Damit die Felchen nicht verhungern

PETITION ⋅ Die Berufsfischerverbände am Bodensee sehen ihre Existenz bedroht. Mit einer Petition fordern sie konkrete Massnahmen, wie die Erhöhung des Phosphorgehaltes im Bodensee.
24. April 2017, 06:31
Barbara Hettich

Barbara Hettich

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Die Fangerträge der Berufsfischer am Bodensee sind so niedrig wie nie zuvor. So niedrig, dass die Berufsfischerverbände aus Bayern, Baden-Württemberg, Thurgau, St. Gallen und Vorarlberg 2014 die Kampagne «Der Bodensee – Ein Juwel hungert» starteten, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen: Die Fischer machen den geringen Phosphorgehalt für den Ertragsrückgang, insbesondere bei den Felchen, dafür verantwortlich.

Unter der Leitung der Internationalen Bodenseekonferenz IBK wurde ein Dialogforum der unterschiedlichen Interessensgruppierungen einberufen. Der Konsens: der Phosphorgehalt im Bodensee sollte nicht unter zehn Mikrogramm sinken.

«Phosphor ist Basisfaktor in der Nahrungspyramide»

Um dieser Forderung mehr Gewicht zu verleihen, überreichten sie am Samstag bei ihrem Treffen in Güttingen ihren Landesvertretern 25766 Unterschriften. Für die Schweiz war der Thurgauer SVP-Nationalrat Markus Hausammann zugegen. Der Dialog müsse verstärkt werden, war er mit den Berufsfischern einig. Im Thurgau sei ein Ressourcenschutzprogramm ins Leben gerufen worden, um auch dem Problem mit der Mikroverunreinigung auf die Spur zu kommen.

«Phosphor ist der Basisfaktor in der Nahrungspyramide», bestätigte Erich Staub, ehemaliger Leiter der Sektion Fischerei beim Bundesamt für Umwelt. Er führte beim Treffen der Berufsfischer in die Problematik des Felchen-Rückgangs ein. 1975 habe der Phosphorgehalt im Bodensee bei 80 Mikrogramm pro 1000 Liter gelegen: Der See war überdüngt, dreckig, und es wurden rund um den See Massnahmen ergriffen, um den Trinkwasserspeicher zu säubern. «Dabei haben wir es übertrieben», sagte Staub. Der Phosphorgehalt liege derzeit etwa bei sechs Mikrogramm pro 1000 Liter, «zu wenig für ein gesundes Wachstum der Algen und somit zu wenig Nahrung für die Fische».

Während kleine Fische wie der Stichling kaum darunter litten, seien die grossen, wie die Felche, sehr viel mehr betroffen. Wachstum und Fortpflanzung blieben aus. Die Folgen: Die Felche sterbe aus oder ziehe sich in tiefere Gewässer zurück, wo sie wegen der Kälte weniger Energie brauche. «Dies dürfte Folgen für das Ökosystem des Bodensees mit sich bringen», ist Staub überzeugt.

Die Felche ist ein beliebtes, regionales Nahrungsmittel rund um den See. Aufgrund des Fangrückgangs könnte die fehlende Menge Fisch mittels Aquakultur produziert werden. «Netzgehege in den See zu stellen hat den Vorteil, dass die Restaurants flexibel beliefert werden könnten», sagte Staub. Eine Aquakultur habe aber auch viele Nachteile: Ein Zuchtfisch könne qualitativ mit einem Wildfisch nicht mithalten. Beim Wildfisch sei die Ökobilanz um einiges besser, denn beim Zuchtfisch müsste tonnenweise Futter zugeführt werden. Das Absaugen von Futter- und Kotrückständen funktioniere nur bedingt. Zudem sei damit das Grundsatzproblem – die Ertragseinbussen für die Berufsfischer – nicht gelöst.


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