Kürzester Weg wäre eine Treppe

In anderen Städten ist es eine Touristenattraktion, in St. Gallen wird darüber diskutiert. Wird das Projekt des Uni-Bähnchens ein Jahrzehnt, nachdem es der damalige Stadtpräsident Franz Hagmann ins Gespräch gebracht hat, doch noch aktuell? Möglich wäre es, aber auch relativ teuer.
14. März 2015, 02:41
RETO VONESCHEN

Die Universität St. Gallen platzt wieder einmal aus allen Nähten. Abhilfe soll ein zweiter Campus am Platztor schaffen. Dieses Vorhaben befindet sich bei Kanton, Uni und Stadt in Vorbereitung. Dabei wird eine Frage natürlich auch aufs Tapet kommen: Wie verbindet man den geplanten Standort im Stadtzentrum mit dem heutigen Standort der HSG auf dem Rosenberg? Bereits geistert dafür eine Idee herum, die nahe liegt und vor rund einem Jahrzehnt der damalige Stadtpräsident und ehemalige HSG-Verwaltungsdirektor Franz Hagmann schon einmal propagierte: ein Uni-Bähnchen.

Viele Personen aufs Mal

Von der Distanz her gesehen ist die Verbindung zwischen dem bestehenden HSG-Campus auf dem Rosenberg und dem neuen am Platztor keine grosse Sache. Das Problem ist angesichts der Topographie der Stadt die Höhendifferenz. Ein zweites Problem ist, dass zwischen dem Campus oben und dem Campus unten nicht eine ständig gleichbleibende Personenzahl zu transportieren ist, sondern jedes Transportmittel massivste, vom Stundenplan der Studierenden bestimmte Frequenzspitzen zu bewältigen hat.

Von der Lage der Standorte her wie von der Distanz dazwischen bietet sich ein Bähnchen als künftiges Nahverkehrsmittel für die Universität an. Ein Nachteil der ersten diskutierten Variante wäre diesmal kein Thema: die Länge des Trassees. Franz Hagmann dachte seinerzeit an ein Uni-Bähnchen zur Lösung der Verkehrsprobleme zwischen Hauptbahnhof und Rosenberg. Vorabklärungen zeigten damals, dass das Bahnprojekt zwar theoretisch machbar, aber technisch anspruchsvoll und teuer wäre. In Zusammenhang mit den Baukosten waren damals Zahlen bis deutlich über 20 Millionen Franken zu hören.

Alles möglich, alles offen

Und jetzt? Ein Bähnchen als Patentlösung künftiger HSG-Verbindungsprobleme zwischen Platztor und Rosenberg? Dass mit dem Bau eines zweiten Campus im Stadtzentrum ein Verbindungsproblem zu lösen ist, dessen sind sich die Verantwortlichen bewusst. Dass auch Verkehrsfragen bei der Planung ein Thema sein werden, wurde bei der Präsentation der Projektidee des neuen HSG-Campus im letzten Herbst bestätigt. Und: Ein Bähnchen oder ein Schräglift könnte durchaus eine mögliche Lösung sein. Allerdings ist auch der Einsatz anderer Transportmittel denkbar. Ebenso denkbar ist, dass verschiedene Lösungsansätze miteinander kombiniert werden, um zu einer möglichst breiten Lösung zu kommen. Im Augenblick ist gemäss den Verantwortlichen aber noch nichts entschieden und alles offen.

Treppe, Bus oder doch Bahn?

Konkurrent Nummer eins des Uni-Bähnchens ist eine überraschende Alternative: eine konventionelle Treppe. Sie wäre die kostengünstigste und direkteste, wenn auch schweisstreibendste Verbindung vom Platztor auf den Rosenberg. Sie hätte kein Problem, hohe Frequenzspitzen beim Wechsel der Vorlesungssäle aufzunehmen. Bedingung für eine gute Lösung ist, dass ein Baulandkorridor erworben werden kann, der den Treppenbau in der Falllinie möglich macht.

Ein ernsthafter Konkurrent eines Bähnchens ist der Bus. Dies aber nicht in der heutigen Form, also auf dem Umweg übers Schibenertor. Statt des Linienbusses wären Shuttlebusse zwischen den HSG-Standorten gefragt. Ihr Nachteil: Sie wären «den Unbilden» des Strassenverkehrs ausgeliefert.


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