Der bockige Moslem schlägt Terroralarm

IMAM ANGESCHWÄRZT ⋅ Als bockiger Moslem sorgte Emir Tahirovic für viel Ärger in St.Margrethen. Nun wirft er einem Imam aus der Region vor, Hass zu schüren. Und schlägt bei der Bundesstelle für Terrorismusbekämpfung Alarm.
21. April 2017, 15:58
Daniel Walt/Christoph Zweili
Er sass schon im Gefängnis, weil ihm seine Glaubensüberzeugungen wichtiger sind als die hiesigen Gesetze: Emir Tahirovic ist als bockiger Moslem von St.Margrethen schweizweit zu zweifelhafter Bekanntheit gelangt. Der streng gläubige Bosnier trägt aus religiösen Gründen einen Vollbart. Er will nicht, dass seine Tochter am gemischten Schwimmunterricht teilnimmt, und sagt über sich selbst: "Ich bin Salafist." Nun greift Tahirovic einen Mann an, der, wenn man seinen Worten glauben kann, noch radikaler ist als er selbst: Tahirovic hat bei der bundeseigenen Stelle namens Koordination Terrorismusbekämpfung einen Imam aus der Ostschweiz angeschwärzt.

"Radikalisiert muslimische Kinder"
Er kenne den Imam seit langem, schreibt Emir Tahirovic in seinem Brief, der Tagblatt Online vorliegt. Der Mann und seine Gemeinschaft verurteilten öffentlich Hassreden, distanzierten sich aber nicht von Yusuf al-Qaradawi, der Terrorismus gutheisse. Al-Qaradawi werde vom Imam gelobt, und seine Bücher würden in den entsprechenden Moscheen sogar verkauft, schreibt Tahirovic. Der gebürtige Ägypter al-Qaradawi ist ein islamischer Rechtsgelehrter, der sich immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert sieht, er fördere mit seinen Predigten den Islamismus und den islamistischen Terrorismus.

Ein weiterer Vorwurf Tahirovics an den Ostschweizer Imam lautet, dass der Mann muslimische Kinder an der öffentlichen Schule radikalisiere. Zudem lehre er seit Jahren heimlich den Islam und den Koran.

Was der Gemeindepräsident sagt
Der St.Margrether Gemeindepräsident Reto Friedauer reagiert gelassen auf das Schreiben von Emir Tahirovic, das dieser auch ihm zugestellt hat: "Der Mann mailt in der ganzen Weltgeschichte herum, um von sich selbst abzulenken". Das Thema Integration sei der Gemeinde wichtig: Man habe im November 2016 unter Leitung der regionalen Fachstelle Integration im Schulhaus Wiesenau St.Margrethen einen Migrationstag für Eltern, Behörden und die interessierte Öffentlichkeit durchgeführt – mit einer Theater-Uraufführung am Morgen und einer Forumsveranstaltung am Nachmittag, um offene Fragen in der Gemeinde zu klären. "Da war Tahirovic notabene nicht dabei", sagt Friedauer.

Der Imam sei auf Wunsch der Gemeinde am Podiumsgespräch dabei gewesen, "von etwaigen Sympathien mit radikal-islamischen Kreisen wissen wir nichts", sagt Friedauer. "Wären uns solche bekannt gewesen, hätten wir den Mann nicht eingeladen." Der Imam habe sich klar von "Hasspredigten gegen die Werte dieses Landes" distanziert und für die Integration ausgesprochen: Moscheen, in denen Hass gepredigt werde, seien zu schliessen. Diese Botschaft sei im Publikum gut angekommen, "sie gibt auch klar die Haltung der Gemeinde wieder".

"Herr Tahirovic soll seine Vorwürfe klar belegen", sagt Reto Friedauer. Das gelte insbesondere auch für den Vorwurf, dass seit Jahren heimlich muslimische Kinder an der Schule in St.Margrethen vom Imam unterrichtet würden. "Davon weiss ich nichts."
 
Imam nicht erreichbar
Der von Emir Tahirovics Vorwüfen betroffene Imam war für Tagblatt Online vorerst nicht erreichbar, genauso wie der ferienabwesende St.Margrether Schulpräsident Roger Trösch. An diesen war Tahirovics Schreiben ebenfalls gegangen.
 

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