Kachelmann: "Traue Karl Dall solche Tat nicht zu"

Stand wegen Vergewaltigungsvorwürfen ebenfalls in den Schlagzeilen: Meteorologe Jörg Kachelmann. (Archiv/Keystone)
Komiker Karl Dall ist in St.Gallen verhaftet worden - der Vorwurf: Vergewaltigung. Der Ostschweizer Meteorologe Jörg Kachelmann über Karl Dall, das Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaft und seine eigenen Erfahrungen mit Vergewaltigungsvorwürfen.
29. November 2013, 06:20
Daniel Walt
Herr Kachelmann, Karl Dall ist wegen Vergewaltigungsvorwürfen verhaftet worden. Welches war Ihr erster Gedanke, als Sie davon erfahren haben?
Jörg Kachelmann: Oje.

Karl Dall wurde nach einem Auftritt vor der St.Galler Tonhalle verhaftet und offenbar sogar in Handschellen gelegt. Er betont, die Polizeibeamten hätten ihn jederzeit respektvoll und freundlich behandelt. Trotzdem: War es aus Ihrer Sicht nötig, Dall in Handschellen zu legen?
Kachelmann: Ich kann mir nicht vorstellen, welche Gefahr von ihm ausgegangen wäre, wenn man ihn einfach nur freundlich gebeten hätte, mitzukommen. Trotzdem haben die Zürcher Behörden viele Dinge richtig gemacht, die in Mannheim und Schwetzingen in meiner Angelegenheit noch nicht erfunden waren.

Die Aussagen der Frau sollen widersprüchlich sein. Zudem erstattete sie erst mehrere Wochen nach der angeblichen Tat Anzeige und soll Dall zunächst belästigt und um Geld angegangen haben, wie er sagt. Wie wirkt der ganze Fall auf Sie?
Kachelmann: Wie eine typische Falschbeschuldigung. 

Inwieweit kennen Sie Karl Dall näher – würden Sie ihm eine solche Tat zutrauen?
Kachelmann: Ich traue ihm eine solche Tat aufgrund der persönlichen Begegnungen, die ich mit ihm hatte, nicht zu. 

Das Verfahren läuft noch – ein mögliches Signal, dass die Sache doch nicht so klar ist?
Kachelmann: Ein Vergewaltigungsvorwurf wird richtigerweise heutzutage immer sehr, sehr ernst genommen. Nochmal: Das ist gut, richtig und wichtig. Und es wird heute immer in jede Ecke geleuchtet, ob nicht doch irgendetwas dran sein könnte. Leider erlahmt der Ermittlungseifer wundersamerweise sofort, wenn es darum geht, eine Falschbeschuldigerin strafrechtlich zu verfolgen. Das passiert selten bis nie, weshalb Falschbeschuldigungen heute zu einem Massenphänomen geworden sind - es ist das perfekte Verbrechen. Man kann einen Menschen auf einfachste Art und Weise zerstören, ohne dafür ernsthaft belangt zu werden.

Sie wissen aus eigener Erfahrung, wie es ist, einer Vergewaltigung bezichtigt zu werden. Mit welchen Reaktionen aus seinem Umfeld muss Karl Dall rechnen, welche Leute sind es, die bei solchen Vorwürfen zu einem halten?
Kachelmann: Alle, die ihn gut kennen, werden zu ihm halten. 

Gesetzt der Fall, die Anschuldigungen gegen Karl Dall halten wie in Ihrem Fall nicht stand: Inwieweit wird trotzdem etwas an ihm hängenbleiben?
Kachelmann: Es ist das erfolgreiche Kalkül der Falschbeschuldigerinnen, dass eben immer was hängen bleibt. Die Medien helfen dabei eifrig mit, indem die Einstellung des Verfahrens nur eine kleine Meldung sein wird und kein Journalist die Justiz danach fragen wird, warum die Falschbeschuldigerin nicht verhaftet worden ist oder am Ende im Gefängnis landet.

Interview: Daniel Walt
 

Jörg Kachelmann

Der Ostschweizer Meteorologe Jörg Kachelmann war in Deutschland angeklagt – seine Ex-Freundin warf ihm Vergewaltigung vor. Kachelmann wurde 2011 nach einem aufsehenerregenden Prozess freigesprochen. Er hat seine Erfahrungen gemeinsam mit seiner heutigen Frau im Buch «Recht und Gerechtigkeit» verarbeitet – Thema: Falschbeschuldigungen. (dwa)


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