Weitere Erdbeben nicht ausgeschlossen

Stadtpräsident Thomas Scheitlin (r.) und Stefan Wiemer, Direktor Schweizerischer Erdbebendienst, auf dem Bohrplatz im Sittertobel. (Keystone)
In der Ostschweiz hat am Samstagmorgen die Erde gebebt. Ursache für das Beben ist das St.Galler Geothermie-Projekt im Sittertobel. Laut den Projektverantwortlichen ist das Bohrloch nun stabilisiert worden, weitere Beben sind aber nicht ausgeschlossen.
20. Juli 2013, 11:39

Der Erdbebendienst registrierte um 5.30 Uhr bei St.Gallen in vier Kilometern Tiefe ein Beben der Stärke 3,6, wie der Dienst am Samstag mitteilte. Die Erschütterungen waren vom Bodensee bis zum Appenzellerland spürbar, wie die Projektverantwortlichen an einer kurzfristig anberaumten Medienkonferenz am Samstagvormittag informierten.

Das Beben der Stärke 3,6 in einer Tiefe von vier Kilometern sei klar auf das Geothermie-Projekt zurückzuführen, sagte Stefan Wiemer, Direktor des Schweizerischen Erdbebendienstes, an einer Medienkonferenz. Schon seit Mittwoch wurden im Umkreis des Bohrplatzes rund 100 schwache Beben registriert. In der Nacht auf Samstag nahmen die Erdstösse an Stärke zu.


Die Arbeiten auf dem Bohrplatz im Sittertobel sind nach dem Beben vorläufig gestoppt worden, das Bohrloch wurde stabilisiert. Derzeit werden alle Daten gesammelt und ausgewertet, mit ersten Resultaten ist im Verlauf der nächsten Woche zu rechnen. Die Behörden wollen laufend über den Stand der Dinge informieren. Laut Stadtpräsident Thomas Scheitlin wurden die Behörden vom Erdbeben überrascht. Man habe die Lage aber im Griff. Um das weitere Vorgehen zu bestimmen, wurde ein Krisenstab eingesetzt.

Fest steht, dass am Freitag Gas ins Bohrloch gedrungen ist. Möglicherweise stehen die deshalb eingeleiteten Gegenmassnahmen - 650  Kubikmeter Wasser und schwere Bohrspülung wurden ins Loch gepumpt -  im Zusammenhang mit den Erschütterungen.

Bei den Notrufzentralen in der Region sind bislang keine Schadensmeldungen eingegangen. Experten schliessen weitere Beben nicht aus. Es könnte auch zu starken Erschütterungen kommen, die möglicherweise Schäden verursachen. (sda/sg)
 

Tag und Nacht wird gebohrt

Die Bohrarbeiten für das Geothermie-Projekt im St.Galler Sittertobel sind seit Anfang März Tag und Nacht im Gange. Nun steht das Projekt just vor der heissen Phase: In den nächsten Wochen sollte sich zeigen, ob in knapp 4500 Metern Tiefe das erhoffte Heisswasser gefunden wird. Anders als in Basel, wo ein Geothermieprojekt Ende 2009 wegen Erdbeben gestoppt werden musste, waren in St.Gallen bislang spürbare Erschütterungen ausgeblieben. Wurde in Basel versucht, unter Hochdruck einen künstlichen Wasserkreislauf zu erzeugen, so kommt in St.Gallen die schonendere hydrothermale Methode zur Anwendung. Dabei soll eine natürliche wasserführende Schicht angezapft werden. Das Heisswasser gelangt über das Bohrloch an die Erdoberfläche, wird dort genutzt und durch ein zweites Bohrloch wieder in die Tiefe zurückgepumpt. Die deutsche Itag Tiefbohr-GmbH installierte im März den 60 Meter hohen Bohrturm. Seither stehen die Arbeiter und Ingenieure rund um die Uhr, sieben Tage die Woche im Einsatz. Eine vergleichbare Anlage, wie sie St.Gallen plant, liefert seit 2007 in Unterhaching bei München Heizwärme und seit 2009 auch Strom. Das Kraftwerk liegt wie Teile der Ostschweiz im Bereich eines Molassebeckens mit grossen Erdwärme-Ressourcen, wie die Stadt St.Gallen auf ihrer Geothermie-Website schreibt. (sda)


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