Adventsaktionen statt Krippenspiel

APPENZELLERLAND ⋅ Auf vielfältige Art stimmen sich die Lehrpersonen mit ihren Schülern auf Weihnachten ein. Krippenspiele haben dabei eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wird auf Gemeinschaftsprojekte gesetzt.
30. November 2017, 07:02
Noemi Oesch, Samira Hörler

Noemi Oesch, Samira Hörler

noemi.oesch@appenzellerzeitung.ch

samira.hoerler@appenzellerzeitung.ch

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Schüler in die Rollen von Jesus und Maria versetzten. An die Stelle von Krippenspiele sind an den Schulen inzwischen ganz unterschiedliche Aktionen getreten. In der Primarschule Gais beispielsweise halfen die Kinder bei der Gestaltung der Adventsfenster auf dem Dorfplatz mit. «Und eine Schulklasse hat eine Weihnachtsgeschichte geschrieben und vertont», so Marco Zehnder, Schulleiter der Primarschule Gais. In der Schule Steinegg wird das Krippenspiel durch einen Weihnachtszirkus ersetzt. «Obwohl es kein Krippenspiel ist, sollen während der Proben weihnachtliche Gefühle und Gedanken aufkommen», erläutert Ulli Schönenberger von der Schule Steinegg.

Weihnachtstraditionen der Schulgemeinden

Auch die Sekundarschule Speicher bereitet Weihnachtsaktionen und kein traditionelles Krippenspiel vor. Dort gibt es seit Jahren am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien immer einen Weihnachtsanlass. «Schülerinnen und Schüler verkaufen selbst gemachte Zündholzschachteln mit Rätsel und Weisheiten, andere laufen durchs Dorf und singen Weihnachtslieder und eine Gruppe führt im Altersheim ein kurzes Theaterstück auf», sagt Regula Inauen Schulleiterin der Sekundarstufe Speicher. Auf die Frage, weshalb kein Krippenspiel gezeigt wird, antwortet sie, dass das Schülerparlament Mitspracherecht habe und ihnen ein Krippenspiel nicht mehr zeitgemäss erschien. Dafür freuen sie sich umso mehr auf die Weihnachtsaktionen.

Anders sieht es in der Schulgemeinde Schlatt-Haslen aus. «Wir haben letztes Jahr ein Krippenspiel aufgeführt. Dieses Jahr tragen wir die Bilderbuchgeschichte ‹Die vier Lichter des Hirten Simon› vor», ist von Hans Fässler, Lehrervertreter der Schule Haslen, zu erfahren. «Ein Krippenspiel ist mit zeitlichem Aufwand verbunden. Im Advent nehmen wir bereits an anderen festlichen Veranstaltungen teil, deshalb lesen wir heuer die Geschichte begleitet von Weihnachtsgesängen vor».

Gemeinschaft vermitteln

In Teufen sei das Ziel der Adventszeit, sich auf die Gemeinschaft der Schulen und deren Stärken zu besinnen: «Ein traditionelles Krippenspiel führen wir dieses Jahr nicht auf», so Oliver Menzi, Leiter des Schulhauses Landhaus. Aber: die vom Krippenspiel zu vermittelnden Werte werden durchaus in den Schulalltag aufgenommen. Die geplanten Advents- und Weihnachtsaktionen sind klassen- und schulhausübergreifend. «Uns war es bei der Planung wichtig, dass die Kinder zusammen arbeiten, organisieren und aufführen, und das nicht nur innerhalb der gewohnten Klassenkonstellationen.» Die Lehrer haben bei der individuellen Gestaltung der Adventsvorhaben freie Hand. Verschiedenste Aktionen seien geplant. Die Primarklassen wichteln und einmal am Tag ist eine klassenübergreifende Aktion vorgesehen. Mit dem Hintergedanken, für einmal etwas von Jung an Alt weiterzugeben, besuchen die Kindergärtler verschiedene Altersheime, um Weihnachtslieder vorzutragen. Auch schmücken alle Kinder einen grossen Schul-Weihnachtsbaum mit Selbstgebasteltem. «Wir wollen bewusst nicht auf christlichen Werten beharren, sondern den Kindern eine Möglichkeit geben, Gemeinschaft und Gemeinsinn auszuleben», so Menzi. Daher gäbe es auch keine Komplikationen mit Angehörigen anderer Konfessionen. Die Familien der jeweiligen Kinder seien gewillt zur Integration. Der Kindergarten Teufen organisiert dieses Jahr zwar kein traditionelles Krippenspiel, wird jedoch ein Weihnachts-Musical aufführen. Grundlage für das Musical bildet, wie bei der Schule Haslen, das Bilderbuch «Die vier Lichter des Hirten Simon». «Der Schwerpunkt liegt jedoch viel mehr auf dem Schaffen und nicht unbedingt auf dem Musical selbst», so Karlin Parisi, Kindergärtnerin. «Wir hatten etwas Hemmungen vor dem Vorhaben, da die Vorweihnachtszeit doch für viele Familien eher stressig ist», so Parisi. Sonst hätten sie keine Probleme gehabt. Auch mit den verschiedenen Konfessionen, die im Kindergarten vertreten sind, würde es reibungslos funktionieren: «Selbstverständlich ist es jedem Kind freigestellt, ob es sich am Musical beteiligen will.» Es ginge schliesslich ums friedliche Zusammensein. Ähnlich funktionierte es bei den Viertklässlern des Schulhauses Bühler. «Ich organisiere seit den 70-ern das alle zwei Jahre stattfindende ‹Bühlerer Adventsspiel›. Obwohl es doch eher traditionell gestaltet ist, enthielt das Stück nie streng religiöse Symbolik», erklärt Urs Klauser, ehemaliger Lehrer des mittleren Schulhauses Bühler. Und falls doch Probleme aufgetreten waren, hätte es immer die Möglichkeit gegeben, die Kinder als technische Helfer einzusetzen.

Rückgang der Teilnehmerzahlen

Obwohl das Krippenspiel in den Schulen nicht ganz verschwunden ist, zeigt sich, dass Neuinterpretationen auf dem Vormarsch sind. Regula Speck-Höhener von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Appenzell sieht den Grund dafür vor allem darin, dass die Kinder in dieser stressigen Zeit oft unter Druck sind. Zusätzlich zu all den von den Schulen geplanten Unternehmungen ein Krippenspiel vorzuführen, liege nicht mehr im Bereich des Möglichen.

Ähnlich tönt es bei der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Speicher: Obwohl diese ein Krippenspiel veranstaltet, nehmen weniger Kinder als gewohnt teil. Viele Eltern berichten laut Désirée Rieser, Praktikantin Sozialarbeit der Kirchgemeinde, dass ihr Nachwuchs kaum Zeit für ausserordentliche Aktivitäten hätte.


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