Gemeinderat Teufen lehnt Kurz-Tunnel-Variante ab

ABSTIMMUNG VOM 21. MAI ⋅ Am 21. Mai entscheidet Teufen über die Kurz-Tunnel-Initiative. Der Gemeinderat ist zum Schluss gekommen, dass die Vorteile der Strassenbahn-Lösung mit richtungsgetrennter Doppelspur, wie sie die Appenzeller Bahnen AG plant, gegenüber einem Kurz-Tunnel überwiegen. Der Gemeinderat empfiehlt deshalb einstimmig eine Ablehnung der Initiative.
13. März 2017, 12:48
Mit der neuen Durchmesserlinie Trogen - St.Gallen - Appenzell per Fahrplanwechsel Ende 2018 erweitert die Appenzeller Bahnen AG ihr Angebot. Die Fahrzeiten zwischen Teufen und St.Gallen werden reduziert und zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und am Abend wird Teufen neu im Viertelstundentakt mit St.Gallen verbunden.

Zwei statt drei Fahrbahnen
Die Appenzeller Bahnen AG schafft für diesen Angebotsumbau neue, tramähnliche Tangozüge an. Zugleich müssen die Gleisanlagen und Haltestellen auf den neuen Betrieb umgestellt werden. Dies bedingt gemäss Medienmitteilung des Gemeinderates Teufen den Umbau des Bahnhofs Teufen mit einer Erweiterung auf drei Spuren sowie den Umbau der vier Haltestellen Lustmühle, Niederteufen, Sternen und Stofel. Für die Strecke von der Haltestelle Stofel bis zum Bahnhof Teufen plant die Appenzeller Bahnen AG eine Strassenbahn-Lösung mit einer Reduktion von drei auf zwei Verkehrsspuren durch das Dorf Teufen. Die Bahn soll richtungsgetrennt auf zwei Gleisen mit den Motorfahrzeugen auf der Strasse fahren.

919 Unterschriften
Am 8. Juli 2016 reichte ein fünfköpfiges Initiativkomitee die "Volksinitiative für den Bau eines Kurz-Tunnels zwischen Bahnhof und Schützengarten" mit 919 gültigen Unterschriften ein. Der Initiativtext lautet: "Der Gemeinderat Teufen wird hiermit angeregt, über einen Objektkredit von geschätzten 10 Millionen Franken für den Bau eines Kurz-Tunnels zwischen Bahnhof und Schützengarten abstimmen zu lassen." Der Kurz-Tunnel gemäss Initiative ist als reduzierte Variante zum abgelehnten Langtunnel-Projekt Stofel – Bahnhof Teufen aus dem Jahr 2015 zu verstehen, mit Tunnelportalen beim Bahnhof Teufen und beim Schützengarten.

Mehrkosten von 24,8 Millionen Franken
"Eine unabhängige Überprüfung der Kostenschätzung hat gezeigt, dass der Kurz-Tunnel für die Gemeinde mit dem in der Initiative genannten Objektkredit von 10 Millionen Franken nicht realisierbar ist", heisst es nun im Communiqué des Gemeinderates Teufen. Nach heutigem Kenntnisstand müsse gegenüber der Strassenbahn-Variante mit Mehrkosten von rund 24,8 Millionen Franken zulasten der Gemeinde gerechnet werden. Da bisher weder für die von den Appenzeller Bahnen AG geplante Strassenbahn-Lösung noch für die Kurz-Tunnel-Variante Vorprojekte erstellt worden seien, basierten die Kostenschätzungen zudem auf Erfahrungswerten und könnten bis zu +/- 30 Prozent von den tatsächlichen Kosten abweichen.

Vorteile bei der Strassenbahn-Lösung
Der Gemeinderat habe sich eingehend mit der Initiative auseinandergesetzt. Er sei zur Überzeugung gelangt, dass die Vorteile der projektierten Strassenbahn-Lösung mit richtungsgetrennter Doppelspur gegenüber einem Kurz-Tunnel deutlich überwiegen würden. "Neben den massiven baulichen Einschnitten ins Ortsbild durch die Tunnelportale müsste der Bahnhof tiefergelegt werden und der Zugang zu den Zügen würde im Untergrund erfolgen", heisst es in der Begründung. Zudem bleibe bei der Kurz-Tunnel-Variante die problematische Situation an der neuralgischen Stelle Elektro Nef zwischen Schützengarten und Stofel ungelöst. "Die Verkehrssituation und -sicherheit zwischen Stofel und Bahnhof Teufen lässt sich insgesamt mit der Strassenbahn-Lösung überzeugender und nachhaltiger verbessern", ist der Gemeinderat Teufen überzeugt. Dank der Reduktion von drei auf zwei Fahrbahnen entstünden neue Freiräume für Velo- und Fussverkehr. Es blieben alle Optionen offen, solche Freiräume später auf der ganzen Strecke bis zur Lustmühle, die auch ein wichtiger Schulweg sei, zu nutzen. Der Kurztunnel würde diese Möglichkeit einschränken.

Wie es in der Mitteilung abschliessend heisst, ist der Gemeinderat Teufen mit Blick auf die Verkehrssicherheit und auf den Kosten-Nutzen-Vergleich von den Vorteilen der Strassenbahn-Variante überzeugt und empfiehlt den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern einstimmig die Ablehnung der Initiative. (pd/red.)
 

Bauherrin Appenzeller Bahnen AG

Das Verfahren und die Zuständigkeiten betreffend den Bau von Bahnanlagen richten sich nach dem eidgenössischen Eisenbahngesetz. Die Appenzeller Bahnen AG ist Bauherrin und damit zuständig für Projektierung und das Einreichen eines Plangenehmigungsgesuchs; das Bundesamt für Verkehr (BAV) ist Genehmigungsbehörde. Die Gemeinde kann Projekt-Alternativen einbringen. Bei einer Umsetzung muss die Gemeinde allfällige aus den Änderungen resultierende Mehrkosten übernehmen und deren Finanzierung mit dem Bundesamt für Verkehr verbindlich vereinbaren. Die Bahnbetreiberin ist jedoch beim Einreichen des Plangenehmigungsgesuches nicht an Projekt-Alternativen gebunden. Dies beantwortet die oft gestellte Frage, weshalb in der Gemeinde Teufen noch nie über die Strassenbahn-Lösung (Doppelspurvariante) abgestimmt wurde. (pd)

Orientierungsversammlung

Die Abstimmungsunterlagen werden bis spätestens am 28. April bei den Stimmberechtigten eintreffen. Am 3. Mai 2017 findet um 19.30 Uhr im Lindensaal eine öffentliche Orientierungsversammlung statt, an welcher das Initiativkomitee und der Gemeinderat die Bevölkerung über die Initiative informieren werden. (pd)


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