Kampf am Rohrspitz dauert an

EINSPRUCH ⋅ Seit elf Jahren legt der Besitzer der Erholungsanlagen am vorarlbergischen Rohrspitz Pläne für die Modernisierung der Bauten am Seeufer vor. Jetzt gaben die Behörden grünes Licht. Prompt kündigen Naturschützer Einspruch an.
25. Juli 2016, 06:28
GERNOT GRABHER

FUSSACH. Seit 2005 wälzt Günther Salzmann ein umfassendes Projekt für die Umgestaltung seiner Anlage unmittelbar am Bodensee, rund 10 Millionen Euro wollte er dafür ausgeben. Ein kleines Hotel, ein paar Wohnungen, neue Gastronomieräume und schönere – aber nicht mehr – Plätze für die Camper sollten entstehen. Die ersten Pläne schienen nicht nur der Behörde zu gross angelegt, vor allem eine vorgesehene Tiefgarage für Boote fand keine Gnade, Grüne liefen Sturm gegen das Projekt, es hagelte Einsprüche.

Salzmann liess die Architekten wieder und wieder umplanen, nachdem die Behörden signalisiert hatten, sein Projekt sei nicht chancenlos, doch müsse er Abstriche in Kauf nehmen. Salzmann bekam aber nie behördlich genauere Vorschriften, was er denn nun bauen dürfte. Dagegen mit Regelmässigkeit neue Einsprüche besonders von der Grünenplattform «Unser Rohrspitz». Letztlich sollte Salzmann seine Pläne einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unterwerfen. Dieses finanzielle Risiko wollte Salzmann nicht eingehen, zumal er bereits eine Million Euro für Entwürfe ausgegeben hatte und der Ausgang des Prüfverfahrens, für das er über ein Dutzend Gutachten beibringen hätte müssen, im Ungewissen lag.

Verkleinertes Projekt

Hingegen liess er den Architekten Jürgen Hagspiel eine geschrumpfte Version ausarbeiten. Dessen neueste Pläne sehen nun ein Multifunktionsgebäude vor. Das 1977 gebaute jetzige Restaurant bliebe erhalten, der angebaute, 60 Jahre alte Kiosk würde aber abgerissen. Östlich davon entstünde ein 35 Meter langer und fast 14 Meter breiter Baukörper, der im Untergeschoss Technik- und Lagerräume, im Erdgeschoss Duschen und WCs und im ersten Obergeschoss ein Selbstbedienungsrestaurant mit 32 Innensitzplätzen und eine Terrasse mit 128 Plätzen umfasste. Darüber sind zwei Wohnungen und eine für die Besitzerfamilie geplant. Für die meisten Autos ist eine Tiefgarage mit 166 Stellplätzen vorgesehen. Die Kosten des reduzierten Projektes werden noch immer mit sieben Millionen Euro beziffert.

«Auf öffentlichem Grund gibt es am Rohrspitz nicht einen einzigen Parkplatz», fügt Salzmann dazu an, «auch die Plätze bei meinem Nachbarn, dem <Glashaus>, sind auf privatem Grund.» Einsprüchen wegen des allfällig anfallenden Aushubs, einer der alten Kritikpunkte der Gegner, hält Salzmann entgegen, er habe eine inzwischen längst genehmigte Deponie vorgeschlagen. Und wenn man die Tiefgarage nicht wolle, gäbe es seitlich der Zufahrt Platz genug, man müsste die oberirdische Abstellmöglichkeit nur genehmigen.

Nur frustriertes Kopfschütteln hat der Projektbetreiber für die Grünen übrig, «die am Rohrspitz gegen alles» sind. Man müsse doch auch einsehen, dass im letzten Jahrzehnt die Vorarlberger Bevölkerung um fast ein Drittel gewachsen ist und inzwischen immer mehr Ostschweizer Gäste herkommen. «Die Leute wollen an den See, und irgendwo müssen sie Platz haben. Besser ist eine Konzentration, als dass die Besucher querfeldein laufen und so die Natur und besonders die Vögel wirklich stören.»

Grünes Licht

Nach fast zwei Jahren Prüfung hat nun die zuständige Bezirkshauptmannschaft Bregenz das reduzierte Bauprojekt genehmigt. Salzmann bestätigt der Behörde Korrektheit, die Dauer des Verfahrens sei wohl entstanden, weil angesichts des zu erwartenden Widerstandes «übergenau» hingeschaut worden sei. Einverstanden mit dem Bau ist auch die Gemeinde Fussach, in deren Grenzen der Rohrspitz liegt. Bürgermeister Ernst Blum sagte, von der Gemeindevertretung gebe es keine Vorbehalte mehr, die eine oder andere Gegenstimme sei zu erwarten, einem mehrheitlichen Ja stehe aber nichts im Wege. In Fussach überwiegen die Befürworter, auch weil die Steuereinnahmen vom Rohrspitz in die Gemeindekasse fliessen, während der Verkehr über Höchst führt. Nicht unwesentlich sind die über 55 saisonalen Arbeitsplätze, die am Rohrspitz entstanden, fast 20 Mitarbeiter beschäftigt Salzmann ganzjährig.

Einspruch angemeldet

Keinesfalls einverstanden mit dem Projekt ist vor allem die grüne Plattform «Unser Rohrspitz». Auch die Vorarlberger Naturschutzanwältin Katharina Lins sieht zahlreiche Beeinträchtigungen, die vor allem während der Bauzeit auf die Natur am Rohrspitz zukämen, obwohl die Behörde in ihrem Bescheid versichere, man habe diesbezüglich «Dutzende Einschränkungen» festgeschrieben. «Unser Rohrspitz» hat angekündigt, innerhalb der Einspruchsfrist «Himmel und Hölle» gegen das Projekt in Bewegung zu setzen.

Günther Salzmann und seine Ehefrau Jasmin, die aus Rorschach stammt, verlegen sich inzwischen wieder auf das sprichwörtliche Teetrinken. Die behördlich zugesagten Einsprüche wollen sie abwarten und dann sehen, wie die angerufenen Institutionen auf eventuelle Proteste reagieren. Aufgeben ist nicht vorgesehen. «Ich bin hier am Rohrspitz geboren und wir leben hier, und wir wollen hier etwas weiterbringen im Sinne einer Qualitätsverbesserung für die Gäste und Besucher, denen wir die Natur erhalten, aber bis zum gesetzlich geschützten Masse auch zugänglich halten wollen.»


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