Frau getötet, Milde beantragt

Ein 47-Jähriger, der seine Frau überfahren und erschlagen hat, will das Urteil des Kreisgerichts St. Gallen nicht akzeptieren. Anfang März verlangt er am Kantonsgericht eine mildere Strafe.
10. Februar 2014, 02:34
CLAUDIA SCHMID

ST. GALLEN. Das Kreisgericht St. Gallen sprach den Kosovaren im Mai 2013 des Mordes, der mehrfachen Drohung, der mehrfachen Nötigung und der einfachen Körperverletzung schuldig. Es verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren. Im Berufungsverfahren vom 4. März wendet sich der Beschuldigte vor allem gegen die Qualifikation der Tötung als Mord. Er beantragt einen Schuldspruch wegen vorsätzlicher Tötung und eine Reduktion der Strafe. Die Staatsanwaltschaft fordert die Abweisung der Berufung.

Eisenstange hervorgeholt

Die Tat ist am 8. November 2011 um die Mittagszeit geschehen. Der Beschuldigte passte seine Ehefrau an ihrem Arbeitsplatz in St. Gallen ab. Als sie auf der Sittertalstrasse zu Fuss unterwegs war, folgte er ihr mit dem Auto, drückte auf das Gaspedal und fuhr von hinten in sie hinein. Die Frau wurde gegen die Windschutzscheibe und anschliessend auf den Boden geschleudert. Sie blieb liegen, war aber noch am Leben.

Laut Anklageschrift stellte der Beschuldigte das Auto ab und holte aus dem Kofferraum einen Radmutterschlüssel. In dieser Zeit eilte ein Strassenbauarbeiter herbei, der die Tat beobachtet hatte. Er musste zurückweichen, weil ihn der Mann mit der Eisenstange bedrohte. Der Beschuldigte legte den Kopf seiner Gattin von der Wiese auf den harten Trottoirbelag und schlug zu. Die Frau erlag den schweren Verletzungen. Der Mann flüchtete.

Gerichtlich getrennt

Zum Zeitpunkt der Tat lebte das Paar gerichtlich getrennt. Er habe seine Frau oft mit einem anderen Mann beim Kaffeetrinken gesehen, hatte der Beschuldigte während der erstinstanzlichen Gerichtsverhandlung erklärt. Durch ihr Fremdgehen habe er seine Ehre verloren. Die Polizei und eine Frau von der Behörde hätten ihm geraten, er solle sich wie ein Schweizer verhalten und seine Frau gewähren lassen. «Das habe ich nicht akzeptieren können», sagte der Kosovare. Getrennt sei nicht geschieden und eine Frau dürfe nicht so handeln, wie es seine Gattin gemacht habe.

Mangelnde Impulskontrolle

Der Verteidiger des Kosovaren hatte auf vorsätzliche Tötung statt Mord plädiert. Die Tat habe viel Leid verursacht. Dennoch müsse der Sachverhalt im Sinne des Gesetzes beurteilt werden, sagte er. Den Ereignissen seien monatelange Streitereien zwischen den Eheleuten vorausgegangen. Die Situation sei letztlich eskaliert. Der Beschuldigte habe die Tötung nicht von langer Hand geplant. Ein Gutachten halte fest, dass sein Mandant an «mangelnder Impulskontrolle» leide. Dies müsse bei der Urteilsfindung berücksichtigt werden.

«Das war menschenverachtend»

Der Staatsanwalt wies hingegen darauf hin, dass der Beschuldigte die Tötungsabsicht mehrfach angekündigt hatte. Er habe aus Rache gehandelt und seine Frau über Monate drangsaliert. Sein Verhalten sei frauen- und menschenverachtend.

Bei der Urteilsfindung folgte das Kreisgericht St. Gallen im Mai 2013 den Anträgen der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Mann wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 19 Jahren. Die vorsitzende Richterin hatte das Verschulden als «äusserst schwer» bezeichnet. Von einer Kurzschlusshandlung könne keine Rede sein. «Er hat seine Frau regelrecht hingerichtet.»


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