Alarmübung in Herisau: Zusammenspiel nach dem Zusammenstoss

HERISAU ⋅ Während mehrerer Stunden konnte die Industriestrasse am Samstag nicht befahren werden. Der Ausserrhoder Bevölkerungsschutz führte eine Grossübung mit dramatischem Szenario durch. Über 300 Personen waren beteiligt.
25. November 2017, 13:59
Lukas Pfiffner
 Sogar der Hund hat Blutspuren am Kopf – oder etwas Ähnliches. Er ist im verunglückten Zug mitgefahren. Wenn die verschiedenen Blaulichtorganisationen, Rettungskräfte und Krisenstäbe in dieser Grössenordnung proben, soll die Übungsanlage möglichst realistisch sein.

Das Szenario ist dramatisch. Um kurz nach 10 Uhr wird auf einer der meistbefahrenen Strecken des Appenzellerlandes ein folgenschwerer Unfall simuliert. Beim Bahnübergang auf der Industriestrasse bleiben zwei Personenwagen stehen, sie werden vom Zug erfasst.

Ein Bahnwagen springt aus den Geleisen, eines der Fahrzeuge fängt Feuer. Und ein Dieselölbehälter auf einem Lieferwagen läuft aus.

Etwa 300 Einsatzkräfte probten bei der Alarmübung in Herisau den Ernstfall. (Bilder: Lukas Pfiffner)

Alle zwei Jahren wird grossangelegt geübt

Etwa alle zwei Jahre wird eine derartige Übung angesetzt. «Wenigstens haben wir diesmal so richtig garstiges Wetter dazu», meint Marc Rüdin, Chef des Kantonalen Führungsstabes und Gesamtübungsleiter, zu den politischen Gästen, Vertretungen der Gemeinden und Medien.

Es gehe um das Zusammenspiel der verschiedenen Stäbe, um das Funktionieren der Schnittstellen. Wenige Leute in leitender Funktion sind in die Details der Übung eingeweiht.
 

Sie liegen auch in der Waschstrasse

Über 300 Personen aus den Kreisen der Kantonspolizei, der Feuerwehr Herisau, der Rettungs- und Sanitätsdienste, der Appenzeller Bahnen, des Care-Teams, des Zivilschutzes und der Führungsstäbe kommen zum Einsatz.

Mehrere Dutzend Figurantinnen und Figuranten liegen im Zug, sie werden nach und nach von Leuten in orangen und gelben Westen zur Sanitätshilfsstelle geführt respektive getragen - und aufgrund ihrer Verletzungen priorisiert.

Die Verletzten liegen in Zelten, die bei Regen und Kälte aufgebaut werden, und einige in einer Waschstrasse eines Garagenbetriebes, die kurzerhand zweckentfremdet wird. «Gut, ist es nur eine Übung», meint Ausserrhodens Landammann Paul Signer, der Direktor des Departementes Inneres und Sicherheit.
 

30 Verletzte und eine tote Person

Der Strassenverkehr wird bis Anfang Nachmittag durch das Dorf umgeleitet, der Bahnbetrieb wie bei einem Ernstfall unterbrochen. Ersatzbusse verkehren zwischen Herisau und Waldstatt resp. sie stecken im Stau.

«Nein, die Busse dürfen die Strasse beim Schadenplatz noch nicht benützen», lehnt Graziosa Gairing, die Chefin der Ausserrhoder Kriminalpolizei, am zweiten Lagerapport einen entsprechenden Antrag ab. Sie leitet den Gesamteinsatz.

Die Führungsorgane stehen in einer Halle eines Industriebetriebes nahe der Unglücksstelle. 11.36 Uhr ist es. Die aktuellen Zahlen belaufen sich auf 31 unverletzte Beteiligte, 30 Verletzte und eine tote Person. Die Spurensicherung gestalte sich wegen der Niederschläge schwierig, ist zu vernehmen. Und die Fahrer der beteiligten Autos würden im Moment noch befragt. 

Leserkommentare

Anzeige: