Spital Appenzell als ambulantes Versorgungszentrum erhalten

APPENZELL ⋅ Die medizinische Versorgung in Appenzell soll zentralisiert werden. Das Spital Appenzell, das neue Alters– und Pflegezentrum sowie das Bürgerheim werden zu einem Gesundheitszentrum zusammengefasst. Hierfür sind auf der Gesetzes– und Verordnungsebene gewichtige Anpassungen nötig.

07. Februar 2017, 14:26
Die Innerrhoder Standeskommission (Regierung) und der Spitalrat haben zwei Berichte zum ambulanten Versorgungszentrum plus in Appenzell und einen Entwurf für ein neues Gesetz vorgelegt. Das Gesetz über das Gesundheitszentrum soll das heutige Spitalgesetz ablösen. Die Vorlage wird einer öffentlichen Vernehmlassung unterzogen, wie es in der Mitteilung der Ratskanzlei vom Dienstag heisst.

Nachdem 2014 die Idee eines gemeinsamen Spitalverbunds Appenzellerland gescheitert war, wurden in Appenzell Innerhoden die Arbeiten für eine eigenständige Versorgungslösung im Kanton wieder forciert. «Die Zeit des klassischen kleinen Grundversorgerspitals ist vorbei», sagte Antonia Fässler, Vorsteherin des Gesundheits− und Sozialdepartements, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Bereits 2011 entfiel am Spital Appenzell der 24 Stunden Betrieb der Chirurgie, Mitte 2012 musste die Geburtshilfe geschlossen werden.

Anstelle des heutigen Spitals soll in Appenzell ein ambulantes Vorsorgezentrum, ergänzt mit einem kleinen stationären Bereich, realisiert werden. Das Versorgungszentrum in Appenzell wird sich im Wesentlichen auf Wahleingriffe mit Schwerpunkt in der Orthopädie und der Chirurgie sowie auf die Innere Medizin konzentrieren.

Wettbewerb für Neubau
Der Leistungsschwerpunkt wird, gemessen an den Fallzahlen, im ambulanten Bereich liegen. Zum Angebot gehören sodann ein Notfall− und ein Rettungsdienst. «Die ärztliche Versorgung soll rund die Uhr sichergestellt werden», sagte Fässler.

Ergänzt wird das Angebot mit einer Gruppenpraxis für Hausärzte sowie Praxen für Physiotherapie, Logopädie und Beratung in verschiedenen Bereichen. Das Zentrum wird eine Tagesklinik und eine kleine stationäre Abteilung mit 13 Zimmern enthalten.

In organisatorischer und betrieblicher Hinsicht sollen das ambulante Versorgungszentrum, das neue Alters-und Pflegezentrum sowie das Bürgerheim zu einem Gesundheitszentrum zusammengefasst werden.

Das jüngere der beiden Spitalgebäude in Appenzell sei bald 60 Jahre alt, sagte Fässler. Die Infrastruktur entspreche nicht mehr den Anforderungen. Zurzeit läuft ein Wettbewerb für einen Neubau. Nach der Auswahl des Siegerprojektes soll dem Volk ein Rahmenkredit von rund 37 Millionen Franken vorgelegt werden.

Kompetenzübertragung an Standeskommission
Die Berichte der Standeskommission und des Spitalrates zum Ambulanten Versorgungszentrum plus werden in der April-Session im Grossen Rat beraten. Für das Gesetz über das Gesundheitszentrum führt die Standeskommission ein öffentliches Vernehmlassungsverfahren durch.

Es ist vorgesehen, dass der Leistungsauftrag künftig nicht mehr durch den Grossen Rat erteilt wird, sondern durch die Standeskommission. Mit diesem Vorschlag der Kompetenzübertragung komme auch zum Ausdruck, dass das effektive Gesundheitsangebot im heutigen Umfeld zunehmend stärker von betrieblichen Möglichkeiten abhängt als von langfristigen politischen Zielsetzungen, heisst es in der Mitteilung weiter. Über das Gesetz und den Rahmenkredit soll die Landsgemeinde 2018 entscheiden. (sda)

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