Keine Gnade für junge Fische

OSTSCHWEIZ ⋅ Freizeitfischer am Bodensee dürfen ab dem Jahr 2017 Felchen und Barsche, die sie an der Angel haben, nicht mehr in den See zurücksetzen. Das Schonmass fällt weg. Der Entscheid scheint widersprüchlich.
10. August 2016, 07:33
MARIA KOBLER-WYER

Eigentlich müssten Felchen und Barsche im Bodensee geschont werden. 2015 war für die Berufsfischer am Bodensee das schlechteste Fangjahr seit 1917. Der Felchenertrag lag bei 152,4 Tonnen – 40,8 Prozent tiefer als im Vorjahr. Bei den Barschen ist der Ertrag von 50 Tonnen auf 23,4 Tonnen zurückgegangen.

Dennoch hat die internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) das Schonmass für Felchen und Barsche am Bodensee aufgehoben. Bisher galt die Norm, dass Fischer Felchen ab 30 Zentimetern und Barsche ab 13 Zentimetern mitnehmen dürfen. Mit der Massnahme soll verhindert werden, dass kleine Fische mit geringer Überlebenschance zurückgesetzt werden.

Unverständnis bei Fischern

Darüber sind die 13 000 Fischer am Bodensee enttäuscht, wie die Internationale Arbeitsgemeinschaft der Bodensee-Sportfischervereine (IABS) in einer Mitteilung schreibt. Genau die Fische, die man schonen wolle, müssten künftig ausnahmslos entnommen werden. «Es ist eine weltweit anerkannte Praxis, dass Jungfische bestimmter Arten von Anglern schonend zurückgesetzt werden», heisst es weiter. «Ich verstehe, dass der Entscheid widersprüchlich aufgefasst werden kann», sagt Roman Kistler, Amtsleiter der Jagd- und Fischereiverwaltung Thurgau, auf Anfrage. Das Hauptproblem sei, dass Barsche und Felchen häufig in grossen Tiefen – in 15 bis 20 Meter – gefischt würden. «Sie gelangen dann zu schnell an die Oberfläche und bekommen Probleme mit dem Druck- und Luftaustausch», sagt Kistler. Beim Angeln komme hinzu, dass die Fische grundsätzlich kleine Verletzungen erlitten. «Diese stellen eine Infektionsquelle dar», sagt Kistler. «Die Tiere werden geschwächt, was die Überlebenswahrscheinlichkeit erheblich mindern kann.»

Aus Sicht der Angler überleben zu kleine Fische nur in Einzelfällen das Zurücksetzen nicht. Deshalb wollen sie sich für eine Abschaffung der Regelung einsetzen. Sie monieren, dass es keine Grundlage für den Entscheid gebe. Amtsleiter Roman Kistler bestätigt, dass es keine Untersuchung am Bodensee gibt, aber etliche Beobachtungen durch die Fischereiaufsicht. «Es gibt aber einige andere Studien, die diese Problematik belegen.» Die neue Regelung tritt ab 1. Januar 2017 in Kraft und gilt nur für Freizeitfischer.

Weniger Berufsfischer

Berufsfischer benutzen Netze, deren Maschenweite darauf ausgerichtet ist, dass kleine Fische nicht gefangen werden.

Eine Änderung gibt es aber auch bei den Berufsfischern. «Bis 2020 wird die Zahl der Berufsfischer von 110 auf 80 abgebaut. Somit können die einzelnen Fischer mehr Tiere fangen und haben ein besseres Auskommen», sagt Roman Kistler.


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