Hilfe für Lehrlinge in Not

HERISAU. Die Herisauer Hilfsgesellschaft für Lehrlinge feiert in diesem Jahr das 175jährige Bestehen. Hatte man in den Jahren nach der Gründung komplette Lehrlingsausbildungen finanziert, hilft man heute vorab in Notsituationen.
13. September 2012, 01:37
ROGER FUCHS

Vereine wie die Hilfsgesellschaft für Lehrlinge der Gemeinde Herisau gab es bis vor einigen Jahren auch in anderen Gemeinden. Noch vor fünf Jahren hätten in Urnäsch jeweils die besten Lehrlinge Geld von der Gemeinde erhalten, sagt Elisabeth Kunz, Präsidentin der Herisauer Hilfsgesellschaft für Lehrlinge. Heute seien sie noch die Einzigen, die Lehrlinge unterstützen. Allerdings seien sie der Meinung, dass nicht die Besten berücksichtigt werden müssten, sondern jene, die in schwierigen sozialen und finanziellen Verhältnissen lebten. Und dies unabhängig von der Leistung.

Von Pfarrer mitbegründet

In diesem Jahr nun kann die Hilfsgesellschaft für Lehrlinge, die am Stephanstag 1837 von einem Pfarrer und einem Schneidermeister gegründet wurde, den 175. Geburtstag feiern. Vieles hat sich in dieser Zeit gewandelt. Zu Gründungszeiten noch hatte die Hilfsgesellschaft komplette Lehrlingsausbildungen finanziert, die Lehrlinge beraten und während der Ausbildungszeit auf Schritt und Tritt begleitet. Als eine der zentralen Aufgaben von heute nennt Elisabeth Kunz die Unterstützung junger Leute, wenn beispielsweise Eltern nach dem 18. Lebensjahr nichts mehr zahlen können oder wollen.

Auch springt die Hilfsgesellschaft ein, wie Geschäftsführerin Rita Senn ergänzt, wenn bei Zweitausbildungen die laufenden Einnahmen und Stipendien nicht ausreichen. Als ein klassisches Beispiel, welches die Erstausbildung betrifft, führt Senn die medizinischen Praxisassistentinnen ins Feld. Da es für diesen Beruf zu wenig Lehrstellen bei Ärzten gäbe, würden die meisten Lehrlinge sich an der Benedikt-Schule ausbilden lassen. «Wegen limitierter Stipendienhöhe kann es vorkommen, dass die Jugendlichen dann auf uns zukommen», sagt Rita Senn. Alles in allem hatte die Hilfsgesellschaft in der jüngeren Vergangenheit jeweils ein bis drei Fälle pro Jahr zu behandeln. Das seien zwar wenige, für die Betroffenen jedoch eine wertvolle Unterstützung.

Nur für Herisauer

Voraussetzung, um von der Hilfsgesellschaft für Lehrlinge unterstützt zu werden, ist, dass die gesuchstellende Person entweder in Herisau wohnt oder in dieser Gemeinde einen Ausbildungsplatz hat. An die Hilfsgesellschaft vermittelt werden die jungen Berufsleute primär durch das Stipendienamt oder die Sozialdienste. «Sobald eine Anfrage kommt, sitzt der Vorstand der Hilfsgesellschaft zusammen», erzählen Kunz und Senn. Diesem gehöre jemand von der Berufsschule und der Oberstufe an. Auch das Gewerbe und die Industrie seien im Vorstand vertreten. Seitens des Kantons hat Marco Kuhn, Leiter der Fachstelle Sozialhilfe, Einsitz. Insgesamt arbeiten im Verein acht Vorstandsmitglieder und zwei Rechnungsrevisoren.

Noch kein Name für Website

Protokolle, Tätigkeitsberichte und Kassabücher von 1837 bis 1995 lagern heute im Kantonsarchiv und belegen die lange Geschichte des Vereins. Wie man das diesjährige Jubiläum feiern will, ist noch offen. Klar ist hingegen, dass man derzeit an einer Homepage arbeitet, einen Namen dafür gibt es aber noch nicht.


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