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Tagblatt Online
25. August 2016, 14:05 Uhr

Feuer im Dach des Spitalverbunds

Das Zehn-Millionen-Defizit des Ausserrhoder Spitalverbunds hat alle aufgeschreckt, Akteure und Bevölkerung. Es ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Darunter brodelt es, der Spitalverbund scheint vor einer weiteren Zerreissprobe zu stehen.

MONIKA EGLI

HERISAU. Im Juni 2015 wurde ein erneuerter Verwaltungsrat des Spitalverbunds Appenzell Ausserrhoden (SVAR) um VR-Präsidentin Christiane Roth installiert. Aus verschiedenen Aussagen lässt sich zur aktuellen Situation sagen, dass zwischen VR und Geschäftsleitung des Spitalverbunds ein schlechtes bis miserables Verhältnis herrscht, was sich unter anderem im Abgang wichtiger Kadermitarbeiter äussert.

Das dritte Mal in 4,5 Jahren

CEO Jürg Nyfeler, seit Januar 2013 im Amt, war daran, seinen Lebensmittelpunkt in den Kanton zu verlegen. Jetzt hat er sich aber nach Basel wählen lassen. Offiziell verlässt er den SVAR «im Herbst», effektiv ist er momentan im Krankenstand. Bereits gegangen sind der CFO (Finanzchef) Thomas Küng, ebenfalls seit 2013 beim SVAR, sowie die Personalchefin Gianna di Cello, die erst im September 2014 ihre Arbeit aufgenommen hatte.

Apropos Geschäftsleitung: Der SVAR wurde im Januar 2012 in die Selbständigkeit entlassen. Noch im gleichen Jahr, damals unter dem Verwaltungsrat mit Thomas Kehl und Ruth Metzler an der Spitze, verliessen CEO Urs Kellenberger, Finanzchef Hannes Egli und Personalchef Peter Büsser ihre Posten. Es ist bereits das dritte Mal in viereinhalb Jahren, dass das oberste Kader der Geschäftsleitung neu bestückt werden muss. Wer immer sich zur Angelegenheit äussert, ob aus dem inneren Zirkel, als ehemaliger Insider oder aussenstehender Beobachter, zeigt mit dem Finger auf Verwaltungsratspräsidentin Christiane Roth als Ursache.

«Von Intrigen geprägt»

Die 67-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt. Wer sie googelt, kann auf Anhieb von unrühmlichen Vorfällen unter ihrer Ägide nachlesen: Von 2012 bis 2015 war Roth VR-Präsidentin der Psychiatrischen Dienste Aargau AG. Im September 2015 titelte die Aargauer Zeitung: «Aderlass in Königsfelden. Erneut gibt es prominente Abgänge». Gegangen waren der CEO per sofort sowie der Chefarzt und die Personalchefin. Man liest von ihrer achtjährigen Amtsdauer als Spitaldirektorin des Universitätsspitals Zürich (2000 bis 2007), als der Patientin Rosmarie Voser ein Herz mit falscher Blutgruppe transplantiert wurde, woran Voser starb. Im Zentrum standen zwar die Ärzte, aber auch Spitaldirektorin Roth kam je länger je mehr unter Druck. Im Mai 2007 hiess es in der NZZ: «Köpferollen am Universitätsspital»; Christiane Roth verliess ihren Posten. Und weiter stand in der NZZ: «Schlagzeilen gemacht hatte das Spital in den letzten Jahren auch wegen des internen Klimas, das wiederholt als schlecht und von Intrigen geprägt beschrieben wurde.» Ein Kenner der Szene drückte es kürzlich so aus: «Wo immer Christiane Roth tätig war, hinterliess sie einen Scherbenhaufen.»

VR in zweiter Besetzung

Aber nicht nur die Geschäftsleitung wechselt zum drittenmal, auch der Verwaltungsrat amtet bereits in einer zweiten Besetzung. Thomas Kehl als Präsident und Ruth Metzler als Vizepräsidentin sowie weitere Mitglieder schanzten sich selber so hohe Gebühren-, Sitzungs- und Spesengelder zu, dass sich der Regierungsrat 2014 gezwungen sah, zum ersten Mal in seiner Geschichte interne Protokolle zu publizieren. Schliesslich wurden einige Franken zurückbezahlt und vier Rücktritte eingereicht; der Regierungsrat ging angeschlagen aus diesem Debakel hervor. Auf Juni 2015 komplettierte er den VR nebst Christiane Roth, Gockhausen, mit Hans-Jürg Bernet, St. Gallen, Hugo Keune, Zürich, und Andreas Zollinger, Männedorf; von den Bisherigen verblieben Agnes Glaus, St. Gallen, und Othmar Kehl, Grub. Aus dem Regierungsrat wurde als Nachfolger von Köbi Frei Sicherheitsdirektor Paul Signer in den VR delegiert.

«Zeugt von Führungsschwäche»

Das Zehn-Millionen-Defizit hat Diskussionen vor allem rund um das Spital Heiden ausgelöst. Zwar werden vom Spitalverbund nur Gesamtzahlen publiziert. Wer aber genauer hinschaut oder dort arbeitet, dem wird schnell klar, dass das Spital Heiden auf die Dauer nicht mehr gewinnbringend betrieben werden kann. Noch vor den Sommerferien hat der ehemalige Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe am Spital Heiden, Harold Seiler, ein Grundsatzpapier veröffentlicht, in dem er Vorschläge zur Rettung des Spitals in neuer Form unterbreitete. Dazu hiess es von einem Insider: «Nun nehmen andere Experten das Heft in die Hand und verbreiten Vorschläge, wie man es machen könnte. Dies zeugt von Führungsschwäche und Orientierungslosigkeit.» Mitarbeitende und Ärzte sind verunsichert. So wurde der Redaktion zugetragen: «Wir haben Angst, dass die ganze Geschäftsleitung abgesetzt wird; sie wird vom Verwaltungsrat ständig schlechtgemacht. Viele Ärzte überlegen sich einen Weggang. Wegen ihrer grossen Besorgnis haben sich die Ärzte und hat sich auch die Personalkommission mit einem Schreiben an den VR gewandt.» Und ein direkt Involvierter sagte am Telefon: «Nicht nur als Steuerzahler, sondern vor allem als Staatsbürger mache ich mir grosse Sorgen.»

Dieser Tage trifft sich der Verwaltungsrat des Spitalverbunds, um Grundsätzliches zu beschliessen und, wie im Juli angekündigt, «eine überarbeitete Strategie zu verabschieden».



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WolfgangPeter (25. August 2016, 23:04)
SCHLECHTER JOURNALISMUS

Was für ein schlechtes Stück Journalismus! Da wird eine Person - VRP Christiane Roth - in die Pfanne gehauen, aber sie hat keinerlei Chance, sich zu den Vorwürfen zu äussern. Sie wurde nämlich gar nicht kontaktiert! "Eines Mannes Red ist keines Mannes Red, man muss sie hören alle bed", galt einmal. Aber dieser Grundsatz ist im heutigen Journalismus offenbar vergessen gegangen. Dafür produziert man Fehler: Roth ist - entgegen dem Text - immer noch VRP der Psychiatrischen Dienst Aargau. Warum dort der CEO nach kurzer Zeit den Hut nahm, hätte man recherchieren können - aber nein, das Resultat dieser Recherche hätte ja die vorgefasste These in Frage stellen können!

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frieda (26. August 2016, 10:55)
sehr schlecht

Sie haben recht: Das ist sogar ein ganz miserables Stück Journalismus. Nicht nur verstösst es gegen den journalistischen Grundsatz, dass die Gegenseite gehört werden muss, es stellt auch Zusammenhänge her wo keine sein können und nennt keinerlei Quellen. So wird erst gesagt, das sei "das dritte Mal innerhalb von viereinhalb Jahren, dass das Kader...neu bestückt werden muss" und "wer immer sich dazu äussert...zeigt mit dem Finger auf...VR-Präsidentin Christiane Roth". Weiter oben steht aber deutsch und deutlich, dass Ch. Roth erst seit Sommer 2015 im Amt ist. Schon allein deshalb können zwei der drei Rochaden mit ihr nichts zu tun haben. Dazu das "wer immer sich äussert" - wer ist das denn, der sich da äussert? Lässt sich da eine Redaktorin für Intrigen instrumentalisieren? Ein heutiger TG-Regierungsrat wurde in seiner Zeit als Journalist bundesgerichtlich verurteilt, weil er einmal keine Stellungnahme der Gegenseite eingeholt hatte ...

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unbekannt (25. August 2016, 17:14)
Voll zufrieden !

Ich war innerhalb von 2.5 Jahren im Spital Herisau als Patient stationiert. Ich war voll zufrieden mit den Ärzten und dem kompetenten und nettem Pflege-Personal von der Intensiv-Station und dem 3 Stock ! Ich war früher schon im St.Galler Kantonspital. Davon kann sich des Katonsspital St.Gallen nur träumen. Ich kann das Spital Herisau nur empfehlen.

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