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Tagblatt Online
19. September 2016, 07:31 Uhr

«Man hat dem Spital ein Bein ausgerissen»

Mitarbeitende des Spitals Heiden sind verunsichert. Sie fürchten um die Existenz des Spitals und um ihre Stellen. Um mit der Bevölkerung ins Gespräch zu kommen, haben sie gestern eine Kundgebung durchgeführt.

Monika Egli

An die 300 Personen auf dem Henry-Dunant-Platz an der Seeallee, weisse Ballone, Redner und Rednerinnen, zahlreiche Medienvertreter, einzelne Personen mit Plakaten auf Brust und Rücken: Auf gestern Samstagmorgen war von Mitarbeitenden des Spitals Heiden zur Kundgebung eingeladen worden. «Wir wollen Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern» oder «Gemeinsam sind wir stark für die Zukunft» war auf den Plakaten zu lesen. Mit der Versammlung sollte ein Zeichen gesetzt werden: «Wir Angestellten wollen das Spital erhalten. Es hat ein grosses Potenzial, und wir glauben an eine erfolgreiche Zukunft. Wir wollen heute mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen und zeigen, dass sie hinter uns steht», sagte Markus Breu, Küchenchef im Spital und Mitorganisator der Kundgebung.

Zur Versammlung gesellten sich auch die Verwaltungsratspräsidentin des Spitalverbunds, Christiane Roth, weitere Verwaltungsratsmitglieder sowie Landammann und Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt. Er sei gerne nach Heiden gekommen, sagte Weishaupt in einer kurzen Rede, denn «genau das will auch der Regierungsrat, nämlich einen starken Spitalverbund und das Spital Heiden erhalten». Als SP-Mitglied finde er es stark, dass zu dieser Kundgebung eingeladen worden sei. Er verstehe die schwierige Lage der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut, zumal es Dezember werde, bis Einzelheiten bekannt würden. Matthias Weishaupt verwies auf den Sozialplan, den der Regierungsrat zurzeit erarbeite. Ein Bewohner von Heiden stellte fest, dass man dem Spital ein «Bein ausgerissen hat und jetzt erwartet, dass es trotzdem aufrecht geht». Als Einwohner von Heiden wolle er sich dafür einsetzen, dass das Spital bestehen bleibe. Noch im September wird der Kantonsrat den Spitalverbund AR thematisieren. Ratsmitglieder waren bis auf eine oder zwei Ausnahmen allerdings keine auszumachen.

Massnahmen wegen des hohen Defizits

Der Spitalverbund AR mit seinem Psychiatrischen Zentrum in Herisau und den beiden Spitälern in Herisau und Heiden hatte letztes Jahr ein zünftiges Defizit in der Höhe von zehn Millionen Franken vorgelegt. Anfang September gab der Verwaltungsrat bekannt, dass die chirurgische Abteilung im Spital Heiden auf Januar 2017 geschlossen und in die wenige hundert Meter entfernte Hirslanden Klinik am Rosenberg ausgelagert werde. Mit dieser Massnahme gehen auch Stellenkürzungen einher; dazu sind noch keine Einzelheiten bekannt. Die Verunsicherung unter den Mitarbeitenden ist gross. Sie bangen um ihre Arbeitsplätze und um die Existenz des Spitals.

Dass Angestellte in Appenzell Ausserrhoden auf die Strasse gehen, ist selten. Das letzte Mal geschah dies vor 15 Jahren. Damals allerdings unter anderen Vorzeichen: Die Lehrer demonstrierten im Jahr 2001 für mehr Lohn. Gestern Samstag ging es um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Im Spital Heiden arbeiten momentan 280 Personen, davon 40 Auszubildende. Um alle für den nicht einfachen weiteren Weg zu rüsten, wurden Äpfel und Traubenzucker verteilt.



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Heinzweberanderegg (18. September 2016, 14:09)
Eigentlich wirklich etwas konkretes

hat der Herr Landammann den Anwesenden auf dem Dunantplatz nichts sagen können. Die Aussicht auf einen Sozialplan vermochte nicht eigentlich zu beruhigen.
Die Geschichte hat den Beigeschmack eines Schnellschusses und nicht eines wohlüberlegten und ausgereiften Plans.
Der Termin steht bereits fest, aber wie das ganze abgewickelt wird noch nicht. (Das dauert noch bis Dezember).
War die Entwicklung zur jetztigen Sitaution tatsächlich nicht voraussehbar oder haben doch einige Verantwortliche Instanzen doch ihre Arbeit nicht so zuverlässig und vorausschauend gemacht?
Die finanziellen Auswirkungen dieser Aktion kennt niemand, auch die Auslöser nicht.
Fest steht nur Weniges: Die angeschlagene Hotelklinik Hirslanden bekommt jetzt die Ärzte und Patienten vom Spital Heiden und kann diese solange sie bleiben (Ärzte) oder kommen wollen (Patienten) bewirtschaften.
Zu hoffen ist, das nicht vergleichbares passiert wie einst mit der Kantonalbank.

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Francisco (18. September 2016, 10:29)
Steigende Krankenkosten

Es war schon mal so, als Herr Grüninger seinerzeit das Gesundheitswesen im Kanton St. Gallen refomieren wollte. Herr Weishaupt muss sich ja für den Erhalt für dieses Spital einsetzen, weil er sonst auch abgewählt werden würde, wie seinerzeit Herr Grüninger. Da es im Gesundheitsbereich ja überall an Fachkräften mangelt, könnten die Betroffenen sicherlich problemlos umplatziert werden. Der politische Wille scheint aber eben nicht vorhanden zu sein und das Souverän kann sich weiter über ständig steigende Krankenkassenprämien beschweren. Es wird wohl noch so weiter gehen bis am "St. Nimmerleinstag" oder bis dann, wo es auch ein Mittelständler kaum noch schafft, seine Krankenkassenprämien zu bezahlen.

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Naturpur (18. September 2016, 09:42)
Unverständnis

Ich durfte 1 3/4 Jahre für den Spital arbeiten und habe in dieser Zeit schon gesehen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es soweit kommt wie es nun leider gekommen ist. Das Ganze löst in mir ein Gefühl der Wut und des Unverständnisses aus, weil man einfach seit Jahren zugewartet hat, bis man registriert hat, dass es "fünf vor 12" oder soll ich sagen "fünf NACH 12" ist ! Man hat den chirurgischen Bereich zu "Boden gewirtschaftet" bis zum Tiefpunkt ! "Normale" Arbeitnehmer, haben die Warnzeichen schon lange erkannt, aber auf diese hört man nicht oder es wird immer wieder vertröstet. Lieber präsentiert man mit stolz geschwellter Brust an den Personalinfos die neuen Strategien ... wie es so schön heisst, entwickelt sündhaft teure Flyer, die dem Personal nach Hause gesandt werden und die im Grund genommen niemand braucht, wenn man die faulen Eier aussortieren würde! Es gäbe noch Vieles zu Schreiben ...
Andrea Rohner / Oberegg

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nabru (17. September 2016, 19:26)
verunsicherung

entsteht doch auch wieder nur, weil der Spitalverbund keinen Plan hat. Diese Posten mit jungen fähigen Leuten besetzen, die auch noch ein normales Gehalt zu schätzen wissen.

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