Vertrauen schaffen geht anders

KOMMENTAR ⋅ Der Ausserrhoder Spitalverbund legte am Mittwoch tiefrote Zahlen vor und machte widersprüchliche Aussagen zur Zukunft des Spitals Heiden. "Man wechselt die Ideen und Modelle wie andere Leute das Hemd", schreibt Monika Egli, Redaktorin der Appenzeller Zeitung, in ihrem Kommentar.

08. März 2017, 19:07
Zurückgeblieben sind ratlose Medienvertreter. Gekommen waren sie vor allem, weil der Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Matthias Weishaupt im Januar den Verwaltungsrat des Spitalverbunds AR unmissverständlich aufgefordert hatte, bis Anfang März Klarheit über die Zukunft des Spitals Heiden zu schaffen. Zur Erinnerung: Bis auf eine Ausnahme haben Ende Dezember alle operierenden Arzte der Frauenklinik gekündigt, das ganze Spital Heiden steht auf wackligen Beinen. Die Defizite 2015 und 2016 betragen zusammen fast 19 Millionen Franken. Doch am Ende der Medienkonferenz vom Mittwoch musste festgestellt werden: Es ist weiterhin völlig offen, wie es mit dem Spital weitergeht.

Die gross angekündigte enge Zusammenarbeit mit der Hirslanden Klinik am Rosenberg hat sich offensichtlich zerschlagen – kein Wort mehr zu dieser Kooperation. Das Warten dauert an. Nur eines scheint gewiss: Mit der ebenfalls am Mittwoch vorgestellten Teilrevision des Spitalverbundgesetzes, die im Januar 2019 in Kraft treten soll, werden die Weichen zur Spitalschliessung gestellt. Denn der Regierungsrat schlägt vor, künftig auf die Nennung der Betriebe, von deren Standorten und der Versorgungsbereiche zu verzichten. Er begründet dies mit der Absicht, dem Verwaltungsrat mehr Handlungsspielraum zu verschaffen.

Sich widersprechende Aussagen schafften zusätzliche Unklarheit. Man prüfe die Option, dass sich Frauen während der Schwangerschaft in Heiden begleiten lassen, für die Geburt dann aber ins Spital Herisau gehen. Dem stand drei Sätze später gegenüber, dass es Leistungen gebe, die man nicht entkoppeln könne, so zum Beispiel Gynäkologie und Geburtshilfe. Wie bitte?

Der Eindruck, den die vier Hauptakteure, VR-Präsidentin Christiane Roth, Landammann Matthias Weishaupt, der Leiter Finanzen, Yves Marzoli, und die neue CEO Paola Giuliani hinterliessen: Man hat kein Konzept, wechselt die Ideen und Modelle wie andere Leute das Hemd, schreibt tiefrote Zahlen – und lässt die Mitarbeitenden weiter im Ungewissen. So lässt sich das dringend nötige Vertrauen nicht herstellen.

Monika Egli
monika.egli@appenzellerzeitung.ch

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