«Respekt für Strassenkinder»

Camille Kappeler aus Bühler engagiert sich für acht Monate auf der Tropeninsel Madagaskar, wo sie Strassenkindern Englisch- und Französischunterricht gibt. Auch in ihrem späteren Studium möchte sie sich mit Afrika beschäftigen.
24. Oktober 2013, 02:34

BÜHLER/ANTANANARIVO. «Afrika ist mein Traum», bekennt die 19jährige Camille Kappeler aus Bühler auf der 8000 Kilometer entfernten Tropeninsel Madagaskar. Hier engagiert sich die junge Frau nach dem Erreichen der Matura noch bis Mai 2014 ehrenamtlich für Strassenkinder in der Hauptstadt Antananarivo. «Ich habe grossen Respekt vor diesen zahlreichen Jungen und Mädchen, die täglich in den Überlebenskampf eingebunden sind, sich durch Bettelei oder kleinere Arbeiten etwas Geld für Nahrung verdienen müssen», sagt Kappeler.

Für sie stehe schon lange fest, im sozialen Bereich ein Studium zu absolvieren. Zuvor wollte sie jedoch in einem Projekt tätig werden und praktische Erfahrungen sammeln. Viele Menschen hätten ihr von Madagaskar erzählt, die geplante Mitarbeit an einer kleinen Schule sei jedoch gescheitert und damit auch ihr grosser Traum zunächst einmal geplatzt. «Ich war am Boden zerstört, wollte fast schon aufgeben.» Bei der Vorbereitung eines Vortrages in ihrer Klasse in der Kantonsschule Trogen über Madagaskar sei jedoch in einem Filmbeitrag das vom Berliner Verein «Zaza Faly» unterstützte Strassenkinderprojekt in Antananarivo erwähnt worden. «Ich habe mich beworben und wurde sofort genommen», freut sich die junge Schweizerin.

Theaterstück zu Weihnachten

Die Mitarbeiter der Sozialstation, der Ausbildungswerkstätten für Weberinnen, Schneiderinnen und Schreiner und auch die Nutzer einer kleinen Herberge, haben die engagierte Schweizerin herzlich aufgenommen. «Die Mädchen und Jungen sehnen sich vor allem nach Zuneigung und Nestwärme.» Camille Kappeler, die früher selbst Gesangsstunden genommen hatte und dem Schulchor einige Jahre angehörte, wird nun mit einer Schülergruppe des Zentrums «Manda» («Schützende Burg»), das im Schnitt gut 250 Kinder und Jugendliche betreut, mit Blick auf das Weihnachtsfest ein Theaterstück einstudieren und den Chor betreuen. «Die Kinder sind unglaublich begabt, singen und tanzen sehr gerne.» Den Jungen aus der Schreinerei will sie Faustball und Leichtathletik näherbringen, ferner hilft sie im Französischunterricht und leitet zwei Mal pro Woche Englischstunden in der Herberge. Mit den dortigen Bewohnern will sie zu Jahresbeginn ein kleines Musical einüben. Bastelnachmittage für die Vorschüler runden die Aktivitäten ab. Tiefe Einblicke in das Leben der Schützlinge verspricht sich Camille Kappeler, wenn sie mit den Streetworkern auf Tour geht, um die Kinder dort aufzusuchen, wo sie das Elend hinverschlagen hat. «Dann sehe ich den Ernst der Lage. Gut 5000 Strassenkinder soll es in Antananarivo geben», sagt Kappeler.

Für fünf Tage zurück in Bühler

Vor ihrem Hilfseinsatz war die 19-Jährige, der die ersten Brocken in der Landessprache Malagasy schon flott über die Lippen kommen, alleine in Südafrika, Namibia, Botswana und Simbabwe unterwegs. Im Mai nächsten Jahres wird sie gerade mal fünf Tage nach Bühler zurückkehren, um dort umzupacken, bevor es mit der Mutter für zweieinhalb Monate nach Peru und Bolivien geht, um dort Land und Leute kennenzulernen. «Ich bin ein kulturell interessierter Mensch», sagt die junge Frau von sich. In ihrer Heimatgemeinde leben viele Nationalitäten aus dem Balkan oder auch aus Afrika. Am liebsten wolle sie in Basel Ethnologie und noch eine Sprache studieren – «mit Schwerpunkt schwarzer Kontinent. Die vielen Ethnien in den über 50 Ländern faszinieren mich einfach, in Madagaskar gibt es immerhin 18 Volksgruppen.»

Aufenthalt selbst finanziert

Der Aufenthalt in dem seit fast fünf Jahren von Putschisten regierten, bitterarmen Land sei eine gute Einstimmung ins Studium und gebe sicher Ideen für spätere Forschungen. Das Eingewöhnen habe keine grossen Probleme bereitet. An das Kochen mit viel Öl und Fett habe man sich gewöhnen müssen, drei Mal am Tag gebe es auf der Insel Reisgerichte. Das stark gechlorte Wasser aus dem Leitungsnetz habe zu Beginn eine Allergie ausgelöst, die sie aber jetzt im Griff habe.

In der Schulzeit war die auch in Europa schon weitgereiste Camille beim TV Teufen in der Leichtathletik (vor allem Sprint, Hoch- und Weitsprung) aktiv und seit drei Jahren trainiert sie den Nachwuchs. Innerhalb der Evangelischen Kirchengemeinde Bühler gehörte die vielseitig interessierte junge Frau zudem dem Leitungsteam der Ferienspiele für Kinder in den Herbstferien an.

Den Aufenthalt auf der Tropeninsel habe sie sich selbst finanziert, im Bühler Restaurant Sternen gejobbt und auf der Alp Kohlwald in St. Gallen gleich mehrmals im Jahr in den Schulferien gearbeitet. (pd)


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