Hohe Preise für tiefe Autonummern

Jeder Kanton kann für die Abtretung von Kontrollschildern eigene Regeln aufstellen. (Michel Canonica)
Der Besitzer des Kontrollschilds "SG 12345" möchte es privat weiterverkaufen. Das Geschäft mit speziellen Autonummern ist profitabel. Doch ist ein solcher Handel überhaupt legitim?
27. März 2015, 14:06
Jana Rutarux
Knapp zwei Jahre ist es her, seit der Kanton St.Gallen die Nummer "SG 1" für 135'000 Franken an eine Privatperson versteigerte. Das Geschäft mit auffälligen Autonummern ist lukrativ. Nun möchte sich der Besitzer des Kontrollschilds "SG 12345" von seiner Nummer trennen. In unserer Zeitung veröffentlichte er dazu folgendes Inserat: "Autonr.schild 'SG12345' an vertrauensvolle Person zu verkaufen."
 
"Dieses Schild wird bestimmt Anklang finden", ahnt Georges Burger, Leiter des St.Galler  Strassenverkehrsamtes. Er kennt sich aus, denn der Kanton St.Gallen versteigert Schilder seit sechs Jahren. Mitarbeiter des Amts suchen wöchentlich zehn freie Exemplare für die Auktion aus. Vor allem auffallende aber auch tiefe Nummern sind mit dabei. Durch die Auktion erwirbt der Kanton jährlich etwa eine Million Franken in den allgemeinen Staatshaushalt. Im Rekordjahr 2013 waren es gar 1,3 Millionen.  Damals wurden die St.Galler Nummern 1,2 und 3 versteigert. Die Kontrollschilder 1 bis 20 waren von den Feuerwehrautos der Stadt St.Gallen abmontiert und mit sechsstelligen Nummern beginnend mit 118 ersetzt worden.
 
Behörden interessieren sich nicht
Und dennoch, die Behörden würden sich nicht für den Verkauf unter Privaten von "SG 12345" oder dessen Verkaufspreis interessieren, sagt Burger. Fakt ist, dass Kontrollschilder dem jeweiligen Kanton gehören. Wie die Kantone die Regeln bei einer Abtretung festlegen, steht ihnen frei. In St.Gallen können ein- bis vierstellige Schilder nur an Verwandte direkter Linie, also an Geschwister oder Ehepartner weitergegeben werden. Ansonsten verfügt das Strassenverkehrsamt über die Nummer. Handelt es sich aber wie bei "SG 12345" um eine fünf oder gar sechsstellige Zahl, kann der Besitzer selber entscheiden, an wen er das Schild weitergibt. Dabei muss einzig ein Übertragungsformular ausgefüllt und die Übertragungsgebühr von 150 Franken bezahlt werden.
 
Laut Burger ist die Nachfrage nach speziellen Autonummern im Kanton St.Gallen stets da. Dies ganz unabhängig von Alter, Nationalität oder Geschlecht der Käufer. Dementsprechend gebe es auch Personen, die wöchentlich das Angebot der Auktion prüfen. "Es sind noch nicht alle St.Galler ein-, zwei- und dreistelligen Nummern versteigert worden. Wir verfügen noch über einen schönen Bestand", sagt Burger. Welche oder um wie viele es sich handelt möchte er nicht verraten.
 
Ein Schild für 150 oder mehrere 1000 Franken
Für das Schild "SG 12345" schätzt Burger Einnahmen im dreistelligen Bereich. Was für Angebote der Besitzer bereits erhalten hat, möchte dieser auf Anfrage nicht beantworten. Üblicherweise bezahlt ein Fahrzeuglenker für eine neue Nummer 45 Franken. Die Zuteilung erfolgt innerhalb der fortlaufenden Nummernserie nach dem Zufallsprinzip. Momentan gibt das Strassenverkehrsamt Kontrollschilder über 420'000 heraus. Eine freie, unauffällige Nummer im 100'000er Bereich kostet etwa 300 Franken.

Die restlichen Kontrollschilder, welche länger als ein Jahr im Lager liegen, werden versteigert. "Bei vierstelligen Kontrollschildern befindet sich der Kaufpreis bei mehreren 1000 Franken, wobei der Wert bis um ein fünffaches variieren kann", sagt Burger. Am vergangenen Freitagnachmittag stand beispielsweise die Nummer "SG 4330"  bei 1520 Franken.
 
Im Thurgau entscheidet das Los
Im Kanton Thurgau können Autonummern nach Belieben auf andere Personen übertragen werden. Für eine neue Nummer zieht der Autobesitzer beim Strassenverkehrsamt ein Los. Nummern, die länger als ein Jahr im Depot liegen, gelangen automatisch in den Lostopf und kosten 35 Franken. Dies ganz unabhängig von ihrer Höhe. Wenn ein Fahrzeuglenker eine bestimmte Nummer sucht, kann er sie unter Umständen bei der Auktion erwerben. Das Strassenverkehrsamt berücksichtige bei der Auswahl  unter anderem Wunschzettel von Kundinnen und Kunden, sagt Ernst Anderwert, Geschäftsführer des Thurgauer Strassenverkehrsamts. Fahrzeuglenker können bei der Auktion ausserdem gleich selber ihre Kontrollschilder versteigern.
 
Der Kanton Thurgau hat im Vergleich zum Kanton St.Gallen im vergangenen Jahr mit der Auktion nicht einmal halb so viel eingenommen: Rund 400'000 Franken. Die Thurgauer Nummern 1 bis 10 seinen momentan nicht im Verkehr. Dies wird sich aber in Zukunft ändern. Es sei zwar nicht vorgesehen die Schilder eins bis drei zur Versteigerung zu bringen, in "naher Zukunft" würde das Amt aber die Nummern 4 bis 10 anbieten, sagt Anderwert.
 
Appenzell Ausserrhoden will auch Auktion starten
Auch im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist es bis anhin erlaubt, Kontrollschilder privat weiterzuverkaufen. Dem Kanton muss lediglich eine Summe von 200 Franken bezahlt werden. Gemäss Pascal Joos, Administrationsleiter des Strassenverkehrsamts, bleibt das aber nicht für immer so. Ab nächstem Jahr will der Kanton ebenfalls Nummern in Auktionen anbieten. Dabei sollten auch die Händlerschilder (U) 1 bis 199 ersteigert werden können, sagt Joos. Momentan sind im Kanton Nummern von 200 bis etwa 42'000 zugeteilt. Wer ein neues Schild möchte, zahlt 35 Franken für eine fünfstellige Zahl. Eine freie vierstellige Nummer kann man im Internet reservieren. Hierbei kostet einzig das Schild 500 Franken.
 

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