Toter Luchs im Appenzellerland: Obduktion soll Klarheit schaffen

SCHWELLBRUNN ⋅ In Schwellbrunn am Ettenberg ist am Sonntag eine tote Luchsin aufgefunden worden. Da die Todesursache noch unklar ist, wurde der Kadaver zur Obduktion an die Universität Bern überführt.

26. September 2016, 12:35
Alexandra Pavlovic
SCHWELLBRUNN. Ein Landwirt hat den toten Luchs am Ettenberg aufgefunden. Am rechten Hinterlauf wies das Weibchen eine Verletzung auf, wie der Kanton Appenzell Ausserrhoden in einer Mitteilung schreibt. "Bei der Verletzung handelt es sich um eine grosse offene Wunde am Oberschenkel. Zudem war das Bein des Tieres gebrochen", sagt der kantonale Jagdverwalter Heinz Nigg auf Nachfrage von Tagblatt Online. Ausser dieser Wunde habe die Luchsin äusserlich keine weiteren Verletzungen aufgewiesen. "Daher können wir im Moment die genaue Todesursache nicht feststellen."

Um diese zu ermitteln, hat die Ausserrhoder Jagdverwaltung das Tier nun zur Obduktion an die Abteilung Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern übergeben. "Das ist ein standardmässiger Vorgang", sagt Nigg. Jedes geschützte Raubtier werde zur genaueren Untersuchung an die veterinärmedizinsche Fakultät geschickt. Es sei denn, die Todesursache sei offensichtlich. "Wie etwa, wenn ein Tier eindeutig von einem Auto angefahren wurde oder ähnliches."

Bis wann der Autopsiebericht vorliegt, konnte Nigg nicht sagen. "Vielleicht wissen wir schon heute Abend mehr." Ansonsten werde es sicher noch einige Tage dauern.

Nur ein Jahr beim Muttertier
Beim gefundenen Luchs handelt es sich um B459, Jahrgang 2015. Die Fachstelle Kora (Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement) konnte das Wildtier aufgrund der Fellzeichnung identifizieren. Als Jungtier wurde die Luchsin laut Communiqué zum ersten Mal am 11. August 2015 an einem Riss in der Gemeinde Grabs zusammen mit ihrer Mutter (B313) und zwei Geschwistern fotografiert. Das Muttertier lebt zwischen Wildhaus und Oberschan. B459 wurde zum letzten Mal am 9. März dieses Jahres in der Gemeinde Eggersriet von der St.Galler Wildhut fotografiert. "Wie die meisten Luchse in diesem Alter - zweites Lebensjahr - war sie vermutlich auf der Suche nach einem eigenen Revier", sagt Nigg.

Das Muttertier stösst ihre Jungen nach einem Jahr ab. "Ab diesem Zeitraum beginnt die gefährlichste Zeit für die Jungtiere, denn sie sind auf sich alleine gestellt", erklärt Nigg. Auf der Suche nach einem eigenen Revier, das bis zu 100 Quadratkilometer umfassen könne, sei das Jungtier vielen Gefahren ausgesetzt. "Dass dabei das eine oder andere Tier ums Leben kommt, ist leider nicht zu verhindern."

20 Luchse in der Ostschweiz
Wie viele Jungtiere pro Jahr sterben, kann Jagdverwalter Heinz Nigg nicht sagen. "Es gibt keinen Richtwert, da dies von Jahr zu Jahr unterschiedlich ist."

Derzeit wird die Luchspopulation in der Ostschweiz auf rund 20 Tiere geschätzt. Laut Nigg wird in einem Zweijahresturnus mit Fotofallen der Bestand der Wildtiere gezählt. Letztmals fand das im Winter 2014/2015 statt. Ob die Zahl durch die Jungtiere nun gestiegen ist, weiss er noch nicht.

Klar ist: Die Luchspopulation in der Ostschweiz ist stabil bis leicht ansteigend, so Nigg. Schäden an Nutztieren sind bis jetzt keine bekannt.
 

Weiterhin bedrohte Tierart


Der Luchs starb im 19. Jahrhundert in der Schweiz aus. Seit 1971 wird das Wildtier in der Schweiz wieder angesiedelt und gilt nach wie vor als bedrohte Tierart. Zwischen 2001 und 2008 wurden Luchse in der Nordostschweiz umgesiedelt. Ihre Population - zwei Tiere pro 100 Quadratkilometer - liegt im schweizerischen Durchschnitt. Anders als Wölfe sind Luchse für weidende Schafe keine Gefahr. Sie bevorzugen Rehe und Gämse. (red.)


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