Interview

Wenn eine Gabel die Gemüter erhitzt

WEISSBAD ⋅ Die spezielle Lage und die feine Küche machen das Berggasthaus Aescher zum beliebten Treffpunkt für Wanderer und Tagestouristen. Derzeit stösst die Kostenpolitik für zusätzliches Besteck bei einzelnen Gästen auf Unverständnis. Der Gastwirt Bernhard Knechtle erklärt, warum diese Dienstleistung kostet.

05. Oktober 2016, 22:30
Interview: Andy Lehmann

WEISSBAD. Die spezielle Lage und die feine Küche machen das Berggasthaus Aescher zum beliebten Treffpunkt für Wanderer und Tagestouristen. Derzeit stösst die Kostenpolitik für zusätzliches Besteck - FM1Today berichtete - bei einzelnen Gästen auf Unverständnis. Der Gastwirt Bernhard Knechtle erklärt, warum diese Dienstleistung kostet.

Herr Knechtle, eine zusätzliche Gabel kostet zwei Franken. Dieser Umstand erhitzt die Gemüter, können Sie das verstehen?

Ich nehme das zur Kenntnis, aber es stört mich eigentlich nicht. Dass wir für diese Dienstleistung etwas verlangen müssen, ist in der Speisekarte deklariert.

Wird oft zusätzliches Besteck verlangt?

Ja, das kommt täglich mehrere Male vor.

Warum kostet ein zusätzliches Gedeck?

Für uns ist das zusätzlicher Aufwand, der nicht gratis ist. Wir haben Personalkosten, und das zweite Gedeck muss auch abgewaschen werden. Wenn uns das Wasser ausgeht, müssen wir welches zukaufen. Zudem spart der Gast ja schon, wenn zu zweit eine Portion bestellt wird. Andere Beizer überlegen sich, künftig für diese Dienstleistung auch etwas zu verlangen. Vielleicht trauen sich einige einfach noch nicht.

Wie kommt das Wasser zum Berggasthaus Aescher?

Wir nutzen Regen- sowie Tropfwasser aus der Höhle und fangen dieses in einer Zisterne auf. Es wird aufbereitet und mit UV-Strahlen entkeimt. Wenn das Wasser nicht mehr ausreicht, müssen wir welches zukaufen und aus dem Tal beschaffen. Im vergangenen Jahr war das dreimal der Fall. In dieser Saison dürfte es nächstens der Fall sein, obwohl wir haushälterisch mit der Ressource umgehen. Andere Stationen im Alpstein, wie etwa der Säntis, nutzen das Dachwasser, die haben kaum Probleme mit Wasserknappheit.

Ist den Gästen die Wassersituation bewusst?

Ich denke, vielen ist es nicht klar. Fast überall in der Schweiz kann der Wasserhahn aufgedreht werden und das kühle Nass sprudelt heraus. Wir müssen sorgsam mit dem kostbaren Gut umgehen. Es gibt aber auch Gäste, die ihre Wasserflasche bei uns füllen und dann fragen, was es kostet. Ich sage dann jeweils, dass sie so viel geben sollen, wie ihnen das Wasser wert sei.

Ist dieser Streit um die Gabel die Kehrseite des Erfolgs auf dem Aescher?

Am liebsten habe ich, wenn man mir direkt ins Gesicht sagt, was einen stört, und nicht einfach ein paar Zeilen per Mail schickt. Die Saison verläuft sehr gut und das Wohl unserer Gäste liegt uns am Herzen. Dafür sind wir hier oben.

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