Defizit beträgt halbe Million

HERISAU ⋅ Immer wieder ist vom hohen Sportzentrum-Defizit die Rede. Doch der Eindruck täuscht. Dies zeigt Geschäftsführer Fredy Bechtiger anhand von Zahlen auf. Das eigentliche Sorgenkind ist das Freibad.
24. Februar 2017, 07:42
Patrik Kobler
Seit der Sanierung und Erweiterung des Herisauer Sportzentrums vor zehn Jahren sorgt dessen Defizit für rote Köpfe. Als 2004 der Einwohnerrat über die Kreditvorlage von gut 24 Millionen Franken beraten hat, wurde in der Botschaft ein Defizit von jährlich gut 112000 Franken prognostiziert: Die Realität ist eine andere. 2017 wird ein Minus von fast 1,3 Mio. erwartet. Wurde im Businessplan vor der Abstimmung brandschwarz gelogen? Es fällt etwa auf, dass die Personalkosten heute mit 1,97 Mio. deutlich höher ausfallen, als damals vorhergesagt. Mit 22,4 Stellenprozenten liegt der Personaletat höher als erwartet. Geschäftsführer Fredy Bechtiger nennt verschiedene Gründe für die Entwicklung. So sei damals etwa kein Reinigungspersonal im Businessplan ausgewiesen worden. Doch die Zeiten, als der Bademeister auch gleich noch das Hallenbad geputzt hat, sind vorbei. Heute bestehen strenge Hygienevorschriften. «Wenn das Bad um 22 Uhr schliesst, wird nachher manchmal bis um 2 Uhr geputzt», sagt Bechtiger. Bei der Hygiene gehe man keine Kompromisse ein. Dasselbe gelte für die Sicherheit. Rund 120000 Leute besuchen jedes Jahr das Hallenbad. Zu Spitzenzeiten sorgt eine zusätzliche Badeaufsicht für Sicherheit. Ausserdem sei das Sportzentrum abgesehen von zwei Wochen Betriebsferien das ganze Jahr geöffnet – und zwar von morgens früh bis abends spät. Das erfordere einen Zweischichtbetrieb. Sparpotenzial beim Personal sieht er daher keines. Ein Wachstum ist allerdings auch nicht vorgesehen.

Sportzentrum nicht alleine für Defizit verantwortlich
Die Differenz zwischen dem im Businessplan von 2004 prognostizierten und dem tatsächlichen Defizit lässt sich aber nicht alleine mit den Personalkosten erklären. Auf unsere Anfrage hin hat Fredy Bechtiger die Zahlen detailliert aufgeschlüsselt (s. Grafik). Es zeigt sich, dass ein Umdenken nötig ist. Denn das Sportzentrum alleine ist nicht für das Millionendefizit verantwortlich. Vielmehr resultiert das Ergebnis in der Abteilung Sport, in welcher verschiedene Bereiche gebündelt werden: Neben dem Sportzentrum sind dies das Freibad Sonnenberg, die Aussenanlagen (beispielsweise der Sportplatz Ebnet) und die Koordinationsstelle. Für alle Teilbereiche gibt es eine gemeinsame Verwaltung. Sie übernimmt beispielsweise das Marketing, die Informatik und den gesamten Kundendienst.

Die Verwaltungskosten werden sodann auf die Teilbereiche aufgeteilt. Dasselbe gilt für die Liegenschaftskosten. Schaut man das Betriebsergebnis nach Abzug der Verwaltungs- und Liegenschaftskosten an, beträgt das Defizit des Sportzentrums «nur» eine halbe Million Franken. «Wir sind also nicht schlecht auf Kurs», sagt Gemeindepräsident Renzo Andreani. Oft herumgeboten wird die Idee, den Wellnessbereich zu schliessen. Schliesslich sei es nicht Aufgabe der öffentlichen Hand, Massagen anzubieten. Allerdings trägt der gut rentierende Wellnessbereich gemäss Fredy Bechtiger dazu bei, das Defizit des Sportzentrums zu verringern.

Freibad Sonnenberg mit Minus von 350000 Franken
Interessant sind die Zahlen des Freibads Sonnenberg. Im vergangenen Jahr verzeichnete es bei knapp 18000 Eintritten ein Minus von fast 350000 Franken. Das ist nicht gerade ein berauschendes Ergebnis und könnte den Diskussionen über die Zukunft des Freibads Auftrieb geben. Für Renzo Andreani ist
dieser Service public allerdings unbestritten. «Das leisten wir uns», sagt er. Spätestens wenn grössere Investitionen fällig werden, könnte aber wenigstens die Standortfrage zum Thema werden.

Ob sich das Gesamtdefizit bei gut 1,3 Millionen Franken einpendeln wird, wagt Renzo Andreani nicht vorherzusagen. Mit zunehmendem Alter des Sportzentrums müsse mehr investiert werden. Aktuell stehe die Erneuerung der Notbeleuchtung für gut 350000  Franken an. Und in der Eishalle müssen aufgrund von Vorschriften die Quecksilberdampflampen ersetzt werden. Fredy Bechtiger rechnet mit Kosten von bis zu 80000 Franken. Er verspricht, dass keine «Luxusinvestitionen» getätigt werden. Auf alles, was «nice to have» sei, ein Kältebecken für die Sauna etwa, werde verzichtet.Vor zehn Jahren wurde das für 24 Millionen Franken sanierte und erweiterte Sportzentrum Herisau eröffnet.

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