Neues Cannabis-Medikament aus Herisau

HERISAU. Der Arzneimittelhersteller Hänseler aus Herisau vertreibt ab 1. November schweizweit die erste ölhaltige Cannabis-Lösung. Das sogenannte Sativa-Öl soll vor allem Schmerzen lindern. Die Abgabe ist rechtlich aufwendig.
07. Oktober 2014, 06:48
Alexandra Pavlovic

Immer mehr Untersuchungen belegen: die Cannabis-Pflanze lindert Schmerzen und Spastiken (Gstabigkeit). Als alkoholische Tinktur und als synthetisches Dronabinol wird es von Ärzten bereits verschrieben. Ab dem 1. November wird nun erstmals auch ein THC-haltiges Öl erhältlich sein. Die Hänseler AG aus Herisau verfügt seit dem Frühjahr schweizweit als erste über eine Ausnahmebewilligung zur Herstellung des sogenannten Sativa-Öls.

Vorstoss eingereicht

Laut Geschäftsleitungsmitglied Rolf Locher können Apotheken die Tinktur als Magistralrezeptur beziehen. «Diese Arzneimittel werden auf ärztliches Rezept für eine bestimmte Person selber hergestellt oder bei spezialisierten Betrieben bestellt.» Die Abgabe sei allerdings aufwendig, weil die Cannabis-Pflanze unter das Betäubungsmittelgesetz falle. So muss ein behandelnder Arzt für jeden einzelnen Patienten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Ausnahmebewilligung zur Verschreibung von THC einholen. Darin ist genau zu begründen, weshalb kein anderes Medikament verwendet werden kann. «Ärzten sollte die Verschreibung erleichtert werden», sagt Locher. Derzeit sei man mit dem BAG in Kontakt.

Auch Margrit Kessler, Patientenschützerin und St. Galler Nationalrätin (GLP), kritisiert die Bewilligungspraxis. Im September hat sie dazu eine Interpellation eingereicht. «Schmerzpatienten sollten kostengünstig und unbürokratisch Zugang zu Cannabis erhalten.» Bea Goldman, die das Öl vor sieben Jahren entwickelt hat, ist derselben Meinung. Die St. Galler Pflegefachfrau instruiert und begleitet mit dem Produkt vor allem Patienten mit der unheilbaren Nervenkrankheit ALS. Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das Öl sehr gut wirke, sagt Goldman. «Im Gegensatz zu bestehenden Cannabinoid-Medikamenten können etliche Patienten durch das Sativa-Öl die Krankheit besser bewältigen.»

Erste Cannabis-Sprechstunde

Die ölige Trägersubstanz hat zudem eine längere Wirkungsdauer. Gegen einen Missbrauch der öligen Lösung spricht aber die THC-Konzentration von nur einem Prozent. «Unsere Patienten wollen ihre Schmerzen lindern und nicht, wie oft behauptet, einen schnellen Rausch, wie das beim Kiffen der Fall ist», sagt Goldman. Sie hoffe daher, bald mehr Patienten behandeln zu können. Zu diesem Zweck plane sie mit dem Neurologen Markus Weber die Lancierung der ersten Cannabis-Sprechstunde am St. Galler Kantonsspital.


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