Gamen gegen die Schuldenfalle

FINANZKOMPETENZ ⋅ Das Lernspiel Finance Mission Heroes wurde entwickelt, um Jugendlichen den Umgang mit Geld beizubringen. Gesponsert wurde das Projekt von den Schweizer Kantonalbanken.

24. Februar 2017, 07:15
Christina Klein

27 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in der Schweiz leben gemäss dem Bundesamt für Statistik in einem Haushalt mit Zahlungsrückständen. Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) hat gemeinsam mit dem Syndicat des enseignants romands (SER) und den Schweizer Kantonalbanken den Verein Finance Mission gegründet. In dessen Rahmen wurde das digitale Lernspiel Finance Mission Heroes für die erste Sekundarstufe entwickelt, welches Jugendlichen Finanzkompetenz spielerisch vermitteln soll. Mit dem sogenannten Serious Game sollen die Jugendlichen die Prinzipien der Marktwirtschaft und die Folgen ihres Konsums besser verstehen.

Im Spiel werden die Schüler zu Superhelden, die ihre Stadt von Geld stehlenden Robotern befreien müssen. Dabei müssen sie geeignete Finanzierungsstrategien für Ausrüstungsgegenstände wählen, ihr Geld richtig budgetieren und ihre Zeit sinnvoll einteilen. Ausserdem wurden – um auf das echte Leben anzuspielen – Luxusgüter ins Spiel eingebaut. So kann man etwa einen stylischen Heldenanzug kaufen – weiterbringen wird einen dieser aber nicht. Die Schüler können anhand von Finance Mission Heroes spielerisch ausprobieren, wie sie ihr Geld am besten verwalten.

Gamen kann klug machen

Doch kann ein Videospiel wirklich beim Lernen helfen? Beat W. Zemp, Vorstandspräsident des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, ist überzeugt: Gamen kann klug machen. Im Spielen sehe er sogar Erweiterungspotenzial im Bereich moderner Lehrtechniken – das System sei noch lange nicht ausgeschöpft. Lilian Geiger ist von der Wirksamkeit des Spiels nicht überzeugt. Natürlich könne ein Spiel für die Thematik sensibilisieren. Finanzkompetenz zu erlernen solle aber schon viel früher beginnen – im eigenen Zuhause. Da einige Eltern dieser Aufgabe nicht entgegenkommen können, sei es gut, wenn Schulen das Thema aufgreifen würden. Ob ein Lernspiel die richtige Herangehensweise ist, sei eine andere Frage. «Immerhin könnten die Kinder auch einfach Monopoly spielen», sagt Geiger.

Ins Auge sticht einem das Logo der Schweizer Kantonalbanken, offizielle Sponsoren der Finance Mission. Beat W. Zemp hat allerdings keine Zweifel, den richtigen Sponsor gefunden zu haben: «Der Lehrerverband hat Richtlinien zum Umgang mit gesponsertem Unterrichtsmaterial erstellt. Die Kantonalbanken richten sich exakt nach diesen.» Laut dem CEO der St. Galler Kantonalbank, Roland Ledergeber, geht es seiner Bank bei Finance Mission nicht primär um Kundengewinnung. Als Bank habe sie eine gesellschaftliche Verantwortung gegenüber den Schulen. «Aber natürlich schadet es auch unserer Reputation nicht.»

Christina Klein

christina.klein@tagblatt.ch


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