Ein Biberflade für den «Wäutfriede»

APPENZELL. Kabarett gegen Comedy: Ein herrlich strahlend-naives Hippie-Mädchen räumt bei den Appenzeller Kabarett-Tagen ab. Die Bernerin Lisa Catena gewinnt am Abschlussabend den Nachwuchspreis «De goldig Biberflade».
25. März 2013, 07:38
JULIA NEHMIZ

«Hat jemand eine Zeitung?» Lisa Catena läuft suchend durch den Backstage-Bereich. Doch niemand kann ihr weiterhelfen am Samstagabend. Also disponiert die 33-Jährige spontan um. Falls sie gewinnen sollte, wird sie eben eine andere Nummer als Zugabe zeigen, ohne Zeitungsrequisit.

Sie hat wohl nicht damit gerechnet, ein zweites Mal auf die Bühne der Aula Gringel gerufen zu werden. Dabei ist die Bernerin Catena mittlerweile eine ziemliche Grösse in der Kleinkunst-Welt, auch wenn sie erst seit gut einem Jahr als Kabarettistin auftritt. Am Samstag vor einer Woche gewann sie als erste Frau überhaupt den Schweizer Comedy Preis 2013. Nun kommt ein weiterer Preis in ihre kleine, aber feine Sammlung: «De goldig Biberflade».

«One Man Boy Group»

In der nicht ganz ausverkauften Aula Gringel durften sich zum Abschluss der 14. Appenzeller Kabarett-Tage drei Nachwuchskünstler dem Publikum präsentieren. Der Luzerner Johnny Burn zeigte als «One Man Boy Group», was gesanglich in ihm steckt, und erfrischend politisch-unkorrekt führte er die Klischees eines Secondos vor. Der Trogner Alessandro Zuffellato erzeugte mit Stimme und Körper unglaubliche Rhythmus-Geräusche.

Dann kam Lisa Catena auf die Bühne – und bezauberte als Hippie-Mädchen das Publikum. Mit herrlicher Naivität und überzeugtem Gutmenschentum gerät sie in die Untiefen des politischen Weltgeschehens. Sie entlarvt pointiert die Irrungen und Wirrungen von Grössen und Alltagskämpfen oder erklärt unbedarft die Zwischenmenschlichkeit finanzwirtschaftlicher Fachbegriffe.

Mit Charme und heiterem Ernst

In der Jury sassen Helen Fässler, Präsidentin Kulturverein 3Eidgenossen, Frank und Patrik Riklin, Atelier für Sonderaufgaben, der Urnäscher Schauspieler Philipp Langenegger sowie Theo Frei, Leiter des Diogenes-Theaters Altstätten. Sie waren sich nach den Auftritten rasch einig, an wen der Preis gehen sollte: «Lisa Catena überzeugte mit Charme, Timing, Aktualität und heiterem Ernst.»


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