Mit Kokosnüssen helfen

APPENZELL. Nadja Horlacher ist erst 35 Jahre alt, hat aber bereits ein «Lebenswerk» geschaffen: Eine Kokosnussöl-Farm auf den Philippinen. Bald arbeiten auch Ostschweizer Behinderte für sie.
22. April 2009, 09:31
Diana Bula

Die fröhlichen Menschen, die Hitze, das Meer. All das schätzt Nadja Horlacher an den Philippinen – und noch viel mehr. «Man kann dort aus dem Haus, wie man will. Niemand achtet darauf, ob ich schöne Kleider trage», sagt sie. Auf der südostasiatischen Inselgruppe zählt anderes. Das persönliche Gespräch zum Beispiel. «Dafür finden Filipinos immer Zeit», weiss die 35-Jährige. Landschaft und Einwohner taten es der Ostschweizerin an. So sehr, dass sie auf der Insel Dalupiri ein Grundstück erwarb und eine Kokosnussöl-Farm errichten liess.

Im Dezember 2005 lief der Betrieb an – mit wenigen Maschinen und fünf Angestellten. Heute arbeiten fast 50 Frauen und Männer für Nadja Horlacher; 40 auf den Philippinen, 8 in der Schweiz. Auch ein Buchhalter gehört zum Team. «Er müsste nur einige Aufträge erledigen, findet jedoch immer gleich Arbeit für einen ganzen Tag – also habe ich ihn angestellt. Das läuft oft so», relativiert Horlacher die Zahl der Mitarbeitenden.

Viele Schweizer Kunden

Auf der Farm lösen die Angestellten das Fruchtfleisch aus den Kokosnüssen und pressen es. Mit einer Zentrifuge trennen sie Wasser und Öl. Dieses eignet sich laut Horlacher zum Fleischbraten. «Wer allergisch auf Milchprodukte reagiert und deshalb keine Butter verträgt, kann das Öl aufs Brot streichen.» Als Pomade bringt es das Haar zum Glänzen.

Mit dem Schiff gelangt die Ware nach Deutschland, von dort mit der Bahn in die Schweiz. Nadja Horlacher lässt das Öl in Thal abfüllen, in Appenzell verpacken. Beide Arbeiten will sie einem Behindertenheim übertragen – «weil ich nicht nur im Ausland, sondern auch in der Schweiz helfen will». Nur über den Preis müssen sich die Verhandlungspartner noch einigen. Rund 300 Liter Kokosnussöl lässt die Unternehmerin monatlich unter dem Namen «Nardias Island Products» produzieren. Die Kunden stammen hauptsächlich aus der Schweiz. «Wir konnten aber auch schon nach Amerika liefern.»

In Darwin, einem Filipino, hat Horlacher einen Gehilfen gefunden, dem sie vertraut. Er leitet die Farm auf der Insel Dalupiri. Die 35-Jährige selbst wohnt in einem kleinen Haus ausserhalb von Appenzell – mit ihrem Partner, der zweijährigen Anna und dem sechs Monate alten John. Sie habe sich lange überlegt, ob sie ihre Kinder auf den Philippinen zur Welt bringen solle. «Wohlsituierte lassen sich dort von europäischen Ärzten behandeln und bangen keineswegs um ihre Gesundheit», sagt sie. Dennoch habe sie sich für die Schweiz entschieden. «Weil hier meine Verwandten wohnen, die mich entlasten.»

Alle paar Monate fliegt Nadja Horlacher mit ihren Kindern nach Dalupiri. Auf der Insel schläft sie am Boden auf einer Bastmatte. Als Dusche dient ein Eimer Wasser. Toiletten, wie man sie in der Schweiz kennt, sind rar, Plumpsklos hingegen verbreitet.

Produktion ausbauen

Zurzeit decken die Einnahmen knapp die Herstellungs- und Personalkosten. Die gelernte Maschinenmechanikerin, die später als Event-Leiterin arbeitete und als Weinkönigin für Rebensaft warb, gibt sich nicht zufrieden. Sie will Produktion und Umsatz vergrössern. Kommt es dabei zu Schwierigkeiten, handelt sie wie die Inselbewohner: «Sie machen das Beste aus ihrem Leben und finden immer unkonventionelle Lösungen.»


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