Sektenprediger Ivo Sasek schuldig gesprochen

RASSENDISKRIMINIERUNG ⋅ Der Walzenhauser Gründer der Organischen Christus-Generation und Anti-Zensur-Koalition ist wegen des Auftritts einer deutschen Holocaustleugnerin in Chur gebüsst worden. Die Bündner Staatsanwaltschaft hat Sasek wegen Rassendiskriminierung schuldig gesprochen.
08. März 2017, 20:35
Anlass für das Verfahren war der Auftritt der deutschen Holocaustleugnerin Sylvia Stolz Ende November 2012 an der von Sasek organisierten Konferenz der Anti-Zensur-Koalition (AZK) mit 2000 Besuchern in der Churer Stadthalle. Wie die WOZ in ihrer Ausgabe vom Donnerstag meldet, wurde Sasek gemäss Strafbefehl vom 28. Februar mit einer Busse von 1500 Franken und einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Franken, bedingt auf zwei Jahre, belegt. Das Verdikt sei noch nicht rechtskräftig.

Sasek hatte den Vortrag von Sylvia Stolz im Internet veröffentlicht, worauf mehrere Privatpersonen Anzeige erhoben. Die einstige Anwältin war wegen des Churer Auftritts 2015 in Deutschland der Volksverhetzung für schuldig befunden worden, wie der auf Rechtsextremismus spezialisierte Journalist Hans Stutz in der WOZ schreibt. Nun befinde auch die Bündner Staatsanwaltschaft, Sasek habe der Holocaustleugnerin "eine Plattform" geboten, "um ihre rassendiskriminierenden Ideologien zu verbreiten". Stolz habe, heisst es im Strafbefehl, scheinwissenschaftlich behauptet, es gebe für die Tatorte, die Täter, die Opferzahlen sowie die Tatzeiträume des Holocausts keine schlüssigen Beweise. Sasek machte sich laut Staatsanwalt schuldig, weil er die Rede "mit teils holocaustverleugnendem Inhalt nicht unterbrochen und ihr enthusiastisch zugestimmt" sowie den Vortrag ins Internet gestellt habe. Dieses Video hat Sasek inzwischen von der AZK-Website genommen. Jedoch ist die Rede des Schweizer Holocaustleugners Bernhard Schaub 2009 in der St.Galler Olma-Halle dort weiter zu finden. Über jenen Auftritt schrieb Stutz im St.Galler Tagblatt: "An der Tagung der Anti-Zensur-Koalition, organisiert vom sektiererischen Christen Ivo Sasek aus Walzenhausen, referierte Schaub über ‹Tabus›, sprach von der ‹Auschwitz-Keule› und erging sich – teils unter grossem Applaus – in antisemitischen Mutmassungen."

Erst vergangene Woche hatte die SRF-"Rundschau" die "krude Gedankenwelt des Verschwörungstheoretikers" Sasek sowie Auftritte von namhaften SVP-Politikern in dessen "Gottesdiensten" thematisiert. (mel)

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