Mehr Platz für den Tiger

ZOOBERICHT ⋅ OSTSCHWEIZ. Der Schweizer Tierschutz hat 24 Zoos und Tierparks unter die Lupe genommen, darunter auch sieben Ostschweizer Anlagen. «Mustergültig»: Der St.Galler Tierpark Peter und Paul. «Skandalös»: Der Zoo Bad Ragaz.
20. August 2010, 15:14
Zoobericht
Sarah Gerteis
Die Tierhaltung in Ostschweizer Zoos und Tierparks ist mehrheitlich genügend bis gut, wie aus dem Zoobericht 2010 des Schweizer Tierschutzes (STS) hervorgeht. Die Tiere werden gemäss Zoologe Peter Schlup, Verfasser des Zooberichts, grösstenteils artgerecht gehalten und haben genügend Beschäftigungsmöglichkeiten. Kritisiert werden jedoch die Platzverhältnisse, die zwar den Mindestanforderungen der Tierschutzverordnung genügen, nicht aber den Vorstellungen des STS entsprechen. Vor allem für Exoten wie Tiger und Seelöwen fordern die Tierschützer mehr Platz.


Die Bewertung der Ostschweizer Zoos und Tierparks im Überblick:

Connyland, Lipperswil
Das einzige Delfinarium der Schweiz stösst beim STS auf wenig Verständnis. «Delfine gehören zu jenen Tierarten, welchen in Gefangenschaft kaum die nötigen Bedingungen für ein artgemässes Leben geboten werden können», heisst es im Bericht. Zwar hält die Anlage die Mindestvorschriften der Tierschutzverordnung ein. Diese genügten Nach Ansicht der Tierschützer jedoch nicht. Des weiteren kritisiert der STS auch das Bassin der Seelöwen als «nicht artgerecht». Pluspunkte sammelt das Connyland bei der Papageienhaltung. Die Volieren seien geräumig, die Tiere werden in Gruppen gehalten.

Erlebniszoo Rheintal, Eichberg
Gute Noten für den Rheintaler Zoo: Der STS ist mit der Haltung von Lamas, kleinen Pandas und Affen sehr zufrieden. Nach Ansicht der Tierschützer haben die Tiere genug Platz und werden sinnvoll beschäftigt. Zudem vermittelten die Führungen viel Wissenswertes zu den Tieren. Kritik hingegen gibt’s für die «Wohnungen» von Gepard- und Schneeleopard: Diese seien zu klein für die agilen Tiere.

Knies Kinderzoo, Rapperswil
Auch wenn die Haltung der Zirkustiere der Knie-Familie immer wieder Anlass zu Diskussionen gibt, wird am Kinderzoo nicht viel bemängelt. Zwar wünscht sich der STS für die Elefanten eine grössere Anlage und für die Seelöwen grössere Becken. Beides aber steht bereits auf der Wunschliste des Kinderzoos. Ansonsten wird im Bericht viel Positives vermerkt. Erdmännchen und Fuchsmanguste, Totenkopfaffe und Goldaguti, Giraffen, Zebras, Watussi-Rinder und Perlhühner leben in «grosszügigen Gemeinschaftsgehegen», werden immer wieder beschäftigt und haben genügend Rückzugsmöglichkeiten.

Plättli-Zoo, Frauenfeld
Die Gehege von Löwe und Tiger im Plättli-Zoo bereiten den Tierschützern Sorgen. «Zu klein und ungenügend strukturiert», lautet das Fazit. Die Grosskatzen hätten «sehr wenige Möglichkeiten, sich in diesem Gehege zu bewegen» und sich artgemäss zu beschäftigen. Auch die Schimpansen sind laut den Tierschützern zu wenig gefordert. Anders die Waschbären: Deren relativ neue Anlagen sei «sehr gut gelungen». Lob gibt es auch für die Haltung von Lamas, Wallabies und Papageien.

Walter Zoo, Gossau
«Der mittelgrosse Zoo wandelt sich ständig und schenkt der artgemässen Haltung viel Beachtung», heisst es im STS-Zoobericht lobend. Die positive Bewertung hat vor allem damit zu tun, dass der Walter Zoo eine neue Tigeranlage realisiert hat. Deren Platzverhältnisse seien «optimal und durchdacht ausgenützt», die Tiere hätten viele Nischen und Ebenen, wo sie sich zurückziehen können. Gute Noten gibt’s zudem für die Haltung von Waschbären, Schimpansen, Lamas, Rindern und Leoparden. Nicht zufrieden hingegen ist der Tierschutz mit den Anlagen für Alligatoren und Anakondas, die zu klein seien. Der Walter Zoo aber plane man zumindest für die Riesenschlangen einen grösseren Innenraum und eine Aussenanlage.

Wildpark Peter und Paul, St.Gallen
Der Wildpark über den Dächern von St.Gallen ist für den STS ein Musterbeispiel für artgerechte Tierhaltung. «Negative Beispiele sind keine vorhanden, einzig das Luchsgehege ist etwas in die Jahre gekommen», schreiben die Tierschützer im Bericht. Die mehrheitlich einheimischen Tiere wie Wildschweine, Steinböcke, Gämsen, Luchse und Murmeltiere seien in sehr grosszügigen Anlagen untergebracht, die den jeweiligen Bedürfnissen entsprächen.

Zoo Bad Ragaz
«Dieser Zoo verfügt noch immer über grösstenteils wenig tierfreundliche Gehege», heisst es im Zoobericht. «Kein Wunder, gehen deshalb immer wieder Reklamationen beim Schweizer Tierschutz zum Zoo Bad Ragaz ein.» Der STS vermutet, dass dem Zoo die finanziellen Mittel und der nötige Platz fehlen, um die Tiere artgerecht zu halten. Als «akzeptabel» wird die Haltung der Lamas bezeichnet, als «korrekt» diejenige der Zwergziegen. Die Aussenanlage der Berberaffen sei ungenügend, das Gehege der Waschbären zu klein. Die Tigerhaltung bezeichnen die Tierschützer gar als «skandalös»: Die Innenställe seien dunkel, das Aussengehege zubetoniert. «In dieser Haltung können die Tiger nicht einmal ansatzweise ein artgemässes Leben führen.»

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