Glasfaser wird für Gemeinden zum Finanz-Abenteuer

EIGENES NETZ ⋅ Da die Swisscom nicht alle Gegenden mit der Glasfasertechnologie versorgt, bauen Ostschweizer Gemeinden ein eigenes Netz auf. Die Ausgaben gehen selbst für Kleingemeinden in die Millionen. Die Rückzahlung ist ungewiss.
24. April 2016, 08:30
ROGER BRAUN

Das Internet wird immer schneller – und damit die Anforderungen an die Infrastruktur. In den Städten erstellt die Swisscom derzeit zusammen mit den Elektrizitätsunternehmen ein engmaschiges Glasfasernetz bis in die Wohnungen, das Surfgeschwindigkeiten von über einem Gigabit pro Sekunde ermöglicht. Davon können ländliche Gemeinden nur träumen, denn die Erschliessung verstreuter Siedlungen ist für die Swisscom nicht lukrativ genug. Viele Ostschweizer Gemeinden bauen deshalb ein Glasfasernetz in Eigenregie. Gemeinden wie Eschlikon, Schönholzerswilen oder Kirchberg investieren dazu Millionen. Ziel ist es, dieses Geld in den nächsten 20 Jahren wieder einzuspielen. Ob sie das schaffen, ist offen.

Die Swisscom hat technische Mittel gefunden, um die herkömmlichen Kupferleitungen auf den letzten Metern deutlich zu beschleunigen. Sie tritt damit in Konkurrenz zu denjenigen Gemeinden, die für teures Geld ein eigenes Netz gebaut haben. Kritiker hinterfragen zudem die Ausgaben der Gemeinden, da in der Hochtechnologie niemand wissen könne, was in 20 Jahren angesagt sei.

Von einer «hochkomplexen Materie» spricht der Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbands Reto Lindegger. Er rät den Gemeinden zur vertieften Analyse, bevor sie die millionenschweren Ausgaben tätigen. Der Verband hat dafür vor drei Jahren eine detaillierte Checkliste erarbeitet. Lindegger sagt: «Aufgrund des rasanten technologischen Wandels werden wir abklären, ob es sinnvoll wäre, diese zu aktualisieren.»

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 24. April.


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