Unbeirrbar für ein reinrassig weisses Europa

Der Holocaust-Leugner Bernhard Schaub strebt mit seiner Europäischen Aktion eine internationale Dachorganisation von Rechtsextremen an.
26. August 2011, 13:33

Bernhard Schaub, Anführer der Europäischen Aktion EA, war schon mehrmals in der Ostschweiz aktiv. Seit längerer Zeit verbreitet der Holocaust-Leugner, der zeitweilig in Kreuzlingen lebte, seine Schriften über seinen Ghibellinum-Verlag, erreichbar über ein Postfach in Eschenz. Unter diesen Schriften auch eine 60seitige Broschüre über Ziele und Aufbau der EA. Der Verlag vertreibt auch eine DVD-Aufnahme jenes Vortrages, den Schaub Ende Oktober 2009 in einer St. Galler Olma-Halle gehalten hat. An der Tagung der Anti-Zensur-Koalition, organisiert vom sektiererischen Christen Ivo Sasek aus Walzenhausen, referierte Schaub über «Tabus», sprach von der «Auschwitz-Keule» und erging sich – teils unter grossem Applaus – in antisemitischen Mutmassungen.

Mit Mahler und Ahmadinejad

Schaubs Europäische Aktion beansprucht nun Wirkung weit über die Ostschweiz hinaus. Sie will als «organisierte Bewegung» einen Zusammenschluss von Rechtsextremisten aus ganz Europa erreichen. Die Einladung für das «Europa-Fest» wird denn auch in acht Sprachen verbreitet, von Deutsch über Französisch und Englisch bis Schwedisch und Ukrainisch. Am «Europa-Fest» wird Schaub als «Leiter der Europäischen Tagsatzung» auftreten. Er ist seit längerem international tätig, vor allem in Deutschland. Zusammen mit Horst Mahler, einst RAF-Anwalt, heute wegen Holocaust-Leugnung im Gefängnis, agierte er vor Jahren für die «Reichsidee» und die Wiedereinführung eines «Deutschen Reiches».

Im Dezember 2006 trat Schaub auch in Teheran auf, an einer von Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinejad organisierten Konferenz von Holocaust-Leugnern, dabei auch die Engländerin Michèle Renouf, die ebenfalls am geplanten «Europa-Fest» auftreten soll. Ab November 2003 amtete Schaub als Vorsitzender des «Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreiten des Holocausts Verfolgten» (VRBHV), dies bis kurz vor dem Verbot Ende 2008.

Das erste bedeutende Ziel der EA ist die Aufhebung des «Volksverhetzungs»-Paragraphen in Deutschland, des «Verbotsgesetzes» in Österreich und des Antirassismus-Gesetzes in der Schweiz. Der Holocaust sei, so schreibt Schaub, zu «einer Art Weltreligion» erhoben worden. Schaubs Holocaust-Leugnung dient offensichtlich der Absicht, nationalsozialistische Anschauungen wieder politikfähig zu machen. Schaub behauptet denn auch, dass Nazi-Ansichten, ob zu «Rassenfragen im allgemeinen oder der Judenfrage im besonderen, ob Überfremdung oder autoritäre Staatsform oder autoritäre Erziehungsmethoden, ob deutsche Leitkultur oder deutsche Volkslieder und Volkstänze», früher «auch die Ansicht jeden normalen Bürgers» gewesen seien.

Ein Europa nur für Weisse

Die EA strebt ein homogenes Europa von Menschen weisser Hautfarbe an. Aussereuropäische Einwanderer, die Schaub gelegentlich «Zivil-Okkupanten» nennt, sollen abgeschoben werden, ebenso ihre Lebensgefährten: «Weisse Ehegatten begleiten ihre Partner, Mischlinge siedeln sich in der Heimat ihres farbigen Elternteiles an.» Auch sollen Eingebürgerte wieder ausgebürgert und damit vertrieben werden.

Das Ziel ist eine «Europäische Eidgenossenschaft», die «aussen- und verteidigungspolitisch» als Grossmacht auftritt, ansonsten die Macht den einzelnen Nationalstaaten überlässt. Nicht als Demokratien, sondern als Diktaturen. Die EA nennt es «Gefolgschaftsprinzip» oder auch «Meritokratie», will heissen «die gesellschaftliche Vorherrschaft einer durch Leistung und Verdienste ausgezeichneten Volksschicht». Für die EA entwirft Schaub auch eine geopolitische Neuordnung der Welt. Diese bedeutete die Vertreibung und Neuansiedlung von vielen Millionen Menschen; so will die EA, dass 90 Prozent aller Juden nach Südsibirien auswandern, da ihre Vorfahren aus dem «Chasaren-Reich» stammen würden.

Neben den politischen Reden planen die EA-Organisatoren einen festlichen Abend mit Volksmusik, Volkstänzen und einer «Aufnahmefeier für neue Mitstreiter». Auch sollen alle das von Schaub verfasste «Europa-Lied» singen, in dessen zweiter Strophe es heisst: «Weiss ist das Land, rein ist die Hand.»

Trachten und Verschwörungstheorien

Solch nationalsozialistisch inspirierter Klimbim verlangt nach einer Kleiderordnung: Die Teilnehmer sollen «Trachten oder andere volkstreue Kleider» tragen, zumindest «weisse Hemden» und die Frauen «Röcke». Unerwünscht sind hingegen «Nato-Uniformstücke» und «Monturen pubertärer angloamerikanischer Subkulturen». Naziskins müssen sich also als biedere Normalos verkleiden, falls sie überhaupt an diesem Volkstum- und Kostümball teilnehmen wollen.

Wenn man Schaub glauben will, dann hat die EA bereits wichtige Gegner. Drei Tage nach Anders Breiviks Massenmord, bezeichnet Schaub in einem EA-Flugblatt die Tat als «durchsichtige Geheimdienstaktion», die sich gegen die «entstehende europäische Widerstandsbewegung gegen Globalisierung und Nivellierung» richte. Hans Stutz


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