Widerstand gegen Kirchenverkauf

EBNAT-KAPPEL. An der Versammlung der Evangelischen Kirchgemeinde Ebnat–Kappel von morgen Sonntag sollen die Kirchbürger entscheiden, ob es zum geplanten Verkauf der Kirche Kappel eine Urnenabstimmung geben wird.
29. März 2014, 09:41
RENé RÖDIGER

Ebnat-Kappel hat zwei evangelische Kirchen. Und das für rund 2000 Mitglieder. Ein Überbleibsel aus früheren Zeiten, als Ebnat und Kappel noch zwei eigene Gemeinden waren. Nun soll die Kirche Kappel für 230 000 Franken an den Unternehmer André Keller verkauft werden. Dieser will im Gotteshaus kulturelle Veranstaltungen durchführen. Vor dem Verkauf gibt es laut einer Initiativgruppe jedoch noch grundlegende Fragen zu klären.

«Ein Ort der Ruhe»

Die Initiativgruppe «evangelisch reformierte Kirchbürgerinnen und Kirchbürger» meint, dass man eine Kirche «nicht unbedacht an eine Privatperson verkauft». «Es ist ein Gotteshaus, ein Ort der Ruhe und Rückzugsmöglichkeit. Da muss man mehr Respekt davor haben», sagt Hansjörg Bösch, Mitglied der Initiativgruppe. Das Ziel der Initianten: Eine Urnenabstimmung zum Kirchenverkauf.

«Leben in einer Demokratie»

«Alle Kirchbürger sollen die Möglichkeit haben zu entscheiden. Nicht nur jene, die morgen an der Versammlung teilnehmen», sagt Bösch. Er hofft zwar, dass die Kirchbürger an einer allfälligen Urnenabstimmung den Kirchenverkauf ablehnen, den Entscheid will er aber unabhängig vom Ausgang akzeptieren: «Schliesslich leben wir in einer Demokratie.»

Den potenziellen Käufer hat Bösch erst einmal gesehen, als dieser seine Vision der künftigen Nutzung der Kirche Kappel vorstellte. «Er hat bei mir den Eindruck eines <Investmentmenschen> hinterlassen, der sein Geld in eine Immobilie anlegen will», so Bösch.

Den Versprechungen des Käufers traut er nicht ganz. «Was, wenn er keinen Gewinn bei den Veranstaltungen macht? Wenn sich die Leute die Eintritte nicht leisten können oder wollen?»

«Gegen kulturelle Veranstaltungen in der Kirche wehre ich mich nicht, die finden ja jetzt schon statt», sagt Bösch. «Wir alle wissen, dass man die Kirche auch anders nutzen soll und kann. Aber die Evangelische Kirchgemeinde soll Eigentümer sein und bleiben.»

Bösch stört sich daran, dass eine Kirche «ausgeräumt wird und danach Cüplianlässe stattfinden». Eine Prognose zu Abstimmung von morgen will Bösch nicht wagen: «Ich habe keine Ahnung, bekomme aber aus der Bevölkerung viel Zuspruch für unser Anliegen. Wichtig ist auch, dass es überhaupt zu einer Diskussion kommt.»

Musicals bevorzugt

Der Investor André Keller ist Inhaber der Frike Group, die im Pharma- und Kosmetikbereich tätig ist und mit rund 250 Mitarbeitern einen jährlichen Umsatz von über 50 Millionen Franken erwirtschaftet. Keller sagte im November 2013 gegenüber unserer Zeitung zu seinen Plänen: «Die Kirche Kappel soll zu einem Ort der Begegnung für kulturelle Zwecke werden.»

Laut vorläufigem Kaufvertrag dürfen keine Gottesdienste mehr in der Kirche stattfinden. Keller: «Denkbar sind Proben und Aufführungen von Musicals.» Für solche Produktionen hat der Unternehmer kürzlich die Frike Entertainment gegründet. «Gerade für die Proben von Musicals ist es ideal, wenn ein Raum wie eine Kirche durchgehend zur Verfügung steht», sagt Keller.

Weitere Investitionen nötig

Der Unternehmer wünscht sich einen selbsttragenden Betrieb in der Kirche Kappel. Er meint aber: «Es besteht kein finanzieller Druck.» Die Kirche wird den Investor Keller wohl mehr als nur die 230 000 Franken kosten. Im Innern der Kirche will er einen Getränkeausschank für den Kulturbetrieb einrichten. Zudem steht eine Aussenrenovation der Kirche an. Der Bau kann auch nicht zum Spekulationsobjekt werden, da er unter Denkmalschutz steht und nicht abgerissen werden darf.


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