SP Schweiz will Delphinarium im Connyland schliessen

Zwei deutsche Tierschutzorganisationen kämpfen gegen die Delphinhaltung im Connyland Lipperswil. Die SP Schweiz fordert gar mittelfristig die Schliessung des Freizeitparks. Und argumentiert mit einem «Blick»-Artikel.
08. September 2011, 06:56
Nicole D'Orazio

Lipperswil. Deutsche Tierschützer lassen nicht locker: Die beiden Organisationen ProWal und Wal- und Delphinschutzforum (WDSF) kämpfen für die Schliessung des Delphinariums im Vergnügungspark Lipperswil. Sie fordern ein Importverbot dieser Tiere in die Schweiz. Nun spannen die Tierschützer auch Schweizer Parteien und Politiker vor ihren Karren. ProWal und WDSF haben alle politisch Tätigen des Kantons Thurgau, alle Mitglieder des Nationalrats und sämtliche Schweizer Parteien angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten.

Die SP liest den «Blick»

Bei der SP Schweiz sind die Tierschützer auf offene Ohren gestossen. «Sollte es den Betreibern von Connyland nicht gelingen, die erhobenen Vorwürfe rasch zu beseitigen beziehungsweise die Missstände gemäss Tierschutzverordnung rasch und umfassend zu beheben, unterstützen wir die mittelfristige Schliessung von Connyland», schreibt Chantal Gahlinger, politische Fachsekretärin der SP-Fraktion der Bundesversammlung.

Weder tier- noch artgerecht

Auf Nachfrage meint sie, ihr sei unter anderem ein Artikel aus dem «Blick» bekannt: Darin erheben die Tierschützer schwere Vorwürfe gegen das Connyland, nämlich dass die Tiere weder tier- noch artgerecht gehalten würden und innerhalb dreier Jahre sechs Delphine gestorben seien.

«Wenn an den Vorwürfen gegen das Connyland etwas dran ist, dann muss man etwas dagegen unternehmen», sagt Chantal Gahlinger. Der erwähnte Artikel zeige einiges auf. Dann aber tönt sie wieder vorsichtiger: «Die Forderung nach einer mittelfristigen Schliessung bezieht sich nur auf das Delphinarium, nicht auf den ganzen Vergnügungspark.» Um nachzusetzen: «Und nur als Ultima ratio, wenn die Missstände nicht behoben werden.»

Der Thurgauer Kantonstierarzt hatte bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass im Delphinarium alles mit rechten Dingen zugehe (unsere Zeitung berichtete). Und auch Regierungsrat Kaspar Schläpfer (FDP) wehrte sich gegen die Aufrufe der Tierschutzorganisationen, den Kanton Thurgau als Tourismusort zu boykottieren. Connyland war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

«Mittelfristig schliessen»

Auch die EVP Schweiz unterstützt die Forderung, das Delphinarium mittelfristig zu schliessen. «Für ein Importverbot oder ein Halteverbot von Delphinen in Zoos und Aquarien besteht für die EVP zum jetzigen Zeitpunkt kein Anlass», schreibt Niklaus Hari, Leiter Kommunikation der EVP.


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