Eltern wehren sich gegen Kesb-Bürokratie

Eine 79jährige Mutter stört sich daran, wie sie gegenüber der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Rechenschaft über die Betreuung ihrer behinderten Tochter Rechenschaft ablegen muss.
16. Juli 2016, 19:03
MICHAEL GENOVA

Beistandspersonen müssen den Behörden regelmässig Rechenschaft über ihr Tun ablegen. Seit der Einführung des neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrechts gilt dies auch für Eltern, die sich als Beistände weiterhin um ihre erwachsenen Kinder kümmern. Sie müssen Rechnungen vorweisen und den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb) regelmässig Bericht erstatten. Das gilt auch für eine 79jährige Mutter aus dem Appenzeller Hinterland, die ihre 42jährige Tochter mit Down-Syndrom pflegt: «Ich habe nichts dagegen, wenn jemand kontrolliert, ob es meiner Tochter gut geht.» Die zusätzlichen administrativen Aufgaben empfinde sie jedoch als Einmischung.

Urs Steiner von der Berufsbeistandschaft Hinterland in Herisau äussert dafür Verständnis. Es gehe aber nicht nur um das emotionale Empfinden der Mutter, sondern auch um die Rechte ihrer Tochter. Mit der Kontrolle werde sichergestellt, dass die Beistände alle Leistungen für die schutzbedürftige Person einforderten.

Behördenvertreter aus der Ostschweiz betonen, dass die neuen Regeln mit Augenmass umgesetzt würden. «Wir pflegen schon seit Einführung des neuen Rechts eine flexible und pragmatische Praxis», sagt Glen Aggeler, Vorsitzender der Kesb-Präsidien des Kantons St. Gallen. In 95 Prozent der Fälle würden die Eltern nach einer ersten Prüfung von der Pflicht zur Berichterstattung befreit. Die Kesb Arbon kennt laut Präsident Andreas Hildebrand eine ähnliche Regelung: Nach einer ersten Überprüfung übermitteln elterliche Beistände der Behörde nur noch einmal pro Jahr einen Kontostand.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 17. Juli.


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