Muskeln sind seine Leidenschaft

BODYBUILDING ⋅ Bodybuilding ist eine Randsportart und wird schnell mit Doping in Verbindung gebracht. Ken Buser, der Centerleiter des Heidenfitness im Vorderland, gehört einem Verband an, der für dopingfreies Bodybuilding steht. Im Herbst hat er zwei grosse Ziele vor Augen.
29. Juli 2016, 07:02
RONJA ZELLER

BODYBUILDING. Ken Buser ist ein muskulöser Mann, der weiss, was er will. Vor acht Jahren entdeckte der Fitnesstrainer seine heutige Leidenschaft, das Bodybuilding. Ein Freund fragte ihn eines Tages, ob er mit ins Fitnessstudio komme – er sagte zu. Nach einer Woche hatte sein Freund genug vom Fitness. Ken Buser ist jedoch geblieben. Schon seit klein auf war der heute 29-Jährige für fast jede Sportart zu begeistern. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Autolackierer. Später liess er sich zum Fitnesstrainer ausbilden und nebenbei bildete er sich im Bereich Personaltraining und Ernährung weiter. Seit eineinhalb Monaten arbeitet Buser im Heidenfitness in Heiden. Dort ist er Centerleiter und somit für die ganze Organisation rund um das Fitness zuständig. Zusätzlich macht er noch Personaltraining mit verschiedenen Privatkunden.

Im vergangenen Jahr hat Buser zum 1. Mal an einem Bodybuilding-Wettbewerb, der Schweizer Meisterschaft, teilgenommen und wurde direkt Schweizer Meister in seiner Kategorie (Männer bis 80 kg). Durch diesen Erfolg durfte er an die Weltmeisterschaft (Amateurliga) nach Atlantic City (New York) reisen. Dort wurde er in seiner Klasse Vize-Weltmeister. Die Schweizer Meisterschaft in der Amateurliga wird vom Verband Swiss Natural Bodybuilding and Fitness Federation organisiert. Der Verband garantiert, dass nur Sportler ohne Doping an den Wettbewerben teilnehmen. Die Schweizer Meisterschaft findet jedes Jahr in Unterägeri statt. Der Verband hat das Ziel, das Image des Fitness- und Bodybuildingsports zu verbessern und den dopingfreien Athletinnen und Athleten eine Möglichkeit zu bieten, sich mit ihresgleichen zu messen. Die Sportler, welche diesem Verband angehören, verpflichten sich, nicht an Wettbewerben anderer Bodybuildingvereine teilzunehmen. So versucht man dem Doping-Wahn in diesem Sport entgegenzuwirken.

Training, Essen und Schlafen

Ken Buser befindet sich zurzeit in der Vorbereitungsphase für die Schweizer Meisterschaft am 22. Oktober. Er bereitet sich rund fünf Monate für einen Wettkampf vor. In dieser Zeit kommen vor allem seine Freunde und die Familie zu kurz. Nebst den zwei Trainingseinheiten täglich, die er meistens alleine absolviert, muss Ken Buser vor allem auch auf die Ernährung achten. «Mein Tagesablauf besteht aus Arbeiten, Essen, Training und Schlafen. Ich bereite immer am Abend vorher mein Essen für den nächsten Tag vor. Bei dem Tagesablauf bleibt in der Vorbereitungsphase nicht mehr viel Zeit für soziale Kontakte», sagt Buser. Er nimmt jeden Tag sieben Mahlzeiten zu sich. Fleisch, Fisch, Kohlenhydrate und Gemüse seien vor allem wichtig für die Ernährung vor dem Wettkampf, aber auch Nahrungsergänzungsmittel gehören dazu. Das Ziel ist es, in der Vorbereitung mehr Kalorien zu verbrennen als zu sich zu nehmen. Das heisst im Endeffekt gleichzeitig Muskelmasse zu halten und Körperfett zu verlieren. Busers Ziel in diesem Jahr steht klar fest: Erneut den Schweizer Titel zu holen und in diesem Jahr die Weltmeisterschaft in Los Angeles zu gewinnen. Denn dann würden sich für ihn neue Türen öffnen. Denn auf den Sportler, der diesen Titel gewinnen wird, wartet ein Profivertrag und somit die Chance, mit dem Sport auch Geld zu verdienen. «Ich bin in diesem Jahr fitter als im vergangenen und weiss jetzt auch besser, auf welche Dinge die Jury achten wird», betont Buser.

An die Grenzen kommen

«Um den ganzen Muskelaufbau durchzuziehen, braucht es vor allem viel Selbstdisziplin, Motivation und ein gutes Verständnis von Anatomie, Physiologie, Biochemie und Ernährung», erklärt der 29-Jährige. Er findet den Reiz an der Sportart vor allem darin, dass er sich immer wieder einer grossen Herausforderung stellen kann. «Ich kann mich immer wieder selbst an meine Grenze treiben und sehe, was mein Körper und Geist leisten können. Ein Bodybuilder ist wie ein Bildhauer. Er will seinen Körper immer mehr perfektionieren. Mein Körper muss mir gefallen», sagt Buser. Für Bodybuilding brauche man auch ein gutes Selbstvertrauen, sonst werde es schwierig, sich am Wettkampf gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

Der Wettbewerb

Um die Sportler vor einem Wettkampf auf Doping zu testen wird einige Tage davor ein Polygraphentest (Lügendetektortest) durchgeführt. Dabei befragen Spezialisten aus den USA die Teilnehmer über den möglichen Gebrauch von Dopingmittel aus. Wer diesen Test nicht besteht, wird sieben Jahre aus von der Teilnahme an Wettbewerben ausgeschlossen. Vom Erst- und Zweitplazierten wird ausserdem noch ein Urintest verlangt. Vor dem Wettbewerb sprühen sich die Athleten mit Selbstbräuner ein. Damit kommen die Konturen und die Muskeldefinition besser zur Geltung. Auf einer Bühne präsentieren sich die Bodybuilder dann vor einer Jury. In den Vorwahlen werden die Männer in folgenden Kriterien bewertet: Symmetrie, Muskulösität, Einzelvergleich, dabei müssen vier Symmetrieposen und sieben Pflichtposen durchgeführt werden. Anschliessend haben die Finalisten die Möglichkeit, während 60 bis 90 Sekunden mit eigener Musik und ausstudierten Posen ihre besten Vorzüge der Jury zu zeigen. Ken Buser investiert viel Zeit in den Auftritt, denn auf der Bühne wird jeder Schritt der Sportler bewertet.


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