Das Büsi auf dem Teller

HASLEN. Oberhalb von Haslen gibt es einen betagten Bauern, der Katzen isst. Dies macht der Appenzeller Tierschutzverein publik. Verboten ist der Verzehr im eigenen Haushalt nicht.
13. Mai 2015, 08:34
Roger Fuchs

Ein betagter Bauer oberhalb von Haslen weigert sich, seine Katzen kastrieren zu lassen. Nicht etwa, weil er die Kosten dafür scheut, sondern weil seine Tiere hin und wieder auf seinem Teller landen. Dies berichtet der Appenzeller Tierschutzverein unter dem Titel «Der Katzenfresser» in seinem Jahresbericht.

Schlimmes Erlebnis

Die Situation vor Ort erlebt hat Brigitte Willi aus Appenzell. Am vergangenen Samstag ist sie nach vier Amtsjahren als Tierschutzinspektorin und Vorstandsmitglied beim Appenzeller Tierschutzverein zurückgetreten. Was sie Ende vergangenen Jahres kurz vor Weihnachten auf einem Hof oberhalb von Haslen zu sehen bekam, sei eines der schlimmeren Erlebnisse der letzten Jahre gewesen.

Nachdem sich eine Nachbarin des Bauern und Katzenbesitzers beim Tierschutz gemeldet hatte, wurde diesem ein Besuch abgestattet und zum Einfangen der Katzen auch eine Katzenfalle mitgenommen. Die Nachbarin und ihr Mann boten dem Bauern an, die Kosten für die Kastration von zwei neuen Jungkatzen zu übernehmen. Der Katzenbesitzer habe sich jedoch quergestellt, erinnert sich Brigitte Willi. Stattdessen habe der Bauer gesagt, dass er der Natur freien Lauf lassen wolle. Menschen würde man auch nicht kastrieren, soll er gesagt haben. Dann habe der Bauer auch angegeben, die Katzen jeweils zu essen. «Da musste ich erst einmal leer schlucken», sagt Brigitte Willi. Zwar habe sie gesagt, dass man das doch nicht tue, letztlich hätten sie jedoch unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen.

Sepp Neff, Interimsbezirkshauptmann von Schlatt-Haslen und gleichzeitig Innerrhoder Bauernpräsident, kann diese Geschichte kaum glauben. Dass solches im Kanton geschehe, sei überhaupt nicht Usus. Er selber würde weder Katzen noch Hunde essen. Letztlich könne man aber nichts dagegen machen. Das bestätigt auch Sascha Quaile, Kantonstierarzt beider Appenzell. Der Verzehr von Katzenfleisch im eigenen Haushalt sei nicht verboten, der Verkauf von Katzenfleisch, der Handel und das Anbieten im Restaurant hingegen schon.

Tierschutzkonform töten

Wer die eigenen Katzen isst, muss gemäss Quaile eine tierschutzkonforme Tötung garantieren: Betäuben mit Kugelschuss und dann entbluten lassen. Das Erschlagen oder Ertränken der Tiere in einem Brunnen sei nicht tolerierbar. «Der Katzenfresser» oberhalb von Haslen hat gemäss Brigitte Willi gesagt, er würde tierschutzkonform töten.

Wie oft die Menschen ihre eigenen Büsis essen, weiss der Kantonstierarzt nicht. Zahlen dazu liegen nicht vor.


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