Amerikanische Uni ehrt Carl Lutz

Die George-Washington-Universität verleiht dem Schweizer Diplomaten Carl Lutz posthum eine Ehrenmedaille. Der Appenzeller rettete im Zweiten Weltkrieg 62 000 ungarischen Juden das Leben.
11. März 2014, 02:34
MICHAEL GENOVA

WASHINGTON D. C./USA. Mit grosser Verspätung erfährt der Appenzeller Carl Lutz die Ehrung, auf die er in der Heimat zu Lebzeiten vergeblich gewartet hatte. Die renommierte amerikanische George-Washington-Universität hat den Schweizer Diplomaten mit der «President's Medal of Honor» ausgezeichnet. In der Vergangenheit vergab die Universität diese Ehrenmedaille an Staatsmänner wie Michail Gorbatschow, Václav Havel und Schimon Peres.

Ehemaliger Student

Stellvertretend für ihren Vater nahm Agnes Hirschi kürzlich die Auszeichnung von Universitätspräsident Steven Knapp persönlich in Washington D. C. entgegen. «Die Universität ist stolz, dass sie ihren ehemaligen Studenten Carl Lutz für seinen Heldenmut und seine Menschlichkeit auszuzeichnen darf», sagte Steven Knapp. Lutz war 1913 von Walzenhausen in die USA ausgewandert. Ab 1920 wurde er Mitarbeiter an der Schweizer Gesandtschaft in Washington und studierte gleichzeitig an der George-Washington-Universität, die er 1924 abschloss.

Späte Ehrung

Später arbeitete Lutz als Konsularbeamter in Jaffa im Völkerbundsmandat Palästina und wurde 1942 Vizekonsul an der Botschaft in Budapest. Dort leitete der Diplomat die grösste aller Judenrettungsaktionen und bewahrte so Tausende Menschen vor den Vernichtungslagern. Als Leiter der Schutzmachtabteilung stellte er Schutzbriefe aus, die Juden die Ausreise nach Palästina ermöglichten. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz rügte ihn das EDA wegen angeblicher Kompetenzüberschreitungen. Die offizielle Schweiz ehrte ihn erst 1995, zwanzig Jahre nach seinem Tod.


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