien. Die Zivilforderungen sollten auf den Zivilweg verweisen werden. Rr plädierte auf Freispruch von mehrfacher schwerer Körperverletzung. Es seien lediglich einfache Körperverletzung und Tätlichkeiten erfüllt. Es habe keine Lebensbedrohung bestanden.

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