«Gesetz wird nicht umgesetzt»

Die Vahar ist eine engagierte Gruppe von Naturheilpraktikern, die Gleichberechtigung einfordern, und zwar so, wie sie im Gesundheitsgesetz festgeschrieben steht. Davon sei man noch weit entfernt.
05. Dezember 2012, 01:36
MONIKA EGLI

AUSSERRHODEN. Vahar ist die Abkürzung für «Vereinigung Aktiver Heilpraktiker AR». Sie wurde vor vier Jahren gegründet, seit drei Jahren gestaltet ein Teil ihrer Mitglieder die Rubrik «Naturheilkunde im Appenzellerland» in dieser Zeitung (s. Text auf dieser Seite). Die 14 aktiven Mitglieder verstehen sich als Vertreter der rund 250 Naturheilpraktiker und -praktikerinnen im Kanton. Und sie sind unzufrieden. Von der im Gesundheitsgesetz verankerten Gleichberechtigung sei man weit entfernt, sind sich die sieben Mitglieder einig, die das Gespräch mit der Zeitung gesucht haben. «Wir sind Gesundheitsfachpersonen wie im Gesetz beschrieben, wir decken einfach einen anderen Bereich ab als die Kollegen aus der Schulmedizin», sagen sie. Und: «Wir sind weit in der Überzahl, Akzeptanz und Gleichberechtigung aber sind an einem kleinen Ort.»

«Halbe Schweiz pilgert hierher»

Im Kantonsspital St. Gallen gibt es seit Anfang Oktober ein Zentrum für integrative Medizin. Damit nehme das Kantonsspital St. Gallen eine Pionierrolle ein, wie es auf der Homepage heisst. Gregor Schraner von der Vahar sagt dazu, dass seine Vereinigung seit zwei Jahren ebenfalls daran sei, eine ständige Präsenz in den drei Spitälern des Kantons zu erhalten – bisher vergeblich. Zwar werde damit geworben, dass am Spital Heiden seit 2003 das Zusammenwirken von Schulmedizin und der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gepflegt werde. Die Vahar-Runde hat dafür aber eher ein müdes Lächeln übrig. Diese Praxis sei schlecht im Spital integriert. Sie befindet sich im Dunant-Haus, das dem Spitalverbund gehört. Das sei für den Spitalverbund offensichtlich ausreichend, diese Methode als «integriert» zu bezeichnen. «Naturheilpraktiker fehlen in unseren Spitälern gänzlich», konstatiert André Peter. Dabei wäre das eine echte Chance für das gesamte Gesundheitswesen, schliesslich pilgere «die halbe Schweiz» zu den Ausserrhoder Naturheilärzten und -ärztinnen, sagt er.

«Wildwuchs»

Der Kanton schreibe sich «Naturheilkunde» zwar auf die Fahne, im Parlament sei aber keine einzige Vertretung mehr, seit sie ausgeschieden sei, weist Luisa Hochreutener auf ein weiteres Missverhältnis hin. Und: «Am geringsten ist die Kooperation mit den Hausärzten.» Ein grosses Handicap der Naturheilpraktiker sei zudem, dass auch bei den Krankenkassen die Gleichbehandlung fehle, denn eine entsprechende Zusatzversicherung sei nicht eindeutig: Sehr zur Verwirrung der Patientinnen werde hier die Therapie bezahlt, dort hingegen der Therapeut… Wie es aus der Runde heisst, herrsche in diesem Bereich ein eigentlicher Wildwuchs.

«Bei weitem nicht erfüllt»

Der eine und andere Fortschritt wurde allerdings erreicht. «Wir dürfen die Weiterbildungen der Ärzte besuchen, selber Vorträge organisieren, und wir wurden auch ins Projekt <Bündnis gegen Depression> einbezogen. Aber die Umsetzung des Gesundheitsgesetzes, das seit dem 1. Januar 2008 in Kraft ist, ist für die Mitglieder der Vahar bei weitem nicht erfüllt. Wir wollen Partner sein im Sinne des Gesetzes, und das auf Augenhöhe.»


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