Autor kritisiert die SRG

HEIDEN ⋅ Am Neujahrsapéro der SP Vorderland ist der Schriftsteller Charles Lewinsky zu Gast. Die No-Billag-Initiative lehnt er ab – trotz Vorbehalten gegenüber der SRG.
09. Januar 2018, 05:19

Zur SRG hat der Schriftsteller Charles Lewinsky ein ambivalentes Verhältnis. «Aus meiner Sicht hat sie in letzter Zeit ihren Auftrag vergessen», sagte er am Donnerstagabend am Neujahrsapéro der SP Vorderland im Hotel Linde in Heiden. Der Autor des Politkrimis «Der Wille des Volkes» diskutierte mit Niggi Ullrich, Vizepräsident der SRG Deutschschweiz, über Medien, die No-Billag-Initiative und deren Folgen.

Je mehr die SRG wie private Fernsehsender versuche, Zuschauerpakete für die Werbung herzustellen, desto mehr verliere sie ihre Daseinsberechtigung, antwortete Lewinsky auf eine Frage von Moderatorin Annegret Wigger, Präsidentin der SP Vorderland. Trotz aller Kritik bezeichnete er sich als klaren Gegner des Volksbegehrens, das am 4. März zur Abstimmung kommt. Die Initiative laufe letztlich auf die Abschaffung der SRG hinaus. Auf diese Gefahr wies auch Ullrich hin. «No Billag» wolle letztlich weder die heutige programmatische Vielfalt der SRG noch einen an der Zivilgesellschaft interessierten Bürger erhalten. Vielmehr strebten die Initianten laut Ullrich einen Zustand an, in dem die Zuschauer nur für Sendungen bezahlen sollen, die sie auch konsumierten. Letztlich sei dies eine Absage an die Willensnation Schweiz. Wer die SRG verändern und reformieren wolle, müsse deren Auftrag neu formulieren, sagte Ullrich. In diesem Zusammenhang ging er auf die Besonderheit des Medienunternehmens ein. Es handle sich entgegen einer weitverbreiteten Meinung um kein Staatsfernsehen. Vielmehr sei die SRG ein privater Verein mit einem öffentlichen Auftrag.

Ein Thema am Anlass, dem rund 100 Besucherinnen und Besucher beiwohnten, waren die Auswirkungen bei einem Ja zur No-Billag-Initiative. Private würden nicht ein gleichwertiges Programm anbieten, ist Lewinsky überzeugt. In einem kleinen, viersprachigen Land, sei dies nur schon aus wirtschaftlichen Gründen unmöglich. Er erwähnte noch eine andere Besonderheit des jetzigen Systems. Im Rahmen der SRG würden finanzielle Mittel in ärmere Regionen fliessen. Nach Ansicht Lewinskys gehört dies zur Schweizerischen Tradition. Gleichzeitig zeigte er aber auch Verständnis für die Kritik der privaten Verleger. Die SRG habe zuletzt eine starke Expansionspolitik verfolgt und wolle sich nun auch im Onlinebereich ausbreiten. Dass dies nicht überall auf Freude stosse, verstehe er. Ullrich wiederum warnte vor den Folgen einer Annahme der Initiative. Dies würde zu griechischen Verhältnissen, einem implodierenden öffentlichen Medienmarkt, führen. Im ersten Teil des Abends las Lewinsky aus seinem Kriminalroman «Der Wille des Volkes» vor. (pd)


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