Digitales «Mönz» in Herisau

BITCOIN ⋅ Im Hotel Herisau wird man schon bald digital bezahlen können. Als eines der ersten Hotels in Europa stellt es einen Bitcoin-Automaten bereit, mit welchem Schweizer Franken abgehoben oder eingezahlt werden können.
02. Mai 2017, 06:42
Jonas Manser

Jonas Manser

jonas.manser@appenzellerzeitung.ch

Digitale Zahlungsmittel sind für viele noch ein sehr abstraktes Konzept. Doch digitales Geld wie der Bitcoin könnte schon viel schneller in unserem Alltag Einzug halten als gedacht. Das Hotel Herisau ist eines der ersten Hotels in ganz Europa, welches einen Bitcoin-Automaten zur Verfügung stellt. René Wohnlich, Direktor des Hotels Herisau, sieht sich jedoch nicht als Einzelkämpfer. «Zusammen mit dem Ausserrhoder Tourismusverband zeigen wir, dass Appenzell auch in Sachen Digitalisierung ganz vorne mit dabei ist», so Wohnlich. Bereits ab diesem Sommer werde es möglich sein, im Hotel Herisau mit Bitcoins zu bezahlen.

Auch für Innovation bekannt sein

Monika Bodenmann-Odermatt, Verwaltungsratspräsidentin von Appenzellerland Tourismus AR, meint, dass damit auch ein wenig dem eher konservativen Image des Kantons entgegengewirkt werden solle. Es sei auch im Interesse des Tourismus, grössere Leistungsträger im Appenzellerland für Bitcoin gewinnen zu können, um so die neue Zahlungsmöglichkeit noch stärker ins Rollen zu bringen. Am Automaten im Eingangsbereich des Hotels Herisau kann man aus dem eigenen virtuellen Geldbeutel direkt Schweizer Franken abheben oder einzahlen. Als Besitzer eines virtuellen Geldbeutels müsse man sich so keine Gedanken um Fremdwährungen mehr machen, erklärt Jakob Gülünay, CEO der Jawin Swiss AG, einen der Vorteile des Bitcoins. Touristen können so direkt im Hotel Schweizer Franken beziehen.

Die Firma aus Urnäsch stellt dem Hotel Herisau den Automaten zur Verfügung und bemüht sich um die Förderung des Bit­coins im Appenzellerland. Ausserdem könne man am Automaten bis zu 5000 Franken anonym in sein Bitcoin-Konto einzahlen. Wer mehr einzahlen möchte, muss sich registrieren. «Einzahlungen können auch online getätigt werden, der Automat vereinfacht den ganzen Prozess jedoch um Einiges», so Gülünay. Auch Unternehmer wie René Wohnlich sehen die Vorteile der digitalen Währung. Es entstünden nur minimale Transaktionskosten und im Gegensatz zu ­herkömmlichen Kreditkarten müsste das Unternehmen nicht warten, bis das Geld auch tatsächlich angekommen sei.

Geopolitische Positionierung in der Zukunft

Bitcoin ist die Leitwährung der sogenannten Kryptowährungen. Sie dient nicht nur als Zahlungsmittel im Alltag, sondern wird bereits von Banken als Referenzwährung verwendet. Weltweit würden bereits 150 Millionen Menschen das digitale Zahlungsmittel nutzen, so Axel Franck von der Jawin Swiss AG. Davon seien 90 Prozent aus dem asiatischen Raum.

Im Vergleich zu anderen Ländern Europas sei in der Schweiz die Akzeptanz viel höher. So werde der Kanton Zug in Finanztechnologie-Kreisen weltweit sogar als «Crypto Valley» bezeichnet. Viele kleine wie auch grosse Firmen aus der Finanzbranche lassen sich in Zug nieder. Eine Infrastruktur für Bitcoin sei eine Investition in die Zukunft, so Franck. Vor allem für das Geldland Schweiz sei es wichtig, sich geopolitisch auf der Landkarte zu platzieren. Auch international gewinnt die Währung immer mehr an Relevanz. In Japan zum Beispiel wurde per 1. April dieses Jahres Bitcoin von der Regierung als offizielle Währung im Gesetz verankert.

Was die Sicherheit der digitalen Währung angehe, so müsse man sich keine Sorgen machen, versichert Gülünay. Bitcoin sei komplett transparent und trotzdem anonym. Dies bedeutet, dass alle getätigten Transaktionen jederzeit von allen einsehbar sind. «Ausser dem Namen der involvierten Personen, sind jegliche Daten einsehbar», erklärt Jakob Gülünay. Das ganze System sei komplett dezentral organisiert und somit sehr robust gegenüber Ausfällen, illegalen Eingriffen oder Missbräuchen.


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