Einer der Letzten seiner Art

In der Schweiz gibt es nur mehr wenige Kunstschmiede «alter Schule». Einer davon ist der Innerrhoder Franz Koster. Von Meistersrüte aus ist er in der ganzen Schweiz tätig.
07. August 2013, 01:36
PATRIK KOBLER

MEISTERSRÜTE. Der Lärm in der Schmitte ist ohrenbetäubend. Franz Koster bearbeitet am Amboss ein glühendes Eisen. Die Hitze ist er sich gewohnt, und ernsthaft verbrannt hat er sich noch nie. Immer wieder klopft der 50-Jährige mit dem Hammer auf das Teil, bis er es schliesslich zufrieden mit seinen geschwärzten Händen in die Luft hält. Nachzumessen, ob der Bogen passt, braucht er nicht. «Ich habe ein gutes Auge», sagt er.

«Säälzücher» gestaltet

Bevor er an der Esse loslegt und das Eisen im Feuer erwärmt, zeichnet Franz Koster jeweils von Hand einen Entwurf. Und so ist auf diesem bereits zu sehen, was dieses Mal in vielen Stunden entstehen wird: eine Lampe für einen Weinkeller. Für manche Anfertigungen benötigt Koster 300 Stunden; für die Lampe wird er gut 30 Stunden brauchen. Der Innerrhoder ist einer der letzten Schmiede alter Schule in der Schweiz. Er stellt keine Massenware her, sondern Einzelstücke: kunstvolle Geländer, Weinkeller, Skulpturen. In der Region bekannt ist etwa der «Seilzieher», eine über 800 Kilogramm schwere und 3,5 Meter hohe Eisenskulptur, die er für die Seilzieh Weltmeisterschaften 2012 in Appenzell gestaltet hat.

Gelernt hatte Franz Koster ursprünglich Metallbauschlosser. Nach der Lehre in einem Betrieb im Rheintal verschlug es den Innerrhoder nach Zürich, wo er drei Jahre lang für «die beste Schmitte auf dem Platz» arbeitete. Danach kehrte er ins Appenzellerland zurück, um eine Existenz aufzubauen. Nicht immer lief es geschäftlich so gut wie jetzt. Er hat aber eine «eigene Handschrift» entwickelt und ist inzwischen über die Grenzen des Appenzellerlands hinaus bekannt.

«E chli en Vogel»

Längst gehören auch die Reichsten der Reichen im Land zu seiner Kundschaft. Und so kennt er die Villen an der Goldküste, in St. Moritz oder Zug von innen – trotzdem ist der Innerrhoder bodenständig geblieben. «E chli en Vogel» sei er aber schon, antwortet er auf die Frage, ob er sich als Künstler oder als Handwerker fühle, und fügt an: «Schmiede machen was sie wollen, nicht, was sie sollen.»

Mit Leib und Seele Schmied

Mit seiner reichen Klientel tauschen möchte Franz Koster nicht. Er ist mit Leib und Seele Schmied. Noch immer fasziniert ihn, was man mit Eisen alles machen kann. Diese Faszination hat sich auch auf seine Familie übertragen. Eine Tochter tritt in seine Fussstapfen und arbeitet jeweils in der Freizeit in der Schmitte mit. Im Appenzellerland könnte dieses Handwerk also mindestens noch eine Generation überleben.


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